Was geschähe, wäre der Schwarze Block ein Brauner?

Aus der gestrigen FAS (online nicht verfügbar, allerdings hier vollständig veröffentlicht)

Ursprünglich hatten Union und SPD im Koalitionsvertrag verabredet, „jede Form von Extremismus, auch von links, zu bekämpfen”. Die Programme seien dafür „umfassender auszulegen”. Doch dazu kam es nicht. Die Koalition einigte sich 2oo6, es bei den Programmen gegen Rechtsextremismus zu belassen. [...]

 

Dabei sind die Unterschiede im Umgang mit Links- und Rechtsextremismus in Deutschland offensichtlich. Während Auftritte der NPD entschiedene, oft hysterische Reaktionen zeitigen, finden solche von Linksextremisten wenig Beachtung. Untersuchungen zum Rechtsextremismus sind mittlerweile Legion, Studien zu linksextremistischen Einstellungen gibt es kaum. Die wenigen Bücher über die „Autonomen” stammen von ihnen selbst. [...]

Die unterschiedliche Bewertung beider Extremismen gehört zur politischen Kultur in Deutschland. „Wäre der Schwarze Block bei den Protesten gegen den G-8-Gipfel ein Brauner Block gewesen, die Suche nach Hintermännern aus der Neuen Rechten hätte Hochkonjunktur”, schreibt der Extremismusforscher Eckhard Jesse.

(via)

5 Kommentare

  1. Constantin
    Mo, 18. Feb 2008 geschrieben in 21:33 | Permalink

    Wo lassen sich denn die qualitativen Unterschiede zwischen Rechts- und Links-”Extremisten” noch aussagefähig eingrenzen?

    Mir fällt das schwer…

  2. max
    Di, 19. Feb 2008 geschrieben in 10:07 | Permalink

    Die Frage ist doch, ob nicht gerade der Black-Out des linken Extremismus aus der Medienlandschaft effektiver ist als der Versuch der gewaltsamen Ausschaltung der Rechten durch den Staat. Denn wenn man in diesem Kampf nach 60 Jahren mal Bilanz zieht, dann ist es unter dem Strich nicht wirklich besser geworden…

  3. Sky
    Di, 19. Feb 2008 geschrieben in 10:33 | Permalink

    Es gibt wohl weniger Rechtsextremisten als Linksextremisten. Den Rechten wird das Leben teilweise zur Hölle gemacht, Straftatbestände sind teilw. extra auf rechts zugeschnitten, Volksverhetzung, pol. Gewalt (PMK -r) und natürlich auch ein wenig Einschnitte bei der Meinungsäusserung.
    Die Rechten dürfen nichts, sind sozial geächtet (ob sies wirklich sind in der Bev. ist nicht ganz klar, aber Bildungssysteme und Journalisten sind so zu sagen explizit “anti-rechts”) und backen ganz kleine Brötchen.
    Eigentlich auch gut so, leider dürfen die Linken fast alles. Auch die Vertreter des pol. Islams dürfen ziemlich viel, sind sogar geschützt in ihrem Handeln, Taten begangen aus rel. Fanatismus sind weniger hart zu strafen, so die allgemeinen Auslegungen.
    Schwer zu sagen was man da machen soll, ich selbst habe noch im Schulsystem die Pros und Cons “DDR vs. BRD” auflisten dürfen, um dann - dem Lehrplan entsprechend “gewisse” Vorteile für das “kapitalistische” System zu erkennen während der Lehrer von sozialistischen Utopien faselte und vom “real existierenden Sozialismus” (den er gerne ein bisschen verbessern würde, wie es schien).
    Das sind alles Trauerspiele und entsprechen leider der deutschen pol. Kultur, auch bei öffentlichen Debatten ist ja alles zu meiden was “geeignet sein könnte” “missverstanden zu werden” und “bstimmten Kreisen in die Hände spielen würde”, LOL.
    Also spielt man weiter “Tötet den Koch!” und hackt lustigerweise gerne auf konservativen (die einen sehr aufgeweichten Konservativismus vertreten) herum, im sicheren Wissen etwas Gutes zu tun.

  4. Constantin
    Di, 19. Feb 2008 geschrieben in 12:16 | Permalink

    @Sky

    Das stimmt alles. Nur was ist denn “rechts”(-extremistisch) und was ist “links”(-extremistisch)? Rote Flaggen mit gelben Werkzeugen sind links und rote Flaggen mit weißen Kreisen und schwarzen Ornamenten sind rechts? Antisemitische Judenhasser sind rechts und antizionistische Judenhasser sind links? (und wer etikettiert die - beide gleichermaßen schwarz gekleideten Freikorps - als Antizionisten oder Antisemitisten?)

    Das ist doch alles nur eine willkürliche der Schlapphüte vom Verfassungsschutz-Gesinnungs-TÜV, damit die ihre jährlichen Berichte irgendwie gliedern können (in der Hoffnung, dass die Bleiwüste dann halbwegs lesefreundlicher gestaltet wird).

  5. Sky
    Di, 19. Feb 2008 geschrieben in 12:48 | Permalink

    “Rechts” ist braunes Gedankengut, das fängt langsam an bei Deutschtümelei und Leidensdruck (bspw. die Junge Freiheit, die grundsätzlich als konservatives Medium geeignet wäre, versagt hier kläglichst - man beachte auch das Fachwort “Leidensdruck”) und geht dann so weiter bis zu Horstibus und seinen Gesellen.
    “Links” beginnt mit Gesoze (”demokratischer Sozialismus”, SPD) und endet im Leninismus (Teile der SED-Nachfolgepartei sind betroffen) und Stalinismus (”Gretel”).
    Ganz ganz wichtig ist natürlich, dass sich Konservative (oder Liberale, “rechtsstaatsliberal” ist nicht rechts, gefiele mir aber auch nicht als Verortung ;) nie selbst als rechts bezeichnen oder bezeichnen lassen. Hier scheitern lustigerweise viele, überhaupt ist der Konservativismus in D wenig verwurzelt, originelle konservative Meinungen absolute Raritäten, eigentlich muss der Konservative in D liberal sein. ;)
    Ich habe gerade im Kontext “Dr.Heitmeyer” einen interessanten Wikipedia-Artikel gefunden, der zeigt wie orientierungslos die pol. Masse/Klasse ist (gemeint hier die Ersteller dieser “Analysen”):
    http://de.wikipedia.org/wiki/Extremismus_der_Mitte
    Also, ich kan mit den Verortungen “rechts” und “links” und “islamisch politisch motiviert” ganz gut arbeiten. Das ist schön griffig. Ich halte übrigens - im Gegensatz zu anderen - die Unterscheidungen für angebracht, würde also nicht die einzelnen extrem. Richtungen zusammenpacken wollen (klar, da gibt es lafontainische Schnittmengen, dennoch…).

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