Wenn einer eine Reise tut…

Die Leserschaft erinnert sich mit Sicherheit noch an Angelika Beer, die grüne Tante mit der typischen Altspießerfrisur, die irgendwann mal in das Europaparlament abgeschoben wurde. Die Tatsache, dass Frau Beer dort die den Posten der Vorsitzenden der Irandelegation innehat, sagt zweierlei aus. Zum einen, dass es dem großen EU-Parlament wirklich an versierten Politikern mangelt und man deswegen konsequent auf das Mittelmaß setzen muss. Zum anderen wird klar, dass der Iran vor der Institution EU wirklich keine Angst haben muss, denn Frau Beer lässt sich widerstandslos an der Nase herumführen und spielt den Mullahs sogar noch in die Hände.

Die Chefin der Irandelegation war nämlich im Reich der Mullahs und hat dort das getan, was noch nie geholfen hat, niemandem helfen wird und doch von den Appeaseniks immer wieder als unheimlich wichtig verkauft wird: Sie hat einen Dialog geführt. Die iranischen Gesprächspartner der Delegation waren “Parlamentskollegen”, der Parlamentspräsident, der Außemninister und der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses. Also höchstwahrscheinlich dem Regime treu ergebene Satrapen des Revolutionsrates oder des Präsidenten. Die haben laut Beer in den Gesprächen vor allem auf den amerikanischen Geheimdienstbericht hingewiesen, der die Mullahs als harmlose Opas darstellte. Das iranische Sprachrohr Angelika Beer übermittelte der Welt dann genauestens die Botschaft der Teilnehmer an ihrem Dialog:

“Falsch sei aber die Behauptung, Iran habe bis 2003 versucht, Atombomben herzustellen. Der Bericht bestätige auch, dass US-Präsident Bush aus ganz anderen Gründen den Atomkonflikt eskaliert habe. Der Außenminister erklärte, seine Regierung sei bereit, jederzeit ohne Vorbedingungen mit den USA und der EU zu verhandeln, mit der Internationalen Atombehörde (IAEA) vollständig zu kooperieren und den Vorschlag einer multinationalen Urananreicherung auf neutralem Boden zu prüfen.”

Ob die Grünen-Abgeordnete dabei nur zustimmend mit ihrem Köpfchen genickt hat oder es wagte, auch mal eine Frage oder eine kritische Anmerkung in den Dialog mit einzubringen, wird nicht ganz klar. Man darf bei diesen Gesprächen also davon ausgehen, dass die EU-Parlamentarier sich auf Begrüßungen, höfliche Floskeln und den Dank für das kostenlose Mineralwasser beschränkt haben und ansonsten den Iranern gut zugehört haben, um ihre Ansichten anschließend in der taz verbreiten zu können. Kein Wort über die staatliche und religiöse Mordserie an Minderjährigen, kein Wort über die Religionspolizei, kein Wort über den Antisemitismus und die damit verbundenen Vernichtungsfantasien. Alles Friede, Freude, Eierkuchen und ein Dialog, bei dem die Iraner das große Wort führen und der Westen sein Maul halten soll.

Die größte Heldentat der Abgeordneten Beer besteht aber darin, dem Vorsitzenden des iranischen auswärtigen Ausschusses die Aussage entrungen zu haben, “das [iranische] Parlament werden sich um inhaftierte Studenten kümmern. Ein solcher Satz aus dem Mund eines Vertreters des iranischen Regimes und Mitglieds des Teheraner Marionettenparlaments hat wahrscheinlich nur in den Ohren Frau Beers keinen beunruhigenden Klang - die Delegationschefin fand das nur “spannend”. Und so schließt die begeisterte Iranreisende mit der Feststellung:

“Wir können eindeutig nachweisen, das der Iran kein schwarzes Gebilde ist.”

Bravo!

5 Kommentare

  1. Hamster
    Di, 18. Dez 2007 geschrieben in 15:43 | Permalink

    Der Iran liegt Fr.Beer am Herzen, in etwa so wie die Türkei Fr.Roth am Herzen liegt. Nun ist die Türkei ja ein brauchbarer Staat, Atatürk sei dank, der so manchen Bärtigen am Bart aufgehängt hat, nicht nur metaphorisch, der Iran dagegen ist ein schreckliches Unrechtssystem.

    Fr.Beer gibt auch gerne Interviews für die Webpräsenz des iranischen Fernsehens und wird dort gerne zitiert. Ich würde Fr.Beer dem linken Flügel der Grünen zuordnen.

