Über die Toten nichts Gutes!

Die öffentliche Auseinandersetzung zwischen Ulrich Mühe und Jenny Grölmann gehört zu den widerlichsten Nachgeburten der DDR-Diktatur. Dass beide binnen Jahresfrist vom Krebs gefressen wurden, spricht dann doch für die Hypothese, dass die DDR nicht ganz so gesund und nicht gemütlich war, wie uns viele heute glauben machen wollen. Vorsichtig ausgedrückt. Nun berichtet Welt Online von einer noch unappetitlicheren Steigerung dieser Begebenheit, in der der scheinbar noch gesunde Mühe sich die Mühe machte, seine schon offensichtlich kranke Ex-Frau mit ihrer Vergangenheit zu konfrontieren. Sie hatte immerhin ihren Führungsoffizier gefragt, ob gegen eine Ehelichung Mühes etwas spräche. Worauf der ins Visier geriet.

Dass nun der erste Mann Grölmanns –dessen Verpflichtungserklärung verbrieft ist, aber im zu besprechenden Werk unerwähnt bleibt– Schmutz auf Mühe wirft, wirft eben ein bezeichnendes Bild auf die Bekennerkultur der ehemaligen IMs. Das wundert einen allerdings nicht mehr.

Wundersam ist schon, dass es gestandene Medienjournalisten gibt, Lektoren und Verlage, die derlei Traktate veröffentlichen. Das ist der wahre Skandal. Und kein Rufmord. Sondern geistige Leichenschändung und Störung der Totenruhe. Es unterminiert mehr als nur die politische Kultur.

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