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Totalitarismus versus Liberalismus: Eine Bilanz des Karikaturenstreits
Es ist in diesen Tagen oft die Rede von “dem Westen” und “der islamischen Welt”. Man spricht von Kulturen und Zivilisationen, und von der Gefahr eines Zusammenstoßes.
Das Bild zweier Kulturen oder Zivilisationen aber ist schief. Der Westen ist keine Kultur oder Zivilisation, sondern definiert sich über eine gemeinsame politische und wirtschaftliche Ordnung - liberale Staatlichkeit und Marktwirtschaft. Innerhalb des Westens gibt es viele Kulturen und viele Religionen, zumal in den kulturell sehr heterogenen USA, aber auch in Europa. Die liberale Ordnung ist ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass sie anschlussfähig ist für eine Vielzahl von Kulturen oder Zivilisationen - darauf beruht der Siegeszug der Globalisierung.
Die “islamische Welt” ist ebenfalls heterogen, in Bezug auf politische und wirtschaftliche Ordnung wie in Bezug auf Kulturen oder Zivilisationen. Es gibt zwar ein verbindendes Band der Religion, des Islam, der aber im afrikanischen oder asiatischen Kontext sehr anders ausgelegt wird als im arabischen Kontext.
Der Konflikt, der als Karikaturenstreit bezeichnet wird, ist deshalb kein Konflikt zwischen den Kulturen oder Zivilisationen, zwischen “dem Islam” und “dem Westen”. Es handelt sich vielmehr um einen Konflikt zwischen Totalitarismus und Liberalismus.



