Hier steht, dass die Telekom systematisch Kundenbeschwerden ignoriert hat. Ich muss sagen, da dürfte was dran sein. Auch für mich dauerte es eine Ewigkeit, bis meine Kündigung endlich zu Kenntnis genommen wurde. Ende 2006 wechselte ich zu Alice und bekam im November06 von der Telekom auch die schriftliche Bestätigung, dass der Vertrag aufgelöst ist. Doch anstatt mich von da an in Ruhe zu lassen, wie es jedes anständige Unternehmen machen würde, trudelte im nächsten Monat eine Telefonrechnung bei mir ein, als sei nichts geschehen. Ich warf sie weg. Zwei Wochen später folgte die Mahnung.
Der Januar kam und mit ihm erneut eine Rechnung. Wieder wanderte sie in den Papierkorb. Interessant war vor allem, dass die Telekom von mir Geld für einen Anschluss haben wollte, der nicht mehr existierte, in einer Wohnung, in der ich nicht mehr wohnte, in einer Stadt, in der ich nicht mehr lebte. Keine Ahnung, wie sie auf ihre Abrechnungen kam, aber offenbar wurde das nichtexistente Telefon regelmäßig benutzt. Mal für 60 Euro im Monat, dann wieder für beinahe 90 Euro. Regelmäßig meldete ich mich per Telefonanruf oder E-Mail, um dieses Missverständnis aufzuklären und immer wieder wurde erklärt, dass dieser Fehler nun behoben sei.
Im Februar durfte ich erneut eine Rechnung in Empfang nehmen. Papierkorb. Im März das gleiche Spiel. Der April und der Mai kamen und gingen und mit ihnen die Telekom-Briefe und Mahnungen. Mittlerweile hatte ich aufgehört, mich bei der Telekom zu melden und fand mich damit ab, eben mehrmals im Monat Briefe zu bekommen, die ungelesen in den Papierkorb wandern. Wobei es schon interessant war, dass dieses Unternehmen zwar unfähig ist, einer Kündigung auch Taten folgen zu lassen, aber dennoch alle Briefe an meine neue Adresse in Berlin schickte. Der Juli 2007 wartete dann mit einer Überraschung auf. Ein Brief der Telekom-Anwälte: “Wir sind beauftragt, den ausstehenden Restbetrag von XY Euro einzufordern…Wenn sie nicht zahlen, Gerichtsprozess und blablabla.” Ging ebenfalls in den Papierkorb. Drei Wochen später erneut ein Droh-Brief von der Kanzlei. Ich entschied mich, noch einmal mit der Telekom zu telefonieren. Es wurde ein nerviges Gespräch: Ja, ich habe gekündigt. Genau, die Kündigung liegt mir vor…Wo das Problem ist? Ihr ignoriert die Kündigung, das ist das Problem. Was, sie finden das sonderbar, da ist nichts sonderbar dran, das ist einfach nur unseriös. Die nette Frau erkannte bald, dass da wirklich etwas schief gelaufen ist und versprach, rasch zu reagieren. Dabei erfuhr ich auch, dass die Kundenbetreuer bei der TELEKOM keine Möglichkeit haben, mit der Rechtsabteilung Kontakt aufzunehmen. Was solls, ist ja nur ein Kommunikationsunternehmen.
Ein paar Tage später wollte irgendein Amtsgericht wissen, ob ich die Forderungen der Anwälte akzeptiere, nicht akzeptiere oder teilweise akzeptiere. Nicht akzeptiert ging der Brief zurück. Ein Bekannter erklärte mir dann, wie es nun weitergeht. Irgendwann in nächster Zeit dürfte sich das für mich zuständige Amtsgericht melden und einen Termin ankündigen, zu dem sich die Telekom-Anwälte und ich vor Gericht sehen.
