Mein Freund ist Perser

gleich treffe ich ihn im Fitness-Studio und seine Frau bei “Bauch pur”, was sie nicht nötig hat aber ich schon. Kann auch sein, dass wir uns in der Sauna über den Weg laufen, unsere Töchter hatten diesmal keine Lust. In ihrer Grundschulklasse war ein türkischer Junge der beste Schüler. Sein Vater hatte BWL studiert und lange für eine Baufirma gearbeitet. Als die pleite ging, legte er sich nicht auf die faule Haut, sondern machte den Taxischein. Die Familie ist übrigens gläubig, auch wenn sie studiert hat und kein Kopftuch trägt. Die Sachen, die sie zum Schulfest mitbrachte, haben fast so gut geschmeckt, wie die Leckereien von den persischen Freunden, die afrikanischen Spezialitäten der Mutter der anderen Freundin, die im Schulchor und bei “Sing-Star” die beste Stimme hat.

Der Italiener ist zwar schon eingedeutscht. Aber das türkische Restaurant am Ende unserer Einkaufsstrasse ist keine Döner-Bude mehr und gut besucht. Das Personal ist ausgesucht höflich. Am Monatsende fahre ich lieber nach Moabit zum türkischen Metzger, der gutes Rindfleisch und auch gutes Kalbs- und Lammfleisch hat, kaufe 10%igen Joghurt und Minze.

Ach ja, zu Weihnachten hat mir meine Frau gar einen persischen Kochkurs geschenkt. Es schmeckt nicht ganz so gut, wie bei den Freunden am Mittagstisch. Immerhin haben wir seit zwei Jahren einen persischen Reiskocher und die Kruste ist bei allen Kindern sehr  beliebt.

Als ich in den neunziger Jahren in Düsseldorf lebte, haben wir als “young urban professionals” die dortigen Sushi-Bars genossen. Mittlerweile bin ich auf die Indische Küche gestossen, die es mir besonders angetan hat, obwohl die Menschen dort die Witwen gleich mitverbrennen sollen und ein widerliches Kastensystem haben, gegen das die englische Klassengesellschaft des 19. Jahrhunderts wie eine sozialistische Utopie anmutet.

Andere Freunde stammen aus Russland. Er hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert,sie ist Informatikerin und bei einem angesehenen deutschen Unternehmen beschäftigt. Oft haben wir in der alten Nachbarschaft zusammen gesessen. Im Kindergarten waren auch zwei algerische Zwillinge. Die Mutter legte Wert darauf, dass der eine männliche Erzieher nicht mit ihnen auf die Toilette geht.

Auch die Chinesen möchte ich nicht missen, auch wenn die Ente Süß Sauer oft mehr nach Glutamat schmeckt, als nach Süß-Sauer. Für ein liberales Lagerfeuer waren die Erfahrungen beim Italiener nicht so gut wie beim Bayern, das heißt aber nicht, dass wir das nächste Mal nicht beim Amerikaner tagen (aber dann vielleicht nicht bei McDoof, auch wenn die Kreuzberger Idee etwas hätte).

Wenn die schwarzarbeitenden Russinnen, Polinnen und Ukrainerinnen ihren Putzdienst einstellen würden, würden im Grunewald und Poppenbüttel schnell schmutzige Zustände eintreten, aber auch bei den wohlsituierten Altachtundsechzigern.

Es besteht kein Zweifel, dass unter den jugendlichen Intensivtätern diejenigen arabischer Herkunft besonders häufig vertreten ist. Aber nicht jeder Jugendlicher arabischer Herkunft ist deshalb ein Intensivtäter. Nicht jeder Palästinenser ist Terrorist, obwohl es unter den Palästinensern viele Terroristen gibt.

Auf dieser Seite haben sich Kommentare gehäuft, die mit diesem Weltbild einer offenen Gesellschaft nicht kompatibel sind, in dem der Einzelne zählt und nicht seine Religion und auch nicht seine Herkunft. In denen platt schwadroniert wurde über Milliardenbeträge, die arbeitsunfähige Ausländer absorbieren würden. Das kann so nicht stehen bleiben. Schließlich sind alle Ausländer. Fast überall.

