So ähnlich klingt der Begriff in meinen Ohren, den SPON und Manager-Magazin Autor Andreas Nölting prägt: Den Superkapitalismus der gnadenlosen Globalisierer, die selbst bei Deutschlands ersten Adressen Siemens, BMW und Henkel zu Massenentlassungen führe. Richtig liegt der Mann, wenn er den Populismus deutscher Politiker geißelt, die von Glos bis Wend wieder das Wort skrupelhafter Manager in den Mund nehmen und gleich noch die Änderung des Aktienrechts und ähnliche Petitessen fordern. Aber das war´s dann auch schon
Bei Siemens liegt die Sache ganz einfach. Der betroffene Unternehmensbereich hat es verschlampt, die antiquierten Telefonanlagen auf das Internet-Protocol umzustellen. Jetzt will sie keiner mehr haben und Siemens möchte den betroffenen Bereich am liebsten verkaufen. Doch für einen Unternehmensteil mit veralteten Produkten und zahlreichen Beschäftigten findet man keine Käufer.
Beispiel BMW: Die Siebener Reihe steht kurz vor der Ablösung, der Fünfer ist in zwei Jahren dran, Einser und Dreier sehen sich verschärfter neuer Konkurrenz gegenüber und müssen noch ein paar Jahre halten. Die Gewinnmargen im wichtigsten Auslandsmarkt, den USA marginalisieren sich gerade wegen Subprime-Krise und Dollar-Preisverfall. Und die Umsatzrendite wirft kaum mehr ab, als wenn Quandts ihre Milliarden bei der örtlichen Sparkasse auf einem Festgeldkonto parken würden. DIe steigende Produktivität lässt dem Unternehmen nur die Wahl, mit den bisherigen Mitarbeitern einen höheren Output zu erzeugen oder mit weniger Personal nur wenig mehr Autos. Deshalb hat man rund 5.000 Leiharbeiter in den Reihen, die die bisherigen Spitzen abgedeckt haben und den Löwenanteil der rund 8.100 Mitarbeiter stellen, die das Unternehmen vorübergehend verlassen, bis man wieder über einen vernünftigen Dollarkurs und eine runderneuerte Produktpalette verfügt.
Auch die Henkel-Belegschaft trifft die Produktivitätskeule. Weil die Gewerkschaften immer Lohnerhöhungen in Höhe des Produktivitätszuwachses eingefordert haben, mußte das Unternehmen in der Folge durch verschärften Kapitaleinsatz soweit rationalisieren, dass die Stückkosten stabil bleiben. Mit der selben Anzahl von Mitarbeitern konnte man also einen deutlich höheren Output generieren. Das war solange lohnend, wie dadurch auch zusätzlicher Gewinn zu erwarten war und die zusätzlich hergestellten Mengen auch ohne Preisabschlag absetzbar waren.
Wie BMW ist Henkel aber in einem gesättigten Markt tätig, in denen sich die Stückzahlen nicht ohne Ende steigern lassen. Im Verdrängungswettbewerb kann man nur mit Rabatten (Automobil) oder niedrigeren Preisen (Waschmittel) bestehen. Also stellt man nicht mit dem bestehenden Personal mehr her, sondern mit weniger Menschen die gleiche Menge wie vorher. Und bleibt dabei profitabel.
So einfach ist das. Diejenigen, die in Zukunft nicht mehr für ihre Arbeitgeber tätig sein können, erhalten im Zweifel eine ordentliche Abfindung und können auf dem Arbeitsmarkt auch eine neue Position etwa bei einem der wachsenden mittelständischen Unternehmen finden.
An das Geplärre der Populisten habe ich mich ja schon gewöhnt. Aber das Leute wie Nolting wegen einem gewöhnlichen betriebswirtschaftlich motivierten Vorgang gleich die Systemkrise ausrufen, ist bedenklich. So jemand müsste beruhigen und erläutern, dass das nunmal nichts aussergewöhnliches ist, dass kein Unternehmen unendlich wächst und dass eine Umsatzrendite von 10 -12 % wirklich nur das unternehmerische Risiko abbildet und als Motivation für den Kapitalgeber herhalten muß, sein Geld nicht auf die Sparkasse zu tragen. Selbst wenn der Quandt heißt.



2 Kommentare
In der Tat ein neuer Tiefpunkt aus dem SPIEGEL-Wirtschaftsteam, ich hab den Artikel vorsichtshalber nicht gelesen, die Überschrift mit dem K-Wort gefiel mir nicht, bekanntlich kennt die Wirtschaftslehre den “Kapitalismus” nicht, denn dieser ist die linke Sicht auf die Marktwirtschaft.
Die Absatz-Überschrift, die mich dann sogar vom Querlesen abhielt:
“Zerstört der Super-Kapitalismus die Demokratie?”
Mir fiel da mein alter Kalauer ein:
“Kapitalismus ist das Kampfwort der Verlierer.”
(Lustigerweise hat Sloterdijk (unabhängig von mir ;) mal etwas ganz ähnliches gesagt.)
Aus liberaler Sicht gibt es natürlich agr keinen “Arbeitsplatzabbau”.
Nett auch der Gedanke, dass die Zeterer von heute die ersten wären, die bei den Folgen einer zu späten Einstellung auf den scharfen Wettbewerb über die “Nieten in Nadelstreifen” herzögen.