Die Bank, die keiner braucht, kostet 5 Mrd. €

Das ist etwas mehr als die Hälfte von dem, was andere Anstalten öffentlichen Rechts im Jahr absorbieren. Und 3 Mrd € davon müßen zwar in den Landeshaushalt eingestellt werden, fließen aber erst, wenn es so dick kommt, wie man es vermuten muß. So gesehen fast ein Schnäppchen, die WestLB. Andererseits hätte man bei einem Stückpreis von 30.000 € rund 2 Mio. Klassenzimmer mit modernem Inventar ausstatten können. Dabei hatte es gestern noch ganz anders ausgesehen.

Das Hauptproblem der Landesbank, deren Existenz die deutsche Politik in Brüssel mit der Begründung der Daseinsvorsorge gerade noch so gerechtfertigt bekommen hat, ist dass sie keiner braucht. Die privatwirtschaftlichen Banken leisten das gleiche, ähnliches gilt für die Genossenschaftsbanken, für die ebenfalls der Steuerzahler nicht den Kopf hinzuhalten hat. Der NRW-Finanzminister suchte deshalb nach einem “neuen Geschäftsmodell” und erkor das Mittelstandsgeschäft als zukünftige Erwerbsquelle für die Staatsbank, die zur Hälfte in Landes- und zur anderen Hälfte über die Sparkassen in kommunalen Eigentum sind.

Um die neuen Unternehmensziele besser durchzusetzen, soll das marode Institut auch Anteile an den Sparkassen erwerben. Eine Idee, die als “In-Sich-Geschäft” im Aktienrecht verboten wäre: Tochtergesellschaft (WestLB) kauft Mutter (Sparkasse als Teil des Sparkassenverbandes, der die Mehrheit an der Gesellschaft hält).  Vor allem aber macht die WestLB ihren Muttergesellschaften mit dem”Mittelstandsgeschäft” Konkurrenz. Denn das ist die ureigenste Domaine der kommunalen Institute und deren vermeintliche Daseinsberechtigung. Weshalb die sich einer solchen Bedingung verweigerten.

Der Bundesbankpräsident und der Chef der BaFIN mußten sich wieder auf den Weg nach Düsseldorf machen, um die Streithähne zur Raison zu bringen. In letzter Sekunde einigte man sich auf einen unseligen Kompromiß. Die drei zusätzlichen Milliarden werden wieder in einer Zweckgesellschaft über eine Landesbürgschaft geparkt. Werden sie gebraucht, müssen die Sparkassen ihre Anteile an´s Land abgeben. Dafür bleibt offen, wie die neue Mittelstandsbank WestLB sich vom Angebot ihrer Gesellschafter unterscheiden soll.

Eine kleine Bemerkung am Rande. Die bescheidene Alimentierung von 5 Mrd. € ist eine Wettbewerbsverzerrung etwa gegenüber der Deutschen Bank, die im selben Zeitraum trotz Milliardenabschreibung etwa den gleichen Betrag verdient, mit dem das Land die Bankenpleite abwendet. Und aus deren Steuern diese Rettung des Konkurrenten finanziert wird. Die deutsche Bank hat nämlich auch ein Mittelstandsgeschäft. Und deshalb wird sich die Europäische Kommission auch dieses Falles annehmen und die 5 Mrd. € als verbotene Beihilfe deklarieren. Vorsichtshalber nicht jetzt, aber später, wenn sich der Finanzmarkt ein wenig beruhigt hat.

4 Kommentare

  1. Sky
    Fr, 8. Feb 2008 geschrieben in 10:57 | Permalink

    Die WLB wird einerseits benötigt um verdienten Kräften aus der Politik als Absteige zu dienen und anderseits hat eine staatliche Bank (auch heute noch) für die Linke (Rüttgers zähle ich dazu) einen gewissen Symbolwert.
    Zudem können über bestimmte Finanzierungen auch bestimmte Ziele angegangen werden, bspw. wenn eine Firma mit erkennbar nicht tragfähigem Geschäftsmodell eine “Anschubfinanzierung” benötigt. Eine Firma, die - um einfach mal ein Beispiel zu nennnen, es kann gerne auch etwas anderes sein - in “Umwelttechnologien” macht.

  2. sebastian
    Fr, 8. Feb 2008 geschrieben in 14:04 | Permalink

    Dafür gibt es doch Venture Capital Unternehmen.

    Wozu braucht es dort eine Staatsbank?

    Warum sollte man eine Firma mit einem nicht tragfähigen Konzept subventionieren?Bei Startups besteht doch meist die Chance Erfolg.

  3. euckenserbe
    Fr, 8. Feb 2008 geschrieben in 14:13 | Permalink

    Ironie?

  4. sebastian
    Fr, 8. Feb 2008 geschrieben in 14:19 | Permalink

    Im ersten Teil d´accord.

    Aber der 2.Teil klang schon mehr nach Realität.

    Ohne Ironie-tags ist das immer so schwierig.

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