Ja, ja, diese westliche Lebensweise. Sie ist eine der beliebtesten Entschuldigungen, die unsere Islam-Experten für den Terror der Islamisten zu vergeben haben. Arrogant ist diese Lebensweise, nimmt keine Rücksicht, provoziert und ist dekadent. Soweit so falsch. Dabei ist weniger der Umstand skurril, dass weder Al-Quaida noch die Taliban oder Hamas irgendwelche Zweifel an ihren Endsiegs-Plänen und Motiven lassen würden, sondern der Fakt, dass es die westliche Lebensweise gar nicht gibt.
Was soll denn diese Lebensweise bitte sein? Müssen die Menschen im “Westen” alle einmal in der Woche in die Disko, oder für 100 Euro einkaufen gehen? Müssen sie an einen gemeinsamen Gott glauben oder wenigstens demselben Fußballverein die Daumen drücken? Nein, denn im Westen wurde die Freiheit erkämpft, so leben zu dürfen wie man will und nicht, wie es religiöse Bücher oder totalitäre Führer wollen. Individualität, Selbstbestimmung über den eigenen Körper und die Möglichkeit, abzulehnen und zu teilen was man will, sind die Werte, die in der freien Welt gelten; sie sind das Gegenteil von Genitalverstümmelungen, Homosexuellenverfolgungen und Tugendterror. Deswegen ist die Gegenüberstellung “westliche Lebensweise auf der einen Seite, Scharia auf der anderen” so daneben. Die Scharia gehört mit zu dem widerlichsten, was sich geisteskranke Frauenhasser, Antisemiten und Rassisten ausdenken können, sie sollte genauso geächtet sein, wie Pädophilie und Kannibalismus. Zumeist dient diese Gegenüberstellung der Verharmlosung des unmenschlichen Regelkorsetts Scharia. Westliche Lebensweise vs. Scharia klingt, als ob es sich hier um zwei gleich akzeptable Angebote handeln würde. Das ist nicht der Fall, warum sagen diese Terrorexperten darum nicht einfach, dass die Konfliktgegner nicht westliche Lebensweise und Scharia heißen, sondern Menschenrechte und Scharia? Irgendwie würde das für mehr Klarheit sorgen.