  2. Di, 18. Dez 2007 geschrieben in 18:33 | Permalink

    Es gibt noch ganz andere Leute, die Sich auf die Seite der Mullahs geschlagen haben. Frau Beer ist gar nicht mehr das jüngste Beispiel. Auch Ruprecht Pohlens lehnte sich kürzlich aus dem Fenster. Vor allem hat sich aber Frau Ostmayer vond er Linkspartei hervorgetan, die gemeinsam mit Leuten von der Hisbollah an einer “Friedenskonferenz” in London teilgenommen hat. Es ist vor allem interessant zu beobachten, wie die Freunde der Mullahs plötzlich alle dasselbe zu sagen haben!

  3. Hamster
    Di, 18. Dez 2007 geschrieben in 20:08 | Permalink

    Faszinierend ist, dass ausgerechnet die Linke immer wieder ein Herz für Unrechtsysteme wie den Iran entwickelt. Die Linken würden doch recht schnell aufgeknüpft werden, wenn sie nicht mehr nützlich sind. Es kann da eigentlich nur die Erklärung geben, dass die Abneigung gegen das bestehende System so groß ist, dass auch das Eigeninteresse vernachlässigt wird.

  4. ralf balke
    Mi, 19. Dez 2007 geschrieben in 09:48 | Permalink

    wer mehr über das vakuum zwischen den ohren von frau angelika beer wissen will, muss nur ihre worte zum thema genozid in armenien lesen. anbei der ausschnitt eines berichts aus der faz vom 26.4.2004.

    “Zum 89. Jahrestag des Genozids hatten sich am Wochenende viele Mitglieder der armenischen Gemeinde in Deutschland in der Frankfurter Paulskirche versammelt. Geladen war als Vertreterin des Parlaments die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Angelika Beer. Die Grünen galten einmal als Verteidiger verfolgter Minderheiten. Frau Beer blieb nicht einmal bis zum Ende der Veranstaltung. Frau Beer ging vorher. Wäre sie doch gar nicht erst gekommen! Ihre Rede war lamentabel: grammatisch auf dem Niveau von Verona Feldbusch, inhaltlich geradezu selbstzufrieden-infantil. Sie bedauerte das Los der armenischen Kulturgüter in der Türkei und erzählte im gleichen Atemzug, daß sie dort eine alte armenische Tischplatte erstanden hätte, die nun ihr Wohnzimmer ziere, zur moralischen Ermahnung selbstverständlich. Sie sprach davon, daß es nicht um Schuld gehe. Ja, aber worum denn sonst? Natürlich geht es um historische Schuld und um deren Anerkennung. Der Dialog sei keine Einbahnstraße, die Türkei müsse selbst den Weg der Erkenntnis finden.
    Die Armenier warteten geduldig mit dem Beifall, bis Frau Beer einmal andeutete, daß sie sich wünsche, der Bundestag möge Stellung beziehen. Dagegen brachte der Historiker Wolfgang Benz anschließend die Dinge auf den Punkt: Während es in der Bundesrepublik unter Strafe gestellt ist, den Holocaust zu leugnen, geht man in der Türkei ins Gefängnis, wenn man das Menschheitsverbrechen nicht leugnet. Der Umgang mit der eigenen Geschichte hat oft genug salvatorischen Charakter, aber er setzt doch zivilisatorische Standards. Es geht schließlich um eine der zentralen Fragen des Völkerrechts, als dessen Hort Europa sich so gern gebärdet. Wenn das größere Europa dies nicht ernst nimmt, wird es als erweitertes Mißverständnis in die Geschichte eingehen

  5. Antonio Rubano
    Mi, 19. Dez 2007 geschrieben in 12:48 | Permalink

    “Die Linken würden doch recht schnell aufgeknüpft werden, wenn sie nicht mehr nützlich sind.” — Sind sie sogar schon! Frau Beer und die Repräsentanten von “Die Linke” müssten sich nur mal die Mühe machen, sich mit der Zeit nach der Revolution im Iran zu befassen. In dieser Zeit sind die Mitglieder der kommunistischen Tudeh-Partei, die an der Revolution sogar beteiligt waren, gnadenlos verfolgt, inhaftiert, gefoltert und ermordet worden, und zwar zu tausenden.

    Anscheinend ist es zuviel verlangt, von Politikern zu erwarten, sich wenigstens mit etwas googeln einen Überblick über die Fakten zu verschaffen.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *

*
*