Zum Ende des Jahres

Spiegel Online weiß genau, wie Menschen ticken. Besonders bei den sogenannten “Islamisten”, also Muslimen, die den Gottesstaat und damit eine totalitäres System wollen, wird die SPON-Redaktion besonders einfühlsam. Und so wird die Mutter des im Libanon als Fatah-al-Islam-Mitglied inhaftierten Deutsch-Türken Sinasi A. befragt, die trotz der Beschäftigung ihres Juniors als Dschihadist im Ausland davon überzeugt ist, dass ihr Sohnemann “nicht radikal” ist. Stattdessen berichtet sie über die gescheiterten Bemühungen Sinasis, einen Job zu finden und “hunderte” von Bewerbungen. Holger Stark und Matthias Gebauer schwenken gleich auf diese Linie ein und schreiben:

“[...] Womöglich hat sie [die Mutter] einfach übersehen, wie ihr Sinasi sich allmählich veränderte. Vielleicht ist er ein Musterbeispiel für die Entwicklung eines Jugendlichen, der nach außen ein unauffälliges, unspektakuläres Leben führte, sich aber unbemerkt von der eigenen Familie radikalisierte.”

Ja - das wird es sein. Mit 25 Jahren ist der Mann erstens noch ein echter Jugendlicher, der sich zweitens wegen des unfairen Arbeitsmarktes nur radikalisieren konnte. Es ging gar nicht anders, denn was bleibt einem Arbeitslosen auch anderes übrig, als zum Kämpfer für den weltweiten Dschihad zu werden? So weit ist es nun gekommen, der Weg nach Haditha im Irak liegt den geknechteten dieses Landes viel näher als der Weg zum Arbeitsamt oder in einen der Betriebe, die per Aushang nach Verkäufern oder Lagerhilfen suchen.

Sinasis Religion spielte dabei bestimmt keine Rolle - bei seinen Freunden im Libanon handelte es sich ja auch nicht um Terroristen, sondern um “junge” und “illegale Kämpfer”. Den “terroristischen Charakter” der Organisation will Sinasi übrigens “nicht erkannt” haben, was auch ein völlig anderes Licht auf seinen Misserfolg auf dem Arbeitsmarkt wirft.

Trotz allem: Folter geht gar nicht, aber statt sich gegen die Zustände im Libanon einzusetzen, kreuzt die Deutsche Marine lieber gemütlich vor der levantinischen Küste. Ein frohes 2008!

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