Noch einmal boten diese mir jetzt eine außergerichtliche Einigung an. Ich müsse das Geld ja nicht auf einmal zahlen, daran sollte es doch nicht scheitern. Ich übergab auch dieses Schreiben dem Papierkorb. Genervt stellte ich mich also darauf ein, einen Gerichtsprozess zu haben. Ein Anwalt müsste gesucht werden, man müsste einen halben Tag für das Gericht einplanen, und alles nur, weil ein unseriöses Unternehmen versucht, einem sogar über das Ende des Kontakts hinaus, Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch dann - ein Jahr nachdem ich mich von der TELEKOM losgesagt hatte - klingelte mein Telefon. Eine Dame aus der Rechtsabteilung meldete sich, es sei ein Fehler unterlaufen, die Unterlagen wären erst heute auf ihrem Tisch gelandet. Man habe die Anwälte angewiesen, die Klage fallen zu lassen. Dann legte sie auf, kein “Entschuldigung”, kein, “es tut uns Leid um den Ärger, den sie dadurch hatten”. Aber das war mir dann auch egal. Und da regt man sich in Deutschland drüber auf, dass Scientology es Aussteigern so schwer macht…
(Ach ja, und das gleiche, was ich hier beschrieben habe, passiert gerade einem Freund von mir. Vielleicht ist es nur Zufall, aber weil ich außer ihm niemanden kenne, der seinen TELEKOM-Anschluss gekündigt hat, sieht es so aus, als ob 100% aller Wechsler so behandelt werden. Den Brief der Anwälte hat er auch schon bekommen.)
8 Kommentare
Und da regt man sich in Deutschland drüber auf, dass Scientology es Aussteigern so schwer macht
*ggg*
Der Lacher des Tages geht an… Die Freunde der offenen Kundenbetreuung.
Es muss heissen: Freunde des ordentlichen Geschäftsgebarens.
Ja, das mit dem virtuell weiter bestehenden Telefonanschluss incl. dauernder Rechnungen hatten wir vor ein paar Jahren auch, als wir umgezogen sind. Es gab da einiges Theater, ähnlich wie bei Dir. *rrrr*
mein wechsel von der telekom zu alice zog sich über fast 4 monate. die telekom hatte erst meinen vertrag, trotz kündigung, automatisch verlängert und dann nach dutzenden anrufen bei alice und der telekom, wobei keiner vom anderen infos erhalten haben will, wurde es von heute auf morgen freigeschaltet.
aber das war natürlich noch harmlos im vergleich zu deinen problemen
Die übliche Telekom-Geschichte, die ich schon oft gehört habe [1] geht so:
T. wird irgendwann als zu teuer empfunden, es wird gekündigt, T. weigert sich standhaft über mehrere Monate die Kündigung zu akzeptieren und droht mit rechtlichen Schritten.
[1] Auch selbst erlebt habe.
Feinde des obligatorischen Genervtseins
Ha,die Telekomiker.
Momentan warte ich bis Telefon und Internet im Kabelnetz verfügbar sind, aber im letzten Jahr wollte ich bei der Telekom den Tarif wechseln und Fastpath aktivieren.
Da ich online nicht auf mein Kundenkonto zugreifen konnte hab ich mich an den T-Punkt gewandt, die haben mich an die Hotline verwiesen, die mir geraten haben bei der Störstelle anzurufen die mir dann aber auch nicht helfen konnte.
Die Rettung ist dann ein Telekommitarbeiter gewesen der mir eigentlich eine neue Flatrate andrehen wurde.
Nachdem ich ihn mein Surfverhalten beschrieben hatte meinte er
“Da macht der Tarif den ich ihnen anbieten will keinen sinn, warum nehmen sie nicht den billigen” und nachdem ich ihn mein Leid klagte gab er mir einen Tipp wie die Leute im T-Punkt mir helfen konnten (Fehler in der Verwaltung der Kundendaten war Schuld, T-Punkt konnte das anleiern).
ich kenne inzwischen fast niemanden mehr, der nicht seine persönliche telekomgeschichte zu erzählen hat.
es ist eine frechheit, wie dieses unternehmen seine kunden behandelt.
es herrscht dort eben immer noch die beamten-mentalität.
die konkurrenz wächst aber immer weiter. irgendwann MUSS die telekom ihre geschäftspolitik überdenken.