Sein Andenken sei uns zum Segen: Liran Banai

Liran Banai ist der Soldat, dem bei der Explosion in Kissufim beide Beine weggesprengt worden waren und der gestern seinen Verwundungen erlegen ist.

Gestern wurde Liran beerdigt und in den Abendnachrichten sahen wir Bilder vom Begraebnis und ein Interview mit dem Vater. Beide Eltern von Liran sind taubstumm. Er ist das erste von drei Kindern, die alle hoeren und sprechen koennen. Als Aeltester hat er seinen Eltern im Alltag beigestanden. Aufgrund dieser Familiensituation haette Liran gar nicht zur Armee gehen muessen und ganz bestimmt nicht zu einer Kampfeinheit. Er hat seine Eltern selber um ihre Einwilligung dazu gebeten.

Als ich von meiner Grossen entbunden wurde, teilte ich das Zimmer im Krankenhaus eine Zeitlang mit einer taubstummen Frau. Auch ihr Mann war taubstumm, das Baby aber konnte auf beiden Ohren ganz normal hoeren, wie in sehr ausfuehrlichen und gruendlichen Untersuchungen bestaetigt wurde. Der Mann brachte seiner Frau kleine Gloeckchen mit ins Spital und sie spielte das Glockenspiel stundenlang neben ihrem Baby. Ich konnte nicht mit ihr sprechen, war wohl auch etwas scheu und natuerlich vor allem mit meinem Baby beschaeftigt, das gerade eine Infektion ueberwinden musste. Aber ich erinnere mich, dass mich diese Szene damals zum Weinen gebracht hat. Selbst jetzt, nach so vielen Jahren, steigen mir beim Erinnern und Schreiben wieder die Traenen in die Augen.

Dieser Mut! Diese Kraft! Und dieser eiserne Wille, dass dem Baby nichts fehlen soll, auch wenn die Eltern gehoerlos sind! Es ist noch nicht so lange her, da konnten Behinderte kaum heiraten, geschweige denn Kinder in die Welt bringen. Ich erinnere mich auch an die Geschichten von dem blinden Bruder meiner Grossmutter. Mit einer sehenden Partnerin haette er wahrscheinlich ein ganz normales Leben fuehren koennen, aber als ich meine Mutter einmal danach fragte, ob eigentlich nie von einer Heirat die Rede war, war sie ganz erstaunt. Dieser Gedanke war anscheinend in der Generation meiner Grosseltern gar nicht und in der meiner Eltern kaum denkbar.

Die Eltern von Liran haben mit ihrer Behinderung eine starke, liebevoll eng verbundene Familie gegruendet. Ich hoffe fuer sie und fuer die beiden Geschwister, dass sie durch den Tod von Liran nur noch staerker und liebevoller werden. Moege uns allen das Angedenken an Liran zum Guten gereichen. Er kann uns anspornen, von uns selber mehr und Besseres zu verlangen.

Ein Kommentar

  1. Mo, 10. Mär 2008 geschrieben in 11:09 | Permalink

    So was zu lesen, zerreißt einem das Herz. Das Leben ist mitunter eh schon verdammt ungerecht, aber muß es dann der Tod auch sein? Als ob die Eltern es nicht schon schwer genug gehabt hätten.

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