Heuchlerisch und unmoralisch: SZ!

Wie prophezeit, stürzen sich notorisch antiamerikanische Medien auf Bushs “We should have bombed it”-Zitat und sind nun eifrig dabei, den Amerikanern eine gerechte Portion Mitschuld am Holocaust zuzuschustern. Dabei begeht die Süddeutsche Zeitung ein echtes Meisterstück in den Disziplinen Heuchelei / Double Standards. In ihr wird dem Leser mitgeteilt:

“Es ist die Frage, ob sich die Alliierten und vor allem die USA nicht um ihre Verantwortung gedrückt haben. Es ist die Frage, ob Militär und Politiker zynisch nach strategischen Gesichtspunkten urteilten.”

Außerdem schimpft SZ-Autor Andrian Kreye auf dubiose Isolationisten im amerikanischen Staatsapparat, die Juden die Einreise verweigerten und überhaupt scheint es ihn sehr zu wurmen, dass die Amis ihren latenten Antisemitismus nach dem 2. Weltkrieg offenbar schneller ablegten, als die geläuterten Reichsbürger. Aber die Amerikaner können machen was sie wollen - das Wohlwollen eines deutschen Linken werden sie nie erlangen können. Denn trotz der Kehrtwende, die die US-Außenpolitik seit Roosevelts Kriegseintritt gegen Hitler nahm, trotz des aufgegebenen Isolationismus und trotz der erkannten Verantwortung für die freie Welt, also trotz einer Korrektur all der Punkte, die Kritiker den USA vor und im zweiten Weltkrieg vorwerfen, ist George Bush mit seiner Einsicht für Kreye auch wieder ein Schurke:

“Denn wäre es doch Berechnung, die Bush zu dieser Bemerkung hingerissen hat, wollte er damit andeuten, jedes militärische Zögern bedeute, sich aus der Verantwortung zu drücken, hätte er die historische Debatte für die zynische Rechtfertigung seiner aktuellen Außenpolitik genutzt, die strategisch und historisch versagt hat.”

Der Leser darf getrost bezweifeln, dass Kreye hier auf Bushs gutes Verhältnis zum Unterdrückungsstaat Saudi-Arabien anspielt. Vielmehr dürften ihm die Militäreinsätze gegen die Taliban und Saddam Hussein gegen den Strich gehen und als echter Gutmensch hat er natürlich Angst um den Terrorstaat Iran, für den er bestimmt jenen tödlichen Dialog empfiehlt, dem zuletzt Hasan Hekmatdamir zum Opfer fiel. Kreye möchte, dass Bush sich ganz artig auf eine historische Bewertung des Auschwitzthemas beschränkt, daraus Lehren für die heutige Zeit zu ziehen, ist für ihn lediglich “zynisch” und dient nur den Eigeninteressen des Präsidenten. Vom eben noch eingeforderten Idealismus und Verantwortungsbewusstsein ist plötzlich keine Rede mehr. Obwohl Kreye zuvor schrieb:

“Und es wirft die große Frage auf, die sich die Länder der freien Welt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges immer wieder stellen mussten: Egal ob Kambodscha, Jugoslawien, Ruanda oder Sudan - hätte die Weltgemeinschaft eine Katastrophe verhindern können?”

Was zeigt das? Kreye ist durchaus für die gewaltsame Absetzung von Diktaturen, die Befreiung der Völker von ihren Unterdrückern. Aber erst dann, wenn die Opferzahlen schon die Dimensionen der genannten Fälle erreicht haben. Ein Eingreifen bevor wie in den genannten Ländern die Zahlen der Ermordeten ins astronomische steigen, kommt für den Autor nicht in Frage - das scheint für ihn kein bisschen “zynisch” zu sein.

Übrigens: Ob sich der Autor die Mühe gemacht hat, die Opfer von Saddam Husseins Giftgas, Hinrichtungskommandos, Folterknechten oder Knästen zu addieren, kann nicht eindeutig gesagt werden, es ist aber mehr als bezeichnend, dass der Irak in Kreyes Liste nicht auftaucht - “zynisch” und “strategisch” eben: Dass der Einsatz gegen die Baath-Diktatur auch weiterem Massenmord vorbeugte, passt Herrn Kreye einfach nicht in sein Skelett antiamerikanischer Ideologie.

12 Kommentare

  1. Paul13
    Mo, 14. Jan 2008 geschrieben in 17:35 | Permalink

    Zumal Saddam mit Ausnahme vielleicht von Kambodscha mehr Menschen auf dem Gewissen hat als jedes andere der genannten Beispiele.

  2. Mo, 14. Jan 2008 geschrieben in 19:27 | Permalink

    Grade IHR BUSHEVIKI habt’s nötig, Euch auf so etwas wie “Moral” oder “Ethik” zu berufen. HaHaHa.

  3. Mo, 14. Jan 2008 geschrieben in 20:18 | Permalink

    @jolly r. schweig, du armer irrer.

  4. Daniel Fallenstein
    Mo, 14. Jan 2008 geschrieben in 20:21 | Permalink

    Medikamentenknappheit bei AG? Nicht schon wieder.

