Surrend! Or we bore you to death!

Jan Egesborg nimmt sich ganz schön wichtig. Der Kopf hinter der Künstlergruppe Surrend hat dazu einerseits guten Grund – immerhin gelang es ihm, einem offiziellen Organ der iranischen Mullahkratie eine fingierte Anzeige unterschieben, in der Ahmadinejad codiert als Swine bezeichnet wird. Auch bei der Wahl seiner weiteren Opfer kann man Egesborg nicht gerade vorwerfen, sich an den Falschen zu vergehen: Udo Voigt (NPD), Lukaschenko (Belarus), Putin (Russland), Mladic (Serbien), die Kaczinski-Zwillinge (Polen) uvm. wurden bei den Kunstaktionen von Surrend aufs Korn genommen. Da ich die aktuelle Ausstellung in Moabit mit einem kurzen Spaziergang erreichen kann, habe ich mir sie heute angesehen.

Bei der Ausstellung konnte man sich mehrere Beiträge öffentlich-rechtlicher Kulturmagazine über den Künstler ansehen. Dabei stach vor allem die unglaubliche Selbstgerechtigkeit ins Auge, mit der Egesborg seine Aktionen beschreibt, die in den meisten Fällen als Streiche von Frühpubertierenden Verständnis finden sollten. Aber die doppelbödige, hintergründige Kunst, als die sie dargestellt werden, sind diese Lausbubennummern sicher nicht. Im Repertoire von Surrend fehlt eigentlich nur noch das sie Hundekot in Zeitungspapier eingewickelt auf die Türschwelle von Gerhard Schröder legen, anzünden und an der Tür läuten, auf dass der Gazprom-Lakai das Feuerchen austrete und sich die Schuhe besudele. Es wäre die Krönung des sich-ganz-doll-subversiv-fühlens.

Wenn Surrend nicht gerade den ausgesuchten Unsympathen unter den Staatschefs ans Bein pinkelt, versucht man sich an Volksaufklärung. Und die ist so hölzern, wie Volksaufklärung eben sein muss. Man wir darüber aufgeklärt, warum es in Kreuzberg kein Neonazis gäbe. Erstens geht aus dem Plakat kein triftiger Grund hervor, warum dies der Fall sein sollte, zweitens lebt mindestens ein NPD-Kader in Kreuzberg.

Die Ausstellung ist insgesamt entäuschend. Die Freude an wirklich gelungenen Bildern wie der Neonazi Halluzination wird durch die unsäglich steife Zeigefingerpädagogik der restlichen Ausstellung leider mehr als aufgewogen. Für Antisemitismuskritiker hält die Ausstellung ausserdem noch ein paar Steilvorlagen bereit. See for yourself.

Die Ausstellung ZOG von Surrend ist noch bis zum 29. März in der Galerie Nord in Berlin-Moabit, Turmstr. 75, zu sehen

Mehr Fotos, Bildrechte bitte anfragen:

2 Trackbacks

  1. [...] Siehe dazu auch den verlinkten Beitrag der Freunde der Offenen Gesellschaft Dieser Eintrag wurde von Maria v. Boisse erstellt und geposted auf Donnerstag, 6. März 2008 at 9:23 nachmittags sowie gespeichert unter Polemik, Rezensionen. Speichern sie das permanente Lesezeichen. Verfolgen sie Kommentare durch den RSS feed für diesen Artikel. Hinterlasse einen Kommentar oder einen Trackback: Trackback-URL. « Wie verhindert man die Schaffung von 1.5 Millionen Arbeitsplätzchen im Jahr? [...]

  2. Von Kunst,Islam und Selbstzensur « Raumzeit am Do, 6. Mär 2008 um 23:30

    [...] vor solcher Verbalaggression einknicken,wie soll da noch Zivilcourage erwartet werden? references: Surrend! Or we bore you to death! Der dumme Stein ist wieder da surrend Moslems sind Objekte, keine [...]

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