An Andrea Kiewel hat mich nur eins gewundert,

ihr Erfolg.

Die ehemalige DDR-Leistungsschwimmerin passte prima in das Klischee Nervensäge. Hohe Stimme, immer einen Tick zu gut drauf, zu verständnisvoll,zu laut oder zu penetrant. ZDF-Allzweckwaffe für den Dauerbrenner “Fernsehgarten” in dem es Product Placement in Reinkultur gab: Machte eine drittklassige Schlagerkombo eine neue Scheibe, so durfte sie diese im garantiert fehlerfreien Vollplayback präsentieren.

Auch bei Kerner kommen die “Gäste” nur vorbei, wenn sie was zu verkaufen haben, sei es ein neues Buch, einen Film, eine neue Show oder eine neue Sendung. Sie sind nicht da, weil sie so interessant wären, sondern weil sie etwas zu bieten haben, wie unlängst der nette Herr Sittler, der die Briefe die er seinem Halbwuchs von der Theater-Tournee schickte, als Kinderbuch recycelt. Und Kerner auch gleich von seinem neuen ZDF-Fernsehfilm erzählen kann. Immer geht es um ein Produkt, das zu bewerben ist.

Da kann einem die arme Frau Kiewel schon fast leid tun. Auch sie hatte etwas zu verkaufen. Niemand konnte so oft in den obligaten fünf Interview-Minuten das Wort Weight-Watchers unterbringen. Sie speckt ab und das mit bildschirmpräsenten Erfolg. Da kann man doch gegen ein gutes Honorar auch den Pummeln vor dem Bildschirm die Segnungen der Selbstkontrolle nach dem Prinzip der Anonymen Alkoholiker berichten. Wenn die CMA bis vor kurzem im den fränkischen Koch Armin Irgendwas “Volle Kanne” sponsern durfte, war das doch auch O.K. Und bitte, was ist der Unterschied zum neuesten Yoga-Video von Ursula Karven.

Auch der liebe Herr Wodarz darf in der von den Vorzeigeintellektuellen Hans Lorenz (alias Giovanni di Lorenzo - nicht zu verwechseln mit der RTL-Superstar Lorenzo) und Amelie Fried moderierten N3-Talk-Show 3nach9 sein vielfaches unternehmerisches Scheitern mit der Ankündigung des nächsten Varieté-Spektakels rund um´s Enten-Essen im gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsfernsehen bewerben und damit verdient er Geld.

Kiewel und Konsorten haben ein Problem. Auch der werbetreibende Herr Kerner (Gutfried-Wurst und BonAqua) verdankt seinen Marktwert nicht sich selbst, sondern dem Gebührenzahler. Doch der hat von den Windfall Profits von Beckmann, Gottschalk und Olli Mediamarkt Dittrich (auch der) gar nichts. Er macht sie nur mit seinen Zwangsababen möglich.

In jeder vorabendlichen SOKO-Sendung fährt die Kommissarin meist minutenlang mit einem Kombi der BMW 3 Reihe vor, bis sie zur Sache kommt. Und die In’s-Bild-Setzung des Autos steht für die Dynamik der Marke aber nicht der Handlung. Wenn eine Hotelerbin, deren bekannteste Eigenschaft ihr schlechtes Benehmen ist, in Berlin vermutlich ohne Höschen für einen Schaumweinhersteller (deutsch für Prosecco) wirbt, flimmert das nicht nur über die Bildschirme, sondern findet auch auf den virtuellen und gedruckten Seiten der Qualitätspresse seinen Niederschlag.

Die Grenzen zwischen Programmsponsoring, Product-Placement und Schleichwerbung sind fließend. Für den Konsumenten gibt es eine ganz einfache Erkenntnis: Niemand taucht in Boulevard-Magazin oder Talk-Show ohne kommerziellen Grund auf. Jeder will für etwas werben. Offen oder verdeckt.

Nebenher gesagt ist die werbetreibende Industrie auch auf neue Formen angewiesen. Schließlich schauen sich immer weniger Konsumenten bereitwillig die zwangsweise sendeunterbrechenden Werbeblöcke an. Und weil dafür immer weniger bezahlt wird, brauchen die Medien neue Einnahmequellen, gerade weil die Neigung des Konsumenten für Inhalte zu bezahlen, allenfalls noch im Porno-Business meßbar sein dürfte.

Kiewel und Konsorten sollten allerdings 2/3 der Einnahmen aus Werbeverträgen dem Gebührenzahler zurückerstatten, dem sie diesen Verdienst überhaupt verdanken. Aber die öffentlich-rechtlichen bleiben scheinheilig. Wie Gottschalk sagen würde: “Wetten Dass?”

