Michael Totten hat einen Beitrag ueber den Stimmungsumschwund der irakischen Bevoelkerung veroeffentlicht. Wenn man ein bisschen darueber nachdenkt, leuchtet ein, dass die Stimmung normalerweise der Entwicklung hinterherhinken muss.
Lustig, die deutsche Berichterstattung dazu: Gemischte Bilanz fünf Jahre nach dem Irakkrieg
Im Irak beurteilt erstmals seit zwei Jahren eine knappe Mehrheit der Bevölkerung die persönliche Lage wieder positiv, so eine Studie. Der Verdienst der Amerikaner ist das aber nicht.
Auch hier hinkt die Stimmung der Entwicklung hinterher. Dass gute Neuigkeiten nur sehr widerstrebend ueberhaupt berichtet und wenn dann moeglichst heruntergespielt werden, laesst sich in diesem Text gut beobachten.
Nur Anti-Amerikanismus (entweder in der Redaktion oder von ihr bei der Leserschaft vermutet) kann erklaeren, warum das Saetzchen “Der Verdienst der Amerikaner ist das aber nicht” unbedingt im Untertitel stehen muss. Es koennte am Ende noch jemand auf die Idee kommen, dass der Irakkrieg gerechtfertigt war! Oh Schreck, schon 49% der irakischen Bevoelkerung sind dieser Meinung! Nicht dass die Deutschen sich davon anstecken lassen!
Auch das Gleichsetzen von Auswanderungsgedanken mit Flucht im ersten Absatz ist ein demogogischer Trick.
Fünf Jahre nach dem Einmarsch der US-Truppen wollen trotz der verbesserten Sicherheitslage immer noch vier Millionen Iraker ihr Land verlassen. Das geht aus einer am Montag (17.3.2008) veröffentlichten Umfrage hervor, die von der ARD zusammen mit den Sendern ABC, BBC und NHK im Vorfeld des fünften Jahrestages des US-Einmarsches im Irak in Auftrag gegeben wurde. Danach haben 18 Prozent der Iraker sogar schon konkrete Auswanderungspläne. Mehr als zwei Millionen Iraker sind seit Kriegsbeginn bereits geflohen. Die meisten von ihnen leben heute in den Nachbarländern Jordanien und Syrien.
Ich bin ziemlich sicher, dass die Auswanderlustigen im Irak nicht an Jordanien und Syrien denken, sondern aehnliche Ziele ins Auge fassen wie auswanderlustige Deutsche. Die gibt es naemlich auch und nicht zu knapp:
Deutschland ist ein Auswandererland
Essen (ots) - Mehr als drei Viertel der erwerbstätigen Deutschen können sich vorstellen im Ausland zu arbeiten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Literaturmagazins BÜCHER. Im Auftrag von BÜCHER befragte das forsa-Institut 1.001 Bundesbürger über 18 Jahre. Dabei gaben 76 Prozent an, dass sie sich vorstellten könnten in einem anderen Land als Deutschland zu arbeiten. Ganz oben auf der Liste der möglichen Arbeitsländer steht die Schweiz (15 Prozent), gefolgt von Spanien und den USA (jeweils 12 Prozent).
Mit der Deutschen Welle schliessen wir aus der Tatsache, dass 76% der Deutschen sich Auswanderung vorstellen koennen, messerscharf, dass die Sicherheitslage in Deutschland allen anderslautenden Berichten zum Trotz nicht so toll sein kann!
P.S. Es sieht so aus, als ob die Befragung selber schon in einer Weise durchgefuehrt wurde, die geeignet ist, die Ergegnisse negativer darzustellen. Da sunnitische Araber unter Saddam Hussein die herrschende Minderheit waren, stehen sie dem Sturz des Baathregimes durch die Amerikaner natuerlich am negativsten gegenueber. Wenn nun 30% der Befragten sunnitische Araber sind, obwohl sie nur 15-18% der Bevoelkerung im Irak darstellen, dann liegt kein repraestentatives Sample vor.



Ein Kommentar
Wenn man die objektiven und subjektiven Gegebenheiten im Irak betrachtet 5 Jahre nach Kriegsbeginn, ist das immer noch ein deutlicher Fortschritt, verglichen mit der Situation in Europa am 1. September 1944. Und in Deutschland hatte es 40 Jahre gedauert, bis ein Staatsoberhaupt offen und öffentlich eingestanden hat, dass die alliierte Invasion eine Befreiung gewesen ist. Niemand wird erwarten können, dass der Irak nach 5 Jahren weiter ist als Deutschland nach 40 Jahren.