Wir möchten einige Mißverständnisse ausräumen, die bezüglich unseres Textes „Einladung zu einem ersten Treffen …“ entstanden sind. Erstens: Es handelt sich dabei keineswegs um ein Fake und auch nicht um eine Provokation. Es bietet einigen Aufschluß über den paranoiden Geisteszustand eines Durchschnittslinken, daß er sich eine Infragestellung seines Weltbildes nur als Provokation vorstellen kann, in die Welt gesetzt, um ihn – ihn ganz persönlich – und seine linke family zu ärgern. Nein, der Zweck unseres Textes war viel simpler und durchaus eigennützig: Wir wollten uns mit anderen denkenden Menschen zu einem lockeren Diskussionszusammenhang vernetzen. Dieses Ziel wurde erreicht – etliche Leute, denen unser Text gefallen hat, haben sich bei uns gemeldet, und mit denen werden wir uns bald zusammensetzen –, und somit hat unser Aufruf seinen Zweck erfüllt.
Ein weiteres Mißverständnis war, daß wir Wert darauf legen könnten, ausgerechnet mit jenen, die in diesem und in weiteren Online-Diskussionsforen mit Schmutz auf uns werfen, in eine Diskussion zu treten. Wo denn nun unsere Argumente blieben, wird geblafft. Nun, abgesehen davon, daß wir mit jemandem, der uns von der Seite anbellt und dessen Auseinandersetzung mit politischen Gegnern darin besteht, ihnen persönliches Leid an den Hals zu wünschen, kein Gespräch anfangen; abgesehen auch davon, daß es uns schwerfällt, Leute ernstzunehmen, die sich als „Anarcha-Kommunistin“ bezeichnen oder den militanten politischen Islam für eine Erfindung von Spiegel, Focus, Konkret und Jungle World halten; abgesehen davon, daß eine Debatte mit Anhängern jener Psychosekte, die die Zeitschrift „Gegenstandpunkt“ herausgibt, in etwa so fruchtbar ist wie eine Diskussion mit Zeugen Jehovas; abgesehen davon, daß es Leute gibt über die wir reden, aber nicht mit ihnen, da wir sie schlicht nicht für satisfaktionsfähig halten; – abgesehen davon, ist uns in all den Beiträgen, die sich gegen unseren Text richten, noch kein einziges Argument begegnet, so daß es auch nichts gibt, worauf wir wiederum mit Gegenargumenten reagieren könnten.
Uns wird entgegengehalten, wir würden Demokratie, Rechtsstaat und Marktwirtschaft affirmieren. Ja richtig, das tun wir, das wußten wir aber bereits, wo ist bitte die Kritik? Unsere Anmerkungen zum Feminismus seien antifeministisch und damit verwerflich. Nun, antifeministisch sind sie sicher, aber was an ihnen sachlich und inhaltlich falsch ist, wird nicht gesagt. Das scheint sich von selbst zu verstehen. Wer behauptet, es gäbe Männerfeindlichkeit, könne ja wohl nur ein sexuell frustrierter Hagestolz sein. Früher wurde eine solche Unterstellung („wohl keinen abgekriegt“) Feministinnen entgegengehalten, statt sich inhaltlich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wenn sie sich gegen Männer richtet, scheint diese Unterstellung völlig p.c. zu sein. Q.e.d.
Unseren Ausführungen zu Hunger und Armut wird in einem linken Forum das unkommentierte Foto eines hungernden Kindes entgegengehalten, so als würden wir abstreiten, daß es Hunger gibt, und als würde ein solches Foto die Erklärung, warum es Hunger gibt, schon beinhalten. In welchem Land wurde dieses Bild aufgenommen? Die „Dritte Welt“ oder, wie es in Linkssprech heißt, der „Trikont“ besteht ja, man sollte es gar nicht glauben, aus sehr vielen verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Regierungsformen, unterschiedlicher Bevölkerungsstruktur, unterschiedlichem Standard technischer Entwicklung, unterschiedlicher Tradition, unterschiedlichem Lebensstandard, unterschiedlicher Verflechtung mit dem Weltmarkt usw. Die Gleichgültigkeit der Linken gegenüber den Adressaten ihrer angeblichen Solidarität wird deutlich in der unkommentierten und dekontextualisierten Präsentation eines solchen Fotos. Wann wurde es überhaupt aufgenommen, in welcher konkreten Situation? Herrschte dort vielleicht gerade Krieg? Ist dieses Kind möglicherweise ein sudanesisches, dessen Eltern von arabischen Reitermilizen hingemetzelt wurden? Was, wenn diesem Kind mit der Öffnung des Landes, in dem es lebt, für den Weltmarkt oder mit der Absetzung einer Regierung, die die Nahrungsmittelhilfe aus dem Westen für schicke Repräsentationsbauten verjuxt, geholfen wäre? Vielleicht sogar eher als mit der stereotypen Feststellung „Der Kapitalismus ist dran schuld, und der Kommunismus wäre die Lösung“? Merkt niemand, was für ein bequemes Mittel es ist, sich den unangenehmen Gegenstand des Welthungers vom Leib zu halten, indem man einfach das Zauberwort „Kommunismus“ ausspricht, um sich damit auf der moralisch sicheren Seite zu fühlen und sich auf den Gegenstand gar nicht erst einzulassen, während man gleichzeitig denjenigen, die über die komplexen Ursachen des Hungers gerne genaueres wissen und über die Möglichkeiten, ihn abzuschaffen, gerne noch diskutieren würden, Zynismus unterstellt?