  5. Mo, 14. Jan 2008 geschrieben in 22:01 | Permalink

    Hätte SZ-Autor Andrian Kreye sich mal mit den Opfern und Opferzahlen eines nimmermüden S. Hussein beschäftigt (hatta nich), wäre ihm nur ein Kommentar geblieben, mit Blick auf Irak: “We should have bombed, too!”

    Doch lassen Sie mich weiter ausholen:
    In einem ganz anderen Thema des Tages lesen wir heute rundum, dass Big Brother Adrian seinen Rausschmiss erlebte wegen Pädophilen-Witzeleien, wiewohl man ihm einen Spruch über die Gedenkstätte Dachau noch nachgesehen hatte. So weit so gut, Unterschichtenglotze, was will man da erwarten - und reagiert haben sie ja auch gleich, nicht wahr?!

    Ganz anders liegt der Fall des SZ-Autoren Andrian Kreye, der wohl noch nie Yad Vashem besuchen musste, wo Big Brother Bush sich “zu Berechnung hat hinreißen lassen”? Wenn doch nur die intellektuelle Oberschicht so schnell feuern würde wie sie nicht bomben wollen! Einzeltäter Adrian hat es da nicht so leicht, wo in der SZ eine ganze Truppe verantwortlich zeichnet und ein Autor nie allein ist auf weiter Flur. Ein Blick in die SZ hätte Adrian heute wohl so kommentiert: “Ausschwitz war schon richtig, nur leider kamen die falschen drin um.” Aber Adrian hat ja nun nichts mehr zu sagen.

  6. christianhannover
    Mo, 14. Jan 2008 geschrieben in 22:42 | Permalink

    Geil! Nixxxon ist wieder da. Da fehlt nur noch der Kerl mit der Frau, die Guevara-Büsten töpfert und alles wäre so wie früher…

  7. Alrik
    Di, 15. Jan 2008 geschrieben in 00:39 | Permalink

    Schade das die Amis die Gleis nach Ausschwitz nicht bombardiert haben, hätten Sie’s könnte man ihnen bestimmt die daraufhin verhungerten / in Todesmärschen / erschoßenen / erschlagenen auch irgendwie in die Schuhe schieben können.

    “Hätten die Amis damals nicht die Gleise bombardiert, hätte die SS die Leute auch nicht nach Ausschwitz marschieren lassen…”

  8. Paul13
    Di, 15. Jan 2008 geschrieben in 09:43 | Permalink

    @ Alrik

    Und wenn sie Auschwitz direkt bombardiert hätten, würde man den Amis unter Benutzung offizieller Nazipropagandbilder auch noch die Kollateralschäden unter den KZ-Häftlingen vorwerfen, so nach dem Motto “Selbst auf die Opfer nehmen sie keine Rücksicht!” Aber vielleicht hätten sie wenigstens dem Verlagsgebäude des “Süddeutschen Reichsanzeigers”, oder wie immer die Propagandablätter damals so hießen, ein paar Fliegende Festungen vorbeischicken sollen. :-)

  9. chris
    Di, 15. Jan 2008 geschrieben in 16:29 | Permalink

    leider scheint sich hier niemand mit der geschichte des irak beschäftigt zu haben.

    wer hat saddam an die macht gebracht? woher kammen seine waffen?

    und, lasst uns in die usa einmarschieren!! da werden menschen unter stattlicher aufsicht hingerichtet, aber das ist euch wahrscheinlich egal, sind ja eh nur schwarze und sonstiges krimmineles gesindel.

  10. Daniel Fallenstein
    Di, 15. Jan 2008 geschrieben in 16:45 | Permalink

    Die Waffen kamen entgegen ihrer vermutlichen Vermutung zum überwiegenden Teil aus der Sowjetunion/Russland, Frankreich und Deutschland.

    Zur Todesstrafe in den USA lesen Sie bitte ein paar erhellende Zeilen, bevor Sie weiter Äpfel mit Glühbirnen vergleichen: http://usaerklaert.wordpress.com/2006/08/20/drei-bemerkungen-zur-todesstrafe-in-den-usa/

  11. christianhannover
    Di, 15. Jan 2008 geschrieben in 18:21 | Permalink

    Die Kurden wurden mit Westdeutschem Gas abgeschlachtet, die Handhabung desselben wurde der irakischen Armee von DDR-Militärs beigebracht.

    Weiteres hier.

  12. Di, 15. Jan 2008 geschrieben in 18:39 | Permalink

    @chris

    Aktuell zur Todesstrafe in USA: http://katzenelson.wordpress.com/2008/01/10/humane-hinrichtung-oder-was-kommentar/
    Aktuell zur Todesstrafe im Iran: http://katzenelson.wordpress.com/2008/01/15/amnesty-international-contra-steinigung-im-iran/
    Aktuell zur Meinungsfreiheit: Befreien Sie mich, nehmen Sie meine!

    Tach noch!

Ein Trackback

  1. [...] Dachau abreissen Schlimmer geht’s immer. Soeben werde ich auf diese Schote hingewiesen: 22:30 Adrian im off: “Den Scheiss in Dachau sollten die auch mal abreißen und paar [...]

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