Erst jetzt gesehen, daher erst jetzt der Verweis auf die Kritik von Jörg Lau zu diesem großartigen Film, der ich mich mehr oder (ein wenig) minder anschließen kann.
[Der Film stellt die immer gleiche Frage] In dieser Welt kann sich niemand davor drücken, zu beantworten, wann Nichteinmischung zum Verbrechen wird und wann Einmischung zur Dummheit, wann ein Rückzug politisch geboten und wann er moralisch verwerflich ist.
Der Krieg des Charlie Wilson handelt vom Krieg in Afghanistan und von seinem klammheimlichen Unterstützern in Washington und Langley, wo der CIA sein Hauptquartier hat. Er spielt in der Welt der Unterausschüsse für geheime Operationen, auf CIA-Weihnachtspartys, in den Palästen Islamabads und bei Banketten politischer Lobbyisten in Kairo. Israelische Waffenhändler, pakistanische Militärberater und Las-Vegas-Stripperinnen begegnen sich in dieser unwahrscheinlichen Räuberpistole, die auf nichts als nackten Tatsachen beruht.
Ein sympathischer Hallodri und Hurensohn steht im Mittelpunkt, der texanische Kongressabgeordnete Charlie Wilson, von Tom Hanks mit jungenhafter Begeisterung gegeben. Er ist dem guten Leben samt Whiskey, Koks und Frauen herzlich zugetan. Wilsons Bruder im Geiste ist der frustrierte CIA-Mann Gust Avrakotos, den Philip Seymour Hoffman als bärbeißigen Choleriker anlegt, der mit wippendem Bauch und Walrossschnurrbart jede Szene an sich reißt. Julia Roberts zeigt als Südstaatenmatrone Joanne Herring mit blonder Barbara-Stanwyck-Perücke, dass sie eigentlich eine große Komödiantin ist, wenn man sie nur lässt. Als bekennende Christin lässt die attraktive Kommunistenfresserin es sich nicht nehmen, eine feurige Affäre mit Kongressmann Wilson zu pflegen. Make love, then war könnte ihre Losung sein.
Diese drei Personen, in denen sich Lebenslust, Sendungsbewusstsein und laxe Sitten auf vitale und politisch folgenreiche Weise mischen, werden die Weltgeschichte verändern. Wenn ihr Ränkespiel vollendet ist, wird das Budget der US-Regierung für geheime Operationen in Afghanistan von 5 Millionen Dollar auf eine Milliarde gestiegen sein. Tausende Flugabwehrraketen werden auf geheimen Wegen an den Hindukusch gelangt sein. Die allmächtige Sowjetarmee sieht sich schließlich gedemütigt durch eine Horde frommer Bauern mit seltsamen Wollmützen, die zwar keine Panzer und Düsenjäger haben, aber einen unbeugsamen Glauben – und natürlich besitzen sie die neuesten Stinger- und Milan-Raketen, mit einem schönen Gruß von Charlie Wilson und dem Kongressunterausschuss für geheime Operationen.
Wir sehen den Triumph der drei Verschwörer, als die Russen 1988 gedemütigt aus Afghanistan abziehen. Doch der Jubel der Kalten Krieger klingt hohl, weil wir schon wissen, dass die asymmetrische Form der Kriegsführung, die die Mudschahedin gegen die Russen entwickelt haben, sich heute gegen den Westen richtet, vor allem in Afghanistan und im Irak.
Zum Thema empfehle ich das äußerst aufschlussreiche und ungemein spannende Buch “Die Bärenfalle - Der Kampf der Mudschahedin gegen die Rote Armee” von Mohammed Yousaf und Mark Adkin.




6 Kommentare
Fand den Film grundsätzlich auch gut. Genervt haben mich die zum Teil sehr abgestandenen “lockeren” Sprüche im James Bond Stil (wenn Wilson flirtete), peinlich war die Darstellung der Büro-Mitarbeiterinnen und wie immer toll: Mister Seymour Hoffman.
Nein, Gideon, sorry, die Büromäuse waren super! “Und das sind seine Mitarbeiterinnen?” “Mr. Wilson sagt, man kann einem Mädchen Maschineschreiben beibringen aber man kann ihr nicht beibringen, sich Brüste wachsen zu lassen.”
im 1.Satz “Verweis” nicht mit scharfem ß, autsch
Ups, danke.
Zu den bondartigen Sprüchen sage ich nichts, sondern verweise nur auf Dein Stöckchen, Gideon.
Und die Büromäuse fand ich auch grandios.
Ich fand den Fim auch großartig. Und Büromäuse sind ja auch immer toll. Filme wie dieser und “Lord of War” sind eine tolle Abwechslung von den “normalen” Hollywood-Politfilmen wie Syriana. Der war einfach nur grausam…
Wann wird Jürgen Todenhöfer verfilmt?