Vor rund 10 Jahren galt der neue Jaguar S-Type als Hoffnungsträger. Aber schon der Name und die Formgebung erinnerte nicht an die Legende aller Sportlimousinen, den sagenhaften MK II, der schon in den frühen Sechziger Jahren mit einer Spitzenmotorisierung mit 220 PS brillierte, sondern an die eher glücklose Schwester S-Type, die auch bei den Oldtimer-Notierungen um 10.000er hinter dem Klassiker zurückbleibt. Nun nimmt der wohl demnächst in indischen Händen befindliche Konzern einen neuen Anlauf. Anfang März steht der XF in Deutschland bei den Händlern und verkündet einen Paradigmenwechsel. Cool Britishness statt Retro-Design.
Als vor vier Jahren die neue Luxuslimousine, der XJ, das Licht der Welt erblickte, gerieten die unter der Alu-Hülle befindlichen Innovationen eingedenk der Verwechselbarkeit mit dem gleich stilvollen Vorgänger in Vergessenheit. Statt der erstmals bei Daimler mit dem 180 nach dem Kriege eingeführten selbsttragenden Karosserie purer Flugzeugbau. Space-Frame, eine auf einen Metallrahmen geklebte Alu-Karosserie weist den Weg im modernen Automobilbau: Leichtbau konsequent. Wenn man keine Tonnen mitzuschleppen braucht, ist auch der Hybrid-Antrieb entbehrlich, der die angeblich so garstigen CO²-Emissionen aus dem Auspuff in den Schornstein des Kraftwerks verjagt und dem Fahrzeug für die zusätzlichen Elektromotoren ein ordentliches Strafgewicht beschert.
Vom S-Type wusste man von Anbeginn, dass er alles, was unter dem Blech stattfindet, mit einer Klein-Ausgabe der Ami-Limousine Lincoln teilt. Auch der Start in die Kompaktklasse mit dem hübsch gezeichneten X-Type mißlang, weil jedermann wusste, dass unter dem Blech die Technik eines Ford Mondeo lauerte. Einfach langweilig.
Der neue XF bricht mit der Design-Tradition und den Plattform-Strategien des Ford-Konzerns, der die Luxustochter ohnehin zum Verkauf gestellt hat. Und wird ihr dadurch gerecht. Denn auch der E-Type war ein konsequenter Bruch mit der Design-Philosophie der alten zweisitzen XK-Sportwagen und der besagte MKII und auch der erste XJ waren zu Beginn ihrer Karriere keine Klassiker, sondern innovative Hochleistungslimousinen, deren Zuverlässigkeit damals leider an der damals sprichwörtlichen englischen Gewerkschaftsmentalität litt.
Die Sportlimousine sieht aus wie das gelungene viertürige Coupé und soll sich auch so fahren. Manche behaupten, das Design erinnere an eine Kreuzung aus der japanischen Ford-Tochter Mazda und dem Toyota-Luxus-Derivat Lexus. Daran werden auch Spielereien wie ein rot pulsierender Startknopf nichts ändern, deren Reiz mit der Zeit vergeht.
Die größten Schwächen offenbart die Motorenseite. Ein vom Peugeot zugelieferter Diesel mit nur 207 PS wird dem Anspruch der Limousine kaum gerecht und die Achtzylinder-Alu-Aggregate stammen aus der Mitte der Neunziger Jahre und sind, was Verbrauch und Leistungsentfaltung angeht, nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.
Mir gefällt das Auto und ich hoffe es hat das Zeug zum Klassiker. Nach der Übernahme durch den indischen TATA-Konzern wird es mindestens auf Jahrzehnte das dortige Verkehrschaos bereichern. Mehr wäre schön. Sehen sie selbst.



Ein Kommentar
Bei TopGear ist man ähnlicher Meinung: http://www.youtube.com/watch?v=n46hvfwxuTo