9 Kommentare

  1. taylor1944
    Sa, 22. Dez 2007 geschrieben in 11:59 | Permalink

    “In jeder vorabendlichen SOKO-Sendung fährt die Kommissarin minutenlang meist mit einem Kombi der BMW 3 Reihe vor”

    Im Abspann der Soko Rhein/Main bedanken sich die Produzenten ausdrücklich bei der Firma Mercedes benz für die “freundliche Unterstützung” -fahren dort ausschließlich Mercedes-. (Ich hoffe das war jetzt kein Product Placement)

  2. euckenserbe
    Sa, 22. Dez 2007 geschrieben in 12:14 | Permalink

    Was waren das für Zeiten, als der Fahnder Wennemann im antiquierten giftgrünen Barock-Ford Granada durch die fiktive Stadt mit dem Kennzeichen G fuhr.
    Spätestens seit dem Deal zwischen Götz George, dem WDR und Citroen ist Product Placement im Krimi gang und gäbe. Dabei fließt kein Geld, sondern die Konzerne bieten Sachleistungen: Sie stellen auch für die Leute hinter der Kamera Autos zur Verfügung, Versuchsträger oder Prototypen werden bei Stunts und Unfällen beschädigt oder Hauptdarsteller und Team dürfen Fahrzeuge der Marke auch privat nutzen. Merkt nicht mal das Finanzamt. Dabei ist natürlich Pluralität wichtig: Beim Großstadtrevier war die Streife auch dann noch im BMW unterwegs, als die Hamburger Polizei schon lange auf Daimler umgerüstet hatte. Dafür ist bei der Hafenkante VW im Einsatz, obwohl eigentlich das falsche Modell vorfährt (Passat statt Touran). Das ist aber gerade neu und soll beworben werden.
    Eine never ending story. Die EU-Kommission hat in ihrer Medienrichtlinie das einzig wahre gemacht: Product-Placement ist legal und muß offen ausgewiesen werden. Wenn der Verbraucher das weiß, kann er es auch einorden.

  3. euckenserbe
    Sa, 22. Dez 2007 geschrieben in 12:15 | Permalink

    Ach ja: Ausnahmen bestätigen die Regel: Dafür, dass irgendein Sportler publikumswirksam bei Wetten Daß auf die Bühne chauffiert wird, zahlt Audi ich glaube 8 Mio € an´s ZDF für zwei Jahre.

  4. taylor1944
    Sa, 22. Dez 2007 geschrieben in 20:59 | Permalink

    “Was waren das für Zeiten, als der Fahnder Wennemann im antiquierten giftgrünen Barock-Ford Granada durch die fiktive Stadt mit dem Kennzeichen G fuhr.”

    Yepp, da war Dieter Pfaff auch noch mindestens 50 Kg leichter. :-)) Schade das die Serie nicht , bei all den Wiederholungen, nicht wiederholt wird.

    “Ach ja: Ausnahmen bestätigen die Regel: Dafür, dass irgendein Sportler publikumswirksam bei Wetten Daß auf die Bühne chauffiert wird, zahlt Audi ich glaube 8 Mio € an´s ZDF für zwei Jahre.”
    Spätestens dann weiß ich, irgendwas habe ich falsch gemacht.

  5. euckenserbe
    Sa, 22. Dez 2007 geschrieben in 21:53 | Permalink

    ich auch

  6. euckenserbe
    Sa, 22. Dez 2007 geschrieben in 22:17 | Permalink

    auch wenn ich nur 20 kg schwerer bin

  7. kiawase56
    Do, 27. Dez 2007 geschrieben in 21:40 | Permalink

    so viel aufhebens wegen ein bisschen ewbung von der alten kiewel. Jetzt ist sie weg aus der ersten reihe für ein paar monate - mediengeillwie die ist wird es nicht lange dauern und sie ist wieder da.
    hoffentlich dann wieder mit ein paar duzend pfunden mehr. ich mochte sie immer besser mit dicken boobies

  8. Mario
    Sa, 5. Jan 2008 geschrieben in 11:59 | Permalink

    Schleichwerbung hin - Schleichwerbung her,
    so ein Affentheater, ob Kiewel,(die sicher zu einfältig ihr Produkt verjubelt hat), Gottschalk, Kerner und Konsorten aus allen Bereichen der Öffentlichkeit, sie machen Werbung. Wurde hier nur ein Sündenbock gesucht ? Nichts ist deutlicher geworden, als die Scheinheiligkeit der öffentlich rechtlichen Sender, was nicht bedeuten soll, dass private sich hier durch besondere Seriösität auszeichnen. Nun hat man sie abgeschossen, beim ZDF, beim MDR und bei Weight-Watchers. Exempelstatuierung. Ob man die Kiewel mag oder nicht, die privaten werden in den Startlöchern stehen und es ist trotz allem ein Verlust an Qualität der Öffentlichen, soll etwa die Inka Bause sie ersetzen, na dann “Prost Mahlzeit”. Die kann doch nur mit Bauern….
    Man könnte ja der Kiewel Geldgier unterstellen, aber das kann man ja auch allen Politikern in diesem, unserem Lande.
    Hier, wo man Vorbilder wie Stecknadeln im Heuhaufen suchen muss, passt dieses Vorgehen doch gar nicht. Eine Abmahnung, bzw. Aussprache hätte sicher auch gereicht. Würde man mit allen so arrogant umgehen, hätte man sicher kaum noch fähige Moderatoren an Bord. Oder lasst doch alle vor ihrem eigentlichen Auftritt erst duch die Justiz überprüfen, wie im Fall der Oberstaatsanwaltes Roman Reusch.
    ARMES DEUTSCHLAND.

  9. euckenserbe
    Sa, 5. Jan 2008 geschrieben in 13:00 | Permalink

    Was zu beweisen war. Allerdings kann ich Kiewels Abtritt aus der Reihe der einäugigen (mit dem zweiten sieht man besser) nicht als Verlust verbuchen. Und einen Qualitätsunterschied zu Frau Bauern-Bause kann ich ehrlich gestanden auch nicht erkennen, bis darauf, dass die auch ohne Weight-Watchers ganz ansehnlich anzusehen ist, bis sie den Mund aufmacht.

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