Vorläufige, bemerkenswerte Erkenntnis zur gestrigen Wahl in der islamischen Republik:
1) Bhuttos Pakistan Peoples Party (PPP) hat wie erwartet die meisten Mandate gewonnen.
2) Das islamistische Wahlbündnis MMA, das 2002 noch über 5 Prozent der Mandate gewinnen konnte, wurde abgestraft. Es wurde im Vorfeld befürchtet, die Islamisten könnten durch die Entwicklung des letzten Jahres an Zustimmung gewinnen.
The MMA alliance lost many seats, winning just three seats in Monday’s parliamentary elections, according to unofficial results. “These people did nothing for us during their five-year tenure and just strengthened the hands of Islamists and those supporting militancy,” said a property businessman. An auto-rickshaw mechanic called the mullahs “religious fanatics” and said a vote for them would be wasted. “These mullahs made our lives miserable,” he said.
3) Beachtet man die schweren Anschläge auf Wahlkampfveranstaltungen der letzten Tage, freut es, dass die Wahlen relativ friedlich abliefen.
4) Die Partei des ehemaligen Premierministers Nawaz Sharif, PML(N), ist zweitstärkste Kraft im Parlament. “The general public no doubt hopes that its leadership has learnt a thing or two about administration during their long sabbatical”, schreibt die pakistanische DAWN. Pervez Musharrafs PML(Q) hat dagegen enorm an Zustimmung verloren. Nur in der Krisen-Provinz Belutschistan ist sie stärkste Kraft geworden. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren: Eventuell votierten die Wähler für die PML(Q) um explizit die “Talibanisierung” gerade in ihrer Provinzhauptstadt Quetta abzulehnen.
5) Die politische Zukunft Pakistans ist weiterhin völlig offen. Etliche Bündnisse sind vorstellbar. Deutlich ist bisher nur der große Verlust der Regierungspartei PML(Q), der enorme Zuwachs beider semi-demokratischeren Parteien der ehemaligen Premierminister, sowie das niederschmetternde Ergebnis für die Islamisten, deren gewalttätigen Versuche der Sharia-Einführung auf breite Ablehnung gestoßen scheint. Die machtpolitischen Gespräche und Verhandlungen werden nun geführt. Blicken wir also weiterhin gespannt auf die kommende Entwicklung.




3 Kommentare
schön zu sehen, dass weder musharraf noch die islamisten auf eine breite basis setzen können. jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die neu entstehende regierung nicht von ersterem abgesetzt oder von letzteren aus dem amt gebombt wird.
Vielen Dank für die kompakte Zusammenstellung. Ich finde das Ergebnis der Wahl sehr ermutigend. Hoffen wir, dass Geheimdienst und Militär die PPP unterstützen werden. Die Frage ist, wer wird Nachfolger von Musharraf? Und wann?
Ich gehe davon aus, dass sich PPP, Sharifs PML(N) und Musharraf auf einen Deal einlassen werden. Musharraf wird zwar sehr geschwächt, dennoch als Präsident weiter arbeiten. Die PPP stellt den Premier und Sharifs PML(N) bekommt einige Ministerposten. Dafür werden die Verfahren gegen ihn un Benazir Ehemann eingestellt. Man hilft sich ja unter Kollegen.
Außerdem ist die PPP durch die Traumata der vielen Anschläge auf ihre Wahlkampfveranstaltungen – den ersten schweren gab es schon lange vor Benazir Rückkehr – völlig auf Konfrontationskurs mit dem militanten Islamismus geschwenkt. Sie braucht ein in sich geschlossenes, einsatzfähiges Militär. Das wiederum wurde die letzten Jahre personell umstrukturiert, so dass selbst der als potentieller Musharraf Nachfolger geltende Kayani noch! treu zu seinem ehemaligen Ausbilder hält. Musharraf wird noch einige Jahre im Amt bleiben.
So, das sind weitere vorsichtige Ausblicke, doch bei der Unbeständigkeit in Pakistan können diese Zeilen bereits jetzt wieder obsolet geworden sein.