
Screenshot eines Prügelspiels von der ZDF-Webseite
Wo kämen wir hin, wen wir der Sendeanstalt Verlogenheit unterstellten, die Dienstags um Neun von Computerspielern behauptet potentielle Gewalttäter zu sein, während sie mit dem Geld das die Drückerkolonnen einspielen gewalttätige Sportereignisse einkauft und Sonntagmittags überträgt. Wir kämen vermutlich zum Ergebnis, dass die Sendeanstalt, die Theo Koll (das ist der mit der hässlichen Brille und ohne Ahnung) Schwachsinn fabulieren lässt und ohne zu erröten einen Titelkampf zeigt, tatsächlich verlogen ist.
Nun spricht nichts gegen Boxen im Fernsehen. Wenn ein Sender genug Werbung verkauft, um es zu finanzieren und die Sendung nicht gerade zwischen Teletubbies und dem Disney-Club bringt, ist es völlig legitim einen Boxkampf zu bringen. Gegen die Journalismusimitation in Tateinheit mit der Boxübertragung spricht allerdings die pure Bigotterie,die das ZDF an den Tag legt.
Es wird wohl stimmen, dass das Spielen von Ego-Shootern das Mitleid gegenüber Pixelwesen und möglicherweise auch Menschen aus Fleisch und Blut vermindert. Die Ergebnisse einschlägiger Studien gehen allerdings auseinander. Wenn wir nun davon ausgingen, dass ein Ego-Shooter-zockender Jugendlicher allmählich seine Empathie für die Mitmenschen verliert, wie sieht es dann in seiner Seele aus, wenn er sich Titelkämpfe im Abendprogramm des Zett-Deh-Eff ansieht? Wenn er live Zeuge wird, wie sich zwei echte Menschen gegenseitig zu Brei prügeln? Was passiert?
Wie verarbeitet er die «mächtigen Aufwärts- und Seitwärtshaken» (Zitat ZDF). Wird er möglicherweise eines Tages losziehen und ausprobieren, was er so oft bei Boxen im Zweiten ansehen konnte? Wird er ausprobieren, ob der Schulkamerad mit dem Zweiten immer noch besser sieht, nachdem er ihm ein paar verpasst hat?
Als wäre das der Bigotterie nicht genug, bietet der Familiensender auf seiner Seite ein Onlinespiel an, dessen Ziel es ist, den Gegner durch Faustschläge auf Gesicht und Körper zu traktieren, bis er vor Schmerzen aufgibt oder sich nicht mehr wehren kann. Mit dem euphemisierenden Slogan «Boxen Sie sich durch», wird der Besucher aufgefordert, möglichst viele Gegner zu verprügeln. Dass das gewaltverherrlichende Prügelspiel ohne Altersüberprüfung auch von Grundschülern gespielt werden kann, setzt dem ganzen die Krone auf. Wenn hier nicht eine neue Hooligan-Generation herangezogen wird…

Screenshot der ZDF-Selbstdarstellung als «Qualitätsmarke»
Für die Erstellung dieses Prügelspiels hat das ZDF übrigens die gleichen Zwangsgebühren verschleudert, die auch für den Dienstwagen seines Intendanten und die Produktion des großen ZDF-Sonntagsfilms zweckentfremdet werden.
Wie vereinbart man dieses Maximum am Verlogenheit mit sich selbst? Theo Koll, Frontal21 und das ZDF bleiben uns eine Antwort schuldig. Wäre es nicht schön, wenn sie dauerhaft den Mund hielten?
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