Das könnte das Worst-Case-Szenario darstellen. Aufgrund fehlender Alternativen sahen alle Experten Benazir Bhutto – immer noch! – zusammen mit Präsident Pervez Musharraf als die einzig effektive Regierungslösung für die islamische Republik. Im Sommer waren beide einen Deal eingegangen, der vorsah, das Land gemeinsam zu regieren. Musharraf sollte weiterhin als Präsidenten im Amt bleiben und Bhutto hätte Premierministerin werden sollen. Sie hofften so eine breite Schicht zu repräsentieren und vereint den wichtigsten Kampf gegen die islamistischen Kräfte im Land zu führen.
Auch nach Musharrafs Ausruf des Notstandes Anfang November, in dessen Folge Bhutto als Reaktion die Zusammenarbeit mit dem Präsident aufkündigte, waren sich viele Analysten einig: Beide werden sich spätestens nach den Wahlen, die für den 8. Januar angesetzt waren, wieder zu Gesprächen zusammenfinden. Bhutto hätte durch Musharraf das Militär auf ihrer Seite gehabt, Musharraf durch eine Koalition den nötigen Rückhalt in der Gesellschaft. Nun sind diese Hoffnungen brutal zerstört worden. Das zweite Attentat innerhalb weniger Monate überlebte die Oppositionsführerin nicht. Wer dafür verantwortlich ist, lässt sich nur vermuten.
Zu stark hat sich Bhutto gegen die Extremisten im Land ausgesprochen. Sie befürwortete im Juli die Stürmung der Roten Moschee im Herzen Islamabads. Kurz darauf starben etliche Anhänger ihrer Partei durch einen Selbstmordanschlag auf eine Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei PPP in der Hauptstadt. Doch ob es tatsächlich erneut extremistische Gruppierungen waren, die Bhutto heute töteten, bleibt unklar. Zu undurchsichtig zeigt sich die momentane Entwicklung. Auch Kreise im Militär und im allmächtigen Geheimdienst ISI, die den Extremisten im Geiste näher als irgendwelchen modernen Fortschrittsgedanken sind, haben ein Interesse an einer toten Benazir Bhutto, die den letzten Umfragen zu folge die kommenden Wahlen deutlich für sich entscheiden hätte können. Sollte dort eine Verbindung aufgezeigt werden, muss sich Präsident Musharraf der Frage ausgesetzt sehen, was er von solchen Plänen wusste, ahnte oder warum er es eben nicht wusste. Seinem Ansehen wird es so oder so enorm schaden.
Die Folgen sind nicht klar zu definieren. Einen zweiten - nun notwendigen - Notstand würde Musharraf wohl nicht durchstehen, dafür wäre der folgende externe und interne Druck zu groß. Die Frage bleibt auch, ob er überhaupt noch genügend Macht hat oder ob dieses gelungene Attentat die Vorhut für einen Staatsstreich durch das Militär darstellen könnte. Die „moderaten“ Militärs standen bisher auf Seiten des Präsidenten, doch inwieweit sich die Machtbalance zugunsten der religiösen Kreise verschoben haben könnte, lässt sich mit dem heutigen Tag nur befürchten. Nun scheint alles möglich.
[Update: Bild ergänzt - DF]




4 Kommentare
Es ist einfach nur traurig.
Was haben eigentlich die USA all die Jahre getan, als sie ihren Freund Musharraf mit zehn Milliarden Dollar unterstützten? Wollten sie nicht Demokratie nach Asien bringen? Wieder einmal zeigt sich: Gewalt gebiert Gewalt. Mehr:
Mehr:
http://www.blogsgesang.de/2007/12/28/bushs-welt-zum-beispiel-pakistan/
Realpolitik haben sie (die Bush-Administration) betrieben. Genau das Gegenteil dessen, das die Neocons wollten (nicht dass man sich in Deutschland mit dem Verstehen amerikanischer Politik aufhielte).
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