Beck is back on Deck - Special guest: Obrist von Zitzewitz

Der Vormittag bei Phoenix war seit langem die härteste Dröhnung Parteienfernsehen, die man sich so antun konnte. Zuerst, als es noch nichts zu berichten gab, aufgeregte Live-Schalten aus den Parteizentralen mit hübschen Reporterinnen, die berichten, dass es nichts zu berichten gibt. Dann als Lückenbüsser erst die allmontägliche Wiederholung von Frau ChristiansenWill mit einer besonders bemerkenswerten Hannelore Kraft, die der NRW-MP Clement einst als seiteneinsteigende Hoffnungsträgerin in sein Kabinett holte und die sich trotz Berufserfahrung zur beinharten realitätsverleugnenden Funktionärin entwickelte. Als nächstes ein unerbittlicher Guido Westerwelle, der auf seiner allmontäglichen Pressekonferenz erklärte, dass man in Zukunft für alle Optionen offen sei und so die Sozialdemokratisierung der FDP in Erwägung zog, um endlich mal wieder ein paar Bundesminister zu stellen. Nur wen soll sie da schicken? Und Ampeln, bei denen die größte Lampe Rot leuchtet, fördern gewiss nicht die Fortbewegung. Dann noch der Grandseigneur des Kommunismus, der Feingeist und ehemalige Leiter der Filmhochschule Konrad Wolf, Lothar Bisky, der dem Klassenkampf immernoch einen Hauch von künstlerischem Ernst verleiht. Was er gesagt hat, ist auch nicht wirklich zu berichten. Zwischendurch der leutselig gebeutelte Roland Koch, der richtigerweise feststellt, dass keiner sein Wahlziel erreicht hat und er deshalb auch keinen Anlaß sieht, im Falle einer Jamaika-Koalition nicht als Ministerpräsident zur Verfügung zu stehen.

Und dann, fast pünktlich um 13.30 betrat er die Höhle des Löwen. Schließlich hat die Meute in der Bundespressekonferenz Hausrecht. Und Kater Kurt erklärt, nun dass er wieder an Deck sei, würden die Mäuse aufhören, auf den Tischen zu tanzen. Der Mann läßt das Mausen nicht, auch wenn sein Vortrag über weite Strecken die Tonality und den Realititätsbezug des Genossen Generalsekretärs auf dem X.Parteitag hat. Es bleibt sein seltsames Geheimnis, warum man auf kommunaler und Landesebene mit der SED/PDS/Linken gemeinsame Sache machen kann, auf Bundesebene aber nicht. Zwar wird im Bundesrat zwar nicht über das Afghanistan-Mandat abgestimmt, aber schon über Müntes Rente mit 67. Den Eindruck, dass an Bord des vorindustriellen Raddampfers SPD die blanke Panik aufgekommen ist, wird nicht widerlegt.

In der bildreichen Diskussion mit unendlich vielen Fragen wurde auch das Bild des Galopps bemüht, mit der die Diskussion um die Linkspartei sich von Beck unbeabsichtigt beschleunigt, sagt er. Auf die Frage, ob er sich fest im Sattel fühle, behauptet er um 14.08 “Es ist nicht nur wichtig, dass man fest im Sattel sitzt, sondern auch, dass man das Pferd in die richtige Richtung lenkt” Führungsschwäche mag Kurt Beck nicht eingestehen, im Gegenteil: “Sie können davon ausgehen: Ich lenke.” Das erinnert mich fatal an einen Witz mit dem sagenumwobenen alten preußischen Regimentskommandeurs a.D. von Zitzewitz.

Der besteigt eines Abends sein Pferd um an einem Kameradschaftsabend im Offizierskasino teilzunehmen. Voll des guten Weines und zu angemessenem Zeitpunkt kurz nach Elf lässt er sich von einem Burschen sein Pferd bringen, um den Heimweg anzutreten. Nur mit der Hilfe des Burschen schafft er es nach einigen Anläufen auf den Gaul.

“Herr Oberst”, bemerkt der, “erlauben Sie mir eine Bemerkung. Sie sitzen falschrum auf dem Pferd”. Zitzewitz antwortet leicht lallend im schnarrenden preußischen Offiziersjargon:
“Junger Mann, eerstens geht Siie das gar nichts an. Und zweitens wissen Sie doch gar nicht, wohin ich reite.”

3 Kommentare

  1. Mo, 10. Mär 2008 geschrieben in 21:52 | Permalink

    Wenn man schon einen Fehler macht, darf man nicht den zweiten begehen und zugeben, dass man einen Fehler gemacht hat, sondern einfach feststellen, dass man nie Fehler macht und auch nie einen Fehler machen kann.
    Das Schlimme daran ist, dass Beck das nicht nur selbst glaubt, sondern auch noch Parteimitglieder findet, die das auch noch glauben. Zumindest solange, bis die Partei unter die 5% Klausel gerutsch ist.

  2. Di, 11. Mär 2008 geschrieben in 19:41 | Permalink

    Ja ja. So ein Tag auf Phoenix kann eine echte Tortur sein. Aber immer noch besser als Unterschichtenfernsehen bei den Privaten!

  3. Di, 11. Mär 2008 geschrieben in 21:48 | Permalink

    “Als nächstes ein unerbittlicher Guido Westerwelle, der auf seiner allmontäglichen Pressekonferenz erklärte, dass man in Zukunft für alle Optionen offen sei und so die Sozialdemokratisierung der FDP in Erwägung zog, um endlich mal wieder ein paar Bundesminister zu stellen.”

    Was bin ich froh, dem Saftladen blaugelb lackierter Sozen seit Jahr und Tag nicht mehr anzugehören! Aber die Handvoll aufrechter Liberaler, die da noch drin sind, tun mir aufrichtig leid.

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