Sobald ein Land wirtschaftlich so weit entwickelt ist, daß es über eine ausreichend große Mittelschicht verfügt, um eine Kette von Mc-Donald`s-Restaurants zu unterhalten, wird es zu einem McDonald`s Land und Menschen in einem McDonald`s Land führen nicht gerne Kriege, sondern stellen sich lieber nach Big Macs an. Mit dieser Zuspitzung wollte ich veranschaulichen, daß sich Länder, die in das Geflecht globaler Handelsbeziehungen eintreten und in denen der Lebensstandard (symbolisiert durch die Existenz von McDonald`s-Restaurants) steigt, keine Kriege mehr leisten können - egal, ob sie gewinnen oder verlieren.Diese Theorie hat in der Folge der Realität ziemlich gut standgehalten. Da es inzwischen praktisch überall - außer in den schlimmsten Schurkenstaaten wie Nordkorea und Iran - McDonald`s-Filialen gibt, schien mir aber eine Aktualisierung der Theorie für die flache Welt geboten. In diesem Sinne - und auch dieses Mal ist die Formulierung als Bonmot gedacht - möchte ich jetzt mit der Dell-Theorie der Konfliktvermeidung aufwarten.
Im Kern lautet sie, daß in der flachen Welt die Entstehung und Ausbreitung globaler Wertschöpfungsketten, in denen Produkte just in time - zielgerichtet genau zum Termin der Lieferung der Kunden - produziert werden, die geopolitische Abenteuerlust noch stärker zügeln als der allgemeine Anstieg des Lebensstandards, den McDonald`s symbolisiert.
Die Dell-Theorie besagt: Keine zwei Länder, die in dieselbe weltumspannende Wertschöpfungskette integriert sind, werden jemals Krieg gegeneinander führen. Warum? Weil Menschen, die in solche globalen Prozesse integriert sind, keine Kriege führen wollen. Sie wollen ihre Waren und Dienstleistungen liefern, just in time, und den steigenden Lebensstandard genießen, der damit einhergeht.
(aus: Die Welt ist flach)
7 Kommentare
Im Übrigen ist dieser Beitrag nicht als subtile Parteinahme für die “Bloggertreffen im McDonald`s”-Fraktion zu verstehen, auch wenn ich mich an dieser Stelle (wenn ich schon mal dabei bin) ganz deutlich von all denen distanzieren will, die hier in den letzten Tagen versuchten, McDonald`s schlecht zu machen. Ich bin ein Fan vom Goldenen Doppelbogen
Diese Logik Friedmans ist leider zu genüge falsifiziert. Zwei Beispiele:
1.) In Pakistan gibt es sowohl das güldene M (hinter Hochsicherheitszäunen, Stahlbetonpollern und bewaffneten Personal) als auch die offiziellen Dell-Fachverkäuferstellen. Ob nun Dell auch tatsächlich in Pakistan produziert (seine Kernaussage) kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ist jedoch in den Wirtschaftsmetropolen durchaus denkbar. Beides, Dell und McD gibt es auch in Indien auch. Und…genau. Ich sag nur Kargil-Konflikt (um aktueller zu bleiben).
2.) In gesamt Vietnam gab es zumindest vor drei Jahren noch weder einen Burger King, einen McD, KFC. Nur einen PizzaHut soweit ich mich erinnere. Und wann gab es die letzten kriegerischen Handlungen gegen ein anderes Land?…Richtig, schon ein wenig her. (Innerstaatliche Konflikte meinte Friedman nicht, richtig?)
Falsifiziert.
Nachtrag: Die Logik Friedmans auf der Metaebene gesehen ist völlig schlüssig und der Zustand mit aller Kraft erstrebenswert. Nur diese dann auf zwei so inkonsequente Beispiele runterzubrechen, ist, naja, für das Verständnis wenig förderlich.
Wobei ich eher das Problem darin sehe, dass er unterschätzt, dass doch ein Großteil der Wirtschaft eben nicht so sehr von internationalen Verbindungen abhängig ist, wie z.B. die Computerindustrie, die er oft als Beispiel heranzieht.
Er geht in dem Buch auch darauf ein, dass die Wirtschaftsunternehmen den Politikern/Militärs gerade in den Schwellenländern heute doch sehr deutlich zu verstehen geben, was man alles durch einen Krieg zu verlieren hätte.
Wobei er aber gerade den Indien-Pakistan Konflikt (neben China-Taiwan) als Beispiel dafür heranzieht, wie wirtschaftliche Interessen zumindest in Indien die Kriegsbegeisterung (für einen Angriffskrieg) sehr drücken. Er sagt, dass die atomare Krise von 2002 zu einem nicht unbedeutenden Teil deswegen friedlich ausging, weil in Indien die Unternehmen, die von ausländischen Konzernen abhängig sind, die Regierung darauf aufmerksam machten, dass diese Kunden das Land verlassen werden, wenn nicht eine gewisse Stabilität gewährleistet wird.
Auch dass der Konflikt Indien-China nicht mehr so gefährlich ist, ist für ihn ein Ergebnis der Globalisierung und der weltweiten Wertschöpfungsketten.
In wie weit man das so sehen kann, weiß ich persönlich nicht, dafür habe ich zu wenig Ahnung von diesen Konflikten…
Er sieht das offenbar klassisch: “Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral”.
Ähnlich orientiert sich bspw. die Adenauer Stiftung in Jerusalem. U.a. wird versucht auf Konferenzen jordanische, palästinensische und israelische Unternehmer zusammen zu bringen, um wirtschaftliche Verflechtungen zu implementieren. Wer von einander ökonomisch abhängig ist, baut Hass ab und sowieso weniger Bomben. That’s it :-)
@Oliver:
Deine Beispiele widerlegen m. E. die These nicht.
1.) Ein Land ist nicht dadurch schon “McDonalds”-Land, daß es hinter Stacheldraht ein Musterrestaurant hat. Sondern wenn “es über eine ausreichend große Mittelschicht verfügt, um eine Kette von Mc-Donald`s-Restaurants zu unterhalten”.
Das ist m. W. in Pakistan noch lange nicht der Fall.
2.) Die These sagt nicht, daß Länder ohne McDonalds automatisch Krieg führen müssen.
@ R.A.
Mmh, “Die These sagt nicht, daß Länder ohne McDonalds automatisch Krieg führen müssen.” Völlig richtig, dass ist mir bei der ersten Sicht entgangen.
Ein Trackback
[...] Gideon zitiert Thomas L. Friedman und formuliert mit netteren aber auch zu kritisierenden Beispielen. [...]