Ressentiment um jeden Preis? So geht’s…

Die Junge Welt ist ein ganz besonderes Blatt. Unter den Autoren sind mindestens ein Stasiagent, Nationalisten und ein verurteilter Mörder (Mumia). Wie die Genossen vom rechten Rand sind die JW-Leute wie verrückt hinter dem Judenstaat her und praktizieren standhaft den ideologischen Antizionismus, indem sie den antijüdischen Terrorismus als Befreiungs- oder Volkskampf unterdrückter Palästinenser darstellen. Da diese Vorstellung mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun hat, muss selbige gelegentlich zurechtgebogen werden. In der morgigen Ausgabe der ehemaligen FDJ-Vereinspostille wird dies von der Autorin Gloria Fernandez geradezu meisterhaft durchgeführt. Da das Blatt vermutlich vor allem von Menschen gelesen wird, die in ihrer Meinung bestätigt werden wollen und daher wenig wert auf Fakten legen, musste Frau Fernandez bei ihrem Text nicht einmal mit besonders viel Geschick vorgehen.

“Augenzeugen berichteten, daß eine israelische Einheit zunächst östlich von Gaza ein leerstehendes Haus angegriffen hatte. Aus diesem seien Raketen abgefeuert worden. Als die Palästinenser die Soldaten entdeckten, kam es zu Gefechten. Die Israelis feuerten Granaten ab, während Kampfflugzeuge die Aufständischen aus der Luft beschossen.

Die Israelis begannen ihren brutalen und menschenverachtenden Einsatz also mit der Attacke auf ein leeres Haus, aus dem zuvor Raketen abgefeuert wurden. Der Einsatz galt demnach Terroristen - Kassamraketen dienen samt ihren Ladungen aus Nägeln und Metallschrott alleine der Ermordung von Zivilisten. Es darf vermutet werden, dass die im Text erwähnten “Palästinenser” bzw. die “Aufständischen”, die den zionistischen Aggressor “entdeckten”, eben zu dieser Terrorbande gehörten, die die Raketen abfeuerten. Sie wollten Krieg spielen und haben ihn bekommen, dabei können es nur die JW und die Hamas für unfair halten, dass die IDF nicht auch mit selbstgebastelten Raketen, sondern mit Kampfflugzeugen antworteten.

“Im Verlauf der Kämpfe wurde auch ein freiwilligen Helfer aus Ecuador in einem grenznahen Kibbuz erschossen, mutmaßlich von einem Sniper-Scharfschützen.”

Guter Schachzug, den Ecuadorianer gleich noch den Israelis in die Schuhe zu schieben, leider wurde er aber von einem Scharfschützen der “Aufständischen”, also der Hamas erschossen, die den Mord sofort in einer Erklärung zugab. Das passt zwar nicht ganz in das Konzept des Artikels, aber der Zweck heiligt hier das übliche Mittel der halben Wahrheit.

“Zudem kam es zu mehreren Verhaftungen durch die Aggressoren auf palästinensischem Gebiet.”

Auch nicht schlecht, wenn auch etwas altbacken: Die Hamas schießt, Israel reagiert und wird zum Aggressor. Dieser Satz könnte aus der Feder der djihadistischen PR-Experten stammen. Hier greift Fernandez auch wieder den programmatischen Titel ihres Artikels (“Schwerer israelischer Angriff auf Gazastreifen”) auf.

Zuletzt wird noch der Präsidentendarsteller Abbas zitiert, dessen Fatah-Milizen vor kurzer Zeit noch eifrig damit beschäftigt waren Hamas-Angehörige zu foltern und lynchen:

“»Wir sagen der Welt und Israel, daß wir angesichts dieser Verbrechen nicht schweigen können«, erklärte der palästinensische Präsident. »Unter diesen Umständen ist Frieden unmöglich.«”

Mit “diesen Verbrechen” meint Abbas selbstverständlich den israelischen Militäreinsatz und nicht den andauernden Beschuss israelischer Ortschaften. Aber der vom Westen hofierte “Präsident” liegt ganz richtig: Unter diesen Umständen kann er sich seinen Staat in absehbarer Zeit abschminken.

Ex-Premier und Gaza-Guru Ahmed Hanniyeh spendete nach den Kämpfen übrigens Pressegerecht Blut. Wie löblich: Ein Vampir in der Blutbank.

Nachtrag: Der oben im Text verlinkte SPON-Artikel verdreht mit seinem Titel “Israels blutigster Militäreinsatz seit mehr als einem Jahr” die Wahrheit ebenso wie Frau Fernandez.

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