Für die taz ist es klar: Die “Jugendlichen” in Kopenhagen sind Freiheitskämpfer und so leitet Reinhard Wolff seine seine Streitschrift für die Gewalt mit dem schönen Kampfruf “No justice, no peace, no racist police” ein. Auf diese Weise klärt Wolff noch vor dem ersten echten Satz im Textkörper die Fronten und macht den Freunden der Ideologie klar, wer auf den Straßen Kopenhagens die Gewalt ausübt: Die “rassistische” Polizei.
Die per se rassistische Mehrheitsgesellschaft, so verdeutlicht Wolff, bekommt nur die Quittung für all die Unverschämtheiten, die sie den muslimischen Einwanderern zumutet. Passend zur Vorstellungswelt der taz-Edelspießer wird ein 15-Jähriger zitiert, der “Respekt” einfordert, nachdem er und seine Spießgesellen tagelang Schulen und Autos abfackelten oder den “rassistischen” Polizisten Molotowcocktails oder Steine an de Köpfe warfen. Ob Reinhard Wolff das dem Kerl abnimmt? Seine Leser sollen es zumindest glauben, denn der Autor reicht auch einen passenden Grund für die Ausschreitungen der “Jugendlichen” nach:
“Auslöser war offenbar die kränkende Behandlung eines älteren und im Ortsteil sehr respektierten palästinensischen Mannes gewesen, der nur sein Auto parken wollte.”
Wer hat den “sehr respektierten” Mann denn schlecht behandelt? Was hat man ihm angetan? Was hat sein Einparkmanöver damit zu tun? Warum rasten Horden von Halbstarken aus, wenn ein alter Mann irgendein Problem hat?
Für diese “Erklärung” verdient Wolff eine Medaille für kreatives Nichtssagen, aber die zuvor erzeugten Bilder von beleidigten Muslimen, gedemütigten Palästinenser-Opas und rassistischen Cops haben in den Hirnen der dumpflinken Ideologen bereits das passende Szenario konstruiert.
Wolff versteht die “Jugendlichen” sehr gut. In ihren verkommenen Stadtteilen grassiert die Kriminalität - was fällt der Polizei ein, dagegen etwas zu unternehmen? Solange der Herr Wolff nicht in diesen Gegenden leben muss, ist es ihm natürlich scheissegal, wie leicht man dort zum Opfer eines Messerstechers werden kann - als Salonsozialist pflegt er wahrscheinlich einen gehobenen Lebensstil ohne derartige Probleme, weiß aber ganz genau darüber Bescheid, wie sehr sich die armen “Jugendlichen” durch “Willkür” und “mangelnden Respekt” “ständig erniedrigt, schikaniert und beleidigt” fühlen. Die Opfer der Messerstecher scheren ihn anscheinend relativ wenig bis gar nicht.
Wolff kann es nicht fassen, dass die Polizei nun durchgreifen will und es wagt, Täter tatsächlich vor Gericht zu stellen. Dazu fällt dem Autor nur ein:
“Offenbar hat die Regierung nicht begriffen, dass es nicht um Kriminalitätsbekämpfung geht, sondern um ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem und ein permanent rassistisches Klima in einem Land, wo Angehörige der “2.Ger”, der zweiten Generation, wie man Migrantenjugendliche in Dänemark nennt, oft pauschal als Terroristen oder Kriminelle dargestellt werden.”
Mal im ernst: Die Randalierer in Kopenhagen scheinen sich herzlich wenig um ihren Ruf zu kümmern, wenn sie per Ketten-SMS zur lustigen Bullenhatz aufrufen oder die Autos irgendwelcher Leute abfackeln, die möglicherweise gar keine Rassisten sind. Oder gibt es das in Dänemark gar nicht mehr?
Übrigens: Was ist eigentlich mit den anderen Migranten, also den nicht-muslimischen, los? Bekommen ungläubige Chinesen oder Afrikaner nichts von der rassistischen Grundhaltung der Dänen mit? Warum rasten immer nur die Muslime aus? Warum fordern immer genau diejenigen so penetrant “Respekt” ein, die Krieg spielen wollen, Menschen in Gefahr bringen und sich anschließend nicht mal peinlich vorkommen, wenn sie als arme Opfer der Rassisten-Polizei auftreten? Solange es große Geister wie Reinhard Wolff gibt, haben sie eine Aufgabe.
5 Kommentare
Und so etwas wie Rassismus bei der Polizei gibt es also nicht, ist reine halluzinatorische Imagination? Ich habe einen arabischen Freund in Würzburg, und der kann zumindest aus Bayern einiges berichten. Zu Dänemark kann ich nichts sagen. Du aber auch nicht!
Ich habe einen türkischen Freund - und der kann aus NRW so einiges über Schlechtbehandlung berichten.
Allerdings hat der als Kleinkrimineller, Betrüger und Dieb seit früher Kindheit auch einen in die hunderttausende gehenden Schaden in D angerichtet.
9/11 habe ihm schwer geschadet.
So weit ich weiß, ist das Begehen von Sachbeschädigung und Körperverletzung durchaus ein krimineller Akt. Wie kommt Herr Wolf auf die Idee, dass es nicht um Kriminalitätsbekämpfung geht? Das hätte er doch bitte näher erläutern müssen, vor allem, was seiner Ansicht nach denn “wirkliche” Kriminalität ist.
o wei - hier scheiden sich die Geister.
Habe den taz-Artikel nicht gelesen; aber ich denke, dass es auf beiden Seiten Verfehlungen geben mag.
Doch keine Verfehlungen der Polizei oder “des Systems” rechtfertigen ein derartiges Verhalten mündiger Bürger.
Nun handelt es sich um Jugendliche, nicht volljährige, die zum größtenteils noch einige Jahre von der Mündigkeit entfernt sind. Das ist keine Entschuldigung für deren blindwütiges Verhalten, aber eine Erklärung.
Handlungsideen? Habe ich keine. Letztendlich bleibt nur ein hartes Durchgreifen von Seiten des Staates - aber auch eine Einsicht, was man selber falsch gemacht hat.
@ddh
Dass es rassisitische Polizisten gibt wird doch hier gar nicht bestritten. Auch nicht, dass es hier u.U. auch eine Rolle spielen könnte.
Bescheuert ist nur der häufige Versuch, immer alle Problemursachen woanders zu suchen als bei Tätern, wenn sie denn Migranten sind.
Eine verbreitetere Form von Rassismus scheint deshalb eher die umgekehrte, “gutmenschliche” zu sein, nach der manchmal so getan wird, als ob jede problematische Handlung eines Migranten immer nur eine Reaktion auf sein Umfeld sein könne, Migranten quasi von Natur aus gut seien und in Harmonie mit ihrer Umgebung leben würden, wenn man sie nur ließe. Als ob sie gar nicht in der Lage wären eigenständig (auch problematische) Entscheidungen zu treffen … die “edlen Wilden”.
So zugespitzt würde dem wahrscheinlich auch der Onkel von der Taz widersprechen. Aber wo reflexhaft immer der Versuch unternommen wird, Migranten von jeder Kritik frei zu sprechen, egal wie sie sich verhalten, und jegliche Ursachen für Probleme nur bei “uns” gesucht werden liegt der Verdacht eines solchen positiven Rassismus’ nahe.