Von den Argumenten ad hominem sei nur noch jenes der Karrieregeilheit herausgegriffen. Hinter einer geänderten politischen Überzeugung können nur schnöde materielle Interessen stehen, und die sind allemal pfui. Wir würden uns von unserer linken Vergangenheit allein deshalb verabschieden, weil wir endlich so richtig Kohle machen (schön wär’s) und einen dicken Mercedes fahren wollten, so wie unsere Väter (die darüber herzlich lachen). Was soll man sagen – Karrierestreben gilt in Deutschland nach wie vor als verwerflich, für Deutschlands Linke ganz besonders. Aber ob jemand, dem es darum zu tun ist, sich eine steile Karriere aufzubauen, nicht doch eher ganz andere Dinge macht, als solche Texte zu verfassen?



10 Kommentare
Always look on the bright side of life…
If life seems jolly rotten,
There’s something you’ve forgotten!
And that’s to laugh and smile and dance and sing,
When you’re feeling in the dumps,
Don’t be silly chumps,
Just purse your lips and whistle — that’s the thing!
And… always look on the bright side of life…
na, holmes, interessierte frage, und dann wende ich mich auch schon ab vom möchtegern-leistungsträger :
was bitte ist an anarcho-kommunismus nicht ernstzunehmen ?
das, was ich schrieb (was dein gutes recht wäre) oder die bezeichnung ?
nie in deiner linken vergangenheit von gehört ?
wohl nicht, denn wie anders ist eine solche bemerkung zu erklären.
was soll mensch von ehemaligen MLern auch erwarten.
viel spaß noch !
eine anarcha-kommunistin
p.s.: der liberalismus hat in der tat auch eine flanke, die nach ganz rechts offen ist, wähne dich also nicht auf der sicheren seite.
du wirst das mit deinen neuen weggefährten schon herausfinden ;)
Die Ergänzung von Holmes ist nur noch peinlich.
Als ob Karrieremotive sich nur in Mercedes und viel Kohle-Machen ausdrücken, als ob er nicht selbst von dem Tanzen auf den Straßen ob der beneideten Freiheit gesprochen hat (und dabei eben die Menschen tötenden Zustände völlig ausklammert und zu verhamrlosen sucht), als ob er nicht selbst gegen Feministinnen hetzte und als ob er in seiner “anti”deutschen Aufklärungsphase nicht oft und gerne psychologisierend und generalisierend über Andere richtete und aburteilte (”Schmutz abwerfen”).
Jetzt wird es mit ihm gemacht und da kann er nur noch diese Einwände gegen ihn unter den linken, beschränkten Mob subsumieren.
Was für ein deutscher Spießer, der keine weitere Aufmerksamkeit mehr verdient hat.
Zumindest auf einen inhaltlichen Fehler wurde hingewiesen, wenn auch nur implizit. Nämlich darauf, dass der kategorische Imperativ von Marx (…Verhältnisse in denen der Mensch…) und von Adorno (…Auschwitz nie wieder sei…) - auf die ihre euch immerhin positiv beruft - sich nicht mit dem Liberalismus vereinbaren lassen. Das Problem ist, dass die Darlegung diese Sachverhalts von den Urhebern eben jener Imperative selber kompetenter gemacht wurde, als ich das könnte. Daher beliess ich es bei einem blossen Verweis darauf.
Desweiteren, aber dies nur am Rande, haben Adorno und Horkheimer in der DdA lang und breit dargelegt, warum sich der dritte positiv erwähnte kategorische Imperativ (der von Kant) nicht alleine aus jenem Denken ableiten lässt, dass ihr perpetuiert und Popper nachpoppernd “leicht verständlich” nennt.
