Rat heißt auf russisch Sowjet. Das sollten sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mal zu Gute halten, die allerlei Räte unterhalten, bevor wir unterhalten werden. Fernseh- und Radioräte, in denen wie zu besten UdSSR-Zeiten sich die gesellschaftlich relevanten Gruppen von den Landfrauen bis zum Zentralrat der Juden, den Kirchen, Gewerkschaften und politischen Parteien die Klinke in die Hand geben, Posten besetzten und Karrieren befördern. Oder auch nicht. In solch einem Gremium wurde wohl auch entschieden, dass der harte Frank Plasberg zu fair für den Sonntag Abend sei und man deshalb lieber die moderate Anne Will als Nachfolgerin der nationalen Stewardess Sabine Christiansen installieren lässt, die derweil auch in ihren ARD-Sendungen lieber Mercedes fährt. Anders als wir braucht sie den aber nicht zu bezahlen. Sondern wird dafür bezahlt. Nicht so gut wie das ZDF, das für 8 Mio. € die aktuellen Audis durch Gottschalks Großhallen-Zoten-Party fahren lässt.
Während der Bürger keinen Einfluß auf seine Zwangsabgaben hat, die der Staat an das Eigentum von allerlei elektronischem Gerät knüpft, soll der Fernsehsowjet ja staatsfern die Grundversorgung mit elektronischem Medienangebot garantieren. Wie immer.
Nun erfahren wir von einem weiteren Gremium, dessen Existenz mir zumindenst vollkommen unbekannt war: Des Programmbeirates. Der ist so geheim, dass der Vorsitzende es als eine ungeheure Indiskretion begreift, dass den Medien eine von ihm erstellte Analyse der Sendung von Anne Will zugespielt worden sei.
Da ist das Fernsehen nur noch rechtlich und nicht mehr öffentlich? Und die Bürger dürfen nichts über das Innenleben des von ihnen finanzierten Molochs wissen. Oder wie?
Dabei ist das Papier alles andere als sensationell: Das Betroffenensofa steht zu weit links (was auch passt), die Studiodekoration sei zu unruhig und ansonsten sei ein Innovationsschub nicht festzustellen. Plasberg hätte da hin gehört. Richtig.
Aber das war den Parteifernsehmachern dann doch zu gefährlich. Die unbedarfte Frau Will wird den Verkündern der Neusten Losung der Spin-Doktoren nicht gefährlich. In Wills Studio ist das einzige, was unruhig ist, eben die Studio-Deko. Wenn die auch noch langweilig wird, schlafen wir gleich nach dem Tatort ein.
9 Kommentare
Die SU hat spätestens seit Stalin das Rätesystem nur noch der Form halber gefahren.
Das Rätesystem ist natürlich - wie so vieles andere - gut gemeint, das Problem ist halt immer die Zusammensetzung. Eigentlich müssten