Knalltüten wie Hagen Rether wünscht man eine Reise in den Irak. Die Maßlosigkeit ihrer Vorstellung - al-Qaida mit der amerikanischen Regierung gleichzusetzen - würde sie bei einem Gespräch auf der Strasse postwendend erdrücken. General David H. Petraeus erklärt im Weltwoche Interview den vorsichtigen Aufschwung im Irak und warum al-Qaida so gehasst wird.
Weltwoche: Viele Sunniten, die vor Monaten noch auf die Amerikaner geschossen haben, sind nun mit ihnen vereint. Wie ist dieser Wandel zustande gekommen?
Petraeus: Ihre Motivation kommt daher, dass sie in al-Qaida die grösste Gefahr ihrer Existenz sehen. Die meisten Sunniten wollen al-Qaida besiegen und aus ihren Quartieren vertreiben, weil sie dort massiven Schaden angerichtet haben. Al-Qaida im Irak und die mit ihnen verbundenen Aufständischen vertreten eine Ideologie, die nicht mit der Weltvorstellung der meisten Sunniten vereinbar ist. […] Die sunnitische Gesellschaft, in der al-Qaida Unterschlupf gefunden hat, hat nichts mit dem Extremismus der Aufständischen gemeinsam. Die irakischen Sunniten sind keine talibanähnlichen Leute. Sie lehnen die rigide Gewalt ab, die um sich gegriffen hat. Besonders letzten Frühling ereigneten sich brutale Anschlage, welche das Fass unter den Sunniten zum Überlaufen gebracht haben. Al-Qaida hat vor Moscheen zugeschlagen, sie haben Beerdigungsfeiern angegriffen, sie haben Polizeistationen in sunnitischen Gegenden ins Visier genommen. So hat al-Qaida gewissermassen ihre eigenen Leute getötet.