Nb. obiger Post sollte zumindest Ansatzweise klar machen, warum eine immanente Kritik eures Elaborats eine Kritik der bürgerlichen Ideologie, und damit zu umfangreich für die Auseinandersetzung mit Internet-Spinnern, ist.
Was ist mit dem Argument, dass ihr keine Antisemitismuskritik habt, Freunde der Gesellschaft?
hi.
dear friends of an open society.
ich habe mir erlaubt das foto im komm-forum zu posten allerdings mit der, von euch unterschlagenen, bildunterschrift: “Dieses Menschenkind hatte wahrscheinlich nicht die ‘Bereitschaft, Frieden, Freiheit, Wohlstand, Gerechtigkeit, Freude oder Freundlichkeit’ hervorzaubern”. Nach eurer denke ist ja offenkundig der böse, böse mensch das problem und nicht die ökonomische und ideologische verfasstheit der welt.
siegbert rotholz
Also mal was vorab zur Klarstellung:
Ich hab nie gg. Karrieregeilheit und Mercedes geschrieben, da müsst ihr schon mehr aufbringen als die uralten bornierten Ressentiments gg. Linke, die ihr aus Eurer Antideutschen Zeit übergerettet habt, bringen. (von denen manche vielleicht sogar stimmen, aber inhaltlich taugt das nix gg. meine Argumente, die ich gleich wiederholen will) Mein Elitejob ist längst klar und meine kommende Erbschaft ist siebenstellig, also kommt mal mit was besserem.
Mein Argument war nicht einfach: Demokratie, Marktwirtschaft und Rechtsstaaat sind doof und da ihr die gut findet, seid ihr auch doof. Mein Argument ist, dass das LOB, was ihr auf diese Sachen singt, VERKEHRT ist, weil es lediglich aus einem VERGLEICH resultiert mit anderen Gesellschaften. Damit soll ein Lob für Kapitalismus und Demokratie rauskommen. Die Methode ist billig, man kennt sie aus dem Sozialkundeunterricht und der Politologie.
Verkehrt ist das daher, weil gar nichts über die Zustände des HIER und JETZT gesagt wird und wie die Leute dabei rumkommen: nämlich ziemlich schlecht. Grund ist Eure Fehlanalyse der Ökonomie. Wenn ihr da von Arbeitszeitverkürzungen redet, dann zeigt ihr nur, wie wenig ihr von Marx verstanden habt. Hier wird nicht für’s Bedürfnis produziert, sondern für Geldvermehrung; d.h. im Alltag: harte und lange Arbeit für die Leute; und wenns neue Maschinen gibt, dann werden viele entlassen und die anderen verbliebenen arbeiten LÄNGER. SO geht die Konkurrenz, die der demokratische Rechtsstaat, auf den der Liberalismus so hohe Lieder singt, ins Werk setzt. Da was VERBESSERN zu WOLLEN, ist ein Witz. Konkurrenz ist hart und kein schönes Leben. Von der Staatenkonkurrenz und den Kriegen rede ich an der Stelle noch nicht.
Ansonsten ist bei Euch echt der Wahnsinn ausgebrochen. Dass einige hier vielleicht auch anders drauf sind, als der ideelle Punching-Ball-Linke, auf den hier eingedroschen wird und diese Linke auch kritisieren, wie z.B. Leute der “Psycho-Sekte” (hoho das Vokabular hat so einen Bart) GegenStandpunkt, das wollt ihr nicht sehen, weil dann Eurer Kartenhaus wie nichts zusammenbricht. Der Text lebt von einem FEINDBILD, aber nicht von einer Kritik an Staat, Kapital. Er VERGLEICHT nur bestimmte HERRSCHAFTSTECHNIKEN des Kapitalismus (Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte) mit Gesellschaften, in denen es diese Dinge nicht gibt und sagt: Tanzt doch endlich mal für den Rechtsstaat!!
Also da ist “Christiansen” weniger patriotisch und lustiger.
So, wenn ihr dazu nichts anständiges sagt, dann weiß ich, dass ihr zu blöd seid, wiederholen tu’ ich’s nicht. Aber vielleicht spreche ich Dich, Holmes mal auf der nächsten Party in einer linken Szenekneipe an. Mal sehen, ob Du dann immer noch was zu den Argumenten sagen kannst, oder ob da nur heiße Luft und ein Entschuldigungszettel kommt.
Ach nochwas: Die Ursache des Hungers ist ein Mangel an Essen. Und dass Leute nichts zu essen haben, liegt daran, dass es Freiheit und Eigentum gibt, die der Rechtsstaat schützt und einige Leute eben die Mittel zum materiellen Fortkommen haben und andere nicht. Darum wird verreckt. Nicht sehr komplex, aber richtig.
test,test, test, sorry