20 Kommentare

  1. Sky
    Mo, 4. Feb 2008 geschrieben in 23:42 | Permalink

    Ist kein Ausländerproblem, sondern ein Religionsproblem. Das kam leider in der Diskussion nicht klar heraus. Dabei würde ein Blick in die der “Islamophobie” weitgehend unverdächtigen Wikipedia bereits reichen um die Problematik mit der Scharia [1] zu verstehen. Nichts gegen Moslems, die diese nicht ernst nehmen natürlich, moderate und verständige Leute, die - das muss man aber m.E. klar aussprechen - ihren Glauben nicht wie vom Religionsgründer geplant leben.

    [1] Mir scheinen alle hier zuletzt diskutierten Probleme davon ableitbar. Besonders unangenehm a.m.S. der Artikel zur “Hudna”.

  2. euckenserbe
    Mo, 4. Feb 2008 geschrieben in 23:44 | Permalink

    Dass Leute,die sich, ihrer Familie, mir oder uns die Scharia vorschreiben wollen,kaum zu meinen Freunden gehören könnten, versteht sich wohl von selbst.

  3. Sky
    Mo, 4. Feb 2008 geschrieben in 23:51 | Permalink

    Um mal mit den Onkelz zu sprechen:
    Ein “Ich bin nicht euer Opfer, ich bin Euer Feind.” scheint mir hier durchaus angebracht, die Freundschaft aufkündigen dürfte nämlich nicht reichen.
    (Ich vermute mal, dass 1936 bis 1938 in Europa auch ziemlich viel über den moderaten Nazi diskutiert worden ist. Filbinger, vielleicht v.Braun, Speer? ;)

  4. euckenserbe
    Mo, 4. Feb 2008 geschrieben in 23:57 | Permalink

    Wie der Spiritus Rector dieser Seite schon sagte: “Die offene Gesellschaft und i h r e F e i n d e

  5. euckenserbe
    Mo, 4. Feb 2008 geschrieben in 23:58 | Permalink

    Und Walter Eucken hat 1938 “Die Grundlagen der Nationalökonomie veröffentlicht. In DEUTSCHLAND” und sich des Heidegger erwehrt!

  6. Sky
    Di, 5. Feb 2008 geschrieben in 00:20 | Permalink

    Die Kernfrage ist natürlich ob wir uns wirklich in einer langanhaltenden Bedrohungssituation sehen müssen bzw. sollten.
    Was sagt Popper oder Eucken dazu? Bzw. würden vermutlich sagen?

  7. euckenserbe
    Di, 5. Feb 2008 geschrieben in 00:25 | Permalink

    Die Freiheit ist immer bedroht. Die offene Gesellschaft hat zu viele Feinde. Lernen kann man von ihnen und ihresgleichen, dass es Leute gibt, die dem Zeitgeist wiederstehen, sei er kommunistisch, faschistisch oder islamistisch.

  8. Di, 5. Feb 2008 geschrieben in 12:47 | Permalink

    Ein fantastischer Artikel!

  9. G3ro
    Di, 5. Feb 2008 geschrieben in 15:32 | Permalink

    Was die religiösen “Feinde der offenen Gesellschaft” angeht:
    Kann hier zufällig jemand Literatur (oder Links) empfehlen, die den organisierten “Verbandsislam” (besonders in Deutschland) kritisch, möglichst wissenschaftlich, beleuchtet hinsichtlich seiner offenbar mangelhaften Distanz zu Scharia etc.?

  10. Sky
    Di, 5. Feb 2008 geschrieben in 18:42 | Permalink

    Wenn ich nur an die Islamkonferenz denke in denen die Verbände erst öffentlichkeitswirksam ihre Bereitschaft zur Akzeptanz der verfassungsrechtlichen Grundordnung zusagten und diese dann (weniger öffentlichkeitswirksam) ein paar Tage später zurücknahmen…
    Lustig auch immer die gespaltenen Zungen der (Verbands-)Brüder, die Fragen nie richtig beantworten und davon profitieren [1] nie hart angefragt zu werden.

    [1] “Profitieren” ist ein bisschen viel gesagt, der halbwegs verständige Konsument ihrer Aussagen kann klar sehen, dass hier Verfassungsfeindliches wächst, auch wenn die Brüder unerklärlicherweise geschont werden.

  11. G3ro
    Di, 5. Feb 2008 geschrieben in 22:41 | Permalink

    Welche Zurücknahme ein paar Tage später?

    (Schreibe bald ne Diplomarbeit, in der das auch berührt werden soll. Konkrete Hinweise, Belege etc. wären superhilfreich!)

  12. Di, 5. Feb 2008 geschrieben in 23:38 | Permalink

    Der Blütenleser wird mehr wissen: http://bluetenlese.wordpress.com/

  13. Alrik
    Mi, 6. Feb 2008 geschrieben in 19:24 | Permalink

    Man muß wissen, auf welcher Seite der Barikade man im Notfall steht.

    Und bei dieser Entscheidung ist es egal, welche Sprache man spricht, wie man zu Gott betet, welche Ausbildung man hat und woher die Eltern stammen.

    Ich persönlich bin der Meinung das es unsere Bundesrepublik und ihre freie demokratische Grundordnung verdient gegen Angriff verteidigt zu werden.

    Ganz egal ob diese Angriff in der Komentarsektion eines Blogs stattfinden oder auf dem Bürgersteig eines U-Bahnhofes…

    Wenn sie angegriffen wird dann schau ich nicht darauf wer es warum tut, ich tu alles in meiner Macht stehende um den Angriff zu beenden.

    Dazu ist eine gewisse Kaltblütigkeit nötig - eine kaltblütigkeit die ich bei den linken Spinnern, den rechten Spinnern und bei den Islamophobikern vermisse. Da gibts nur Hysterie ( genau wie bei den Nerds, die Angst haben Schäuble surft auf ihrer Platte mit dem pr0n ).

    Allerdings kann ich auch herzhaft über solche Leute, wie z.B. den furchtbar betroffenen Hartwig, lachen:
    http://de.indymedia.org/2008/01/206358.shtml

  14. Sky
    Mi, 6. Feb 2008 geschrieben in 21:44 | Permalink

    Gott finde ich nicht mehr so cool seitdem diese Scheisse mit den Moslems passiert.
    Man kann ja kaum noch in die Zeitung schauen ohne dass wieder irgendein Scheiss passiert ist.
    “Solingen II” kocht ja anscheinend bereits hoch. Ich bin ja auf die Analyse des Brandvorgangs gespannt. “Hübsch” und leider mittlerweile auch von den Moslems gewohnt, dass ein an der Löschung beteiligter Feuerwehrmann (!!) von Türken zusammengeschlagen worden ist. Ich habe bisher noch keine Verurteilung dieses höchst empörenden Vorgangs durch türk. Verbands- oder Staatsvertreter oder irgendwelche Imame oder Einzelpersonen gelesen. Wer was dazu liest soll das ruhig mal verlinken. Wenn wenigstens mal so einer wie Özdemir klare Worte finden könnte (zum Gesamtvorgang), aber sogar der verhältlich sich taktisch.

  15. euckenserbe
    Mi, 6. Feb 2008 geschrieben in 21:57 | Permalink

    Der Schwenk gefällt mir gar nicht. Es ging mir eben nicht um Verbandsvertreter oder auch vielleicht einige aufgeregte Brandopfer (ich weiß wovon ich rede, als Löschmeister der Reserve), sondern darum, dass wir eben gerade nicht auf den Einzelnen, der uns alltäglich begegnet, Rückschlüße ziehen. Sorry. Hier passt der Kommentar nicht

  16. Sky
    Mi, 6. Feb 2008 geschrieben in 22:10 | Permalink

    Aber Dir fällt schon auf, dass hier einiges (Hetze in türkischen Zeitungen, Zusammenschlagen eines Feuerwehrmannes, kaum brauchbare Statements von Verbandsvertretern und von “Einzelnen”) massiv schiefläuft?!
    Es geht keinesfalls nur darum “im Notfall” zu wissen “auf welcher Seite der Barrikaden man steht”, das sollten eigentlich alle wissen.
    Ja, der Kommentar des Kollegen oben hat mich in der Tat unfroh gestimmt, exakt solche Aussagen kenne ich aus meinem Bekanntenkreis.

  17. euckenserbe
    Mi, 6. Feb 2008 geschrieben in 22:50 | Permalink

    1. Wenn bei einem Brand neun Menschen umkommen und sechzig verletzt sind, das ganze in der Öffentlichkeit hochgradig emotionalisiert. Da sollte man einen Gang runterschalten und nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.
    2. Dass Feuerwehrleute tätlich angegriffen werden, ist entsetzlich, vor allen, weil an denen ein solcher Einsatz (5 tote Kinder) sicher nicht spurlos vorüber geht.
    3. Ich habe vor zwei Jahren selbst erlebt, wie mein Urlaubshotel abfackelt und habe eifrig mitevakuiert. Die Naturgewalt Feuer trifft einen ungeheuer. Als alles vorbei war und ich feststellte, dass ich Ruß in meinen Schuhen hatte, habe ich mich doch sehr gewundert.
    4. Der Brandverlauf ist extrem verdächtig. Ein Feuer brennt immer von unten nach oben, d.h. das Feuer muß im Erdgeschoß ausgebrochen sein und sich vermutlich über das Treppenhaus nach oben gefressen haben (andernfalls ist die Geschwindigkeit der Verbreitung nicht zu erklären). Und das stinkt nach Brandstiftung. Ob das dann hinterher ein Spekulant war, der sich warm sanieren wollte oder ein tumber Depp, macht keinen der Verbrannten wieder lebendig. Aber das ist fast schon zuviel Spekulation.

    Man sollte in einer solchen Situation besonnen reagieren, bis die tatsächliche Ursache bekannt wird. Das würde übrigens mein persischer Freund genau so sehen. Und die meisten anderen, die in dem Post vorkommen auch.

  18. Sky
    Mi, 6. Feb 2008 geschrieben in 23:31 | Permalink

    Ich vertrete da anscheinend eine ganz andere Linie als Du. Mein Credo hier: Klare Worte dem Irrationalen entgegensetzen.
    Wenn ich z.B. sowas lese:
    http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~ECFC20B372CD64D6692047617BAB2C422~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Eine Pointe hier:
    “Islamische Organisationen kritisierten Beck dafür, dass er am Montag bei einem Besuch in Ludwigshafen gesagt hatte, es gebe nach dem Stand der Ermittlungen keine Hinweise auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund. Die Äußerungen seien „sehr verfrüht“ gewesen, weil es viele verschiedene Anhaltspunkte und Vermutungen gebe, sagte der Generalsekretär des Islamrates, Burhan Kesici, dem „Münchner Merkur“ (Donnerstagsausgabe). Der Sprecher der Türkisch-Islamischen Union (DITIP), Bekir Alboga, sagte der Zeitung, Brandstiftung auszuschließen, bevor die Ermittlungen beendet seien, sei „eine völlig falsche Botschaft an die Öffentlichkeit.“”

    Dann dreht es sich bei mir im Magen um. - Allerdings muss man dazu mit der Semantik der deutschen Sprache vertraut sein.

  19. Sky
    Mi, 6. Feb 2008 geschrieben in 23:42 | Permalink

    Immerhin etwas Vernünftiges von den Aleviten [1]:
    http://www.faz.net/s/Rub61EAD5BEA1EE41CF8EC898B14B05D8D6/Doc~E22428D0A6D564D79989C44C21C3E8D93~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    [1] Die ziemlich oft OK sind.

  20. Sky
    Mi, 6. Feb 2008 geschrieben in 23:50 | Permalink

    Oder noch was zur perfiden Kritik an den Feuerwehrleuten:
    http://www.stern.de/politik/panorama/:Ludwigshafen-Die-Stimmung/610133.html

    (Das riecht doch backpfeifenverdächtig was da von bestimmten Bürgern kommt, oder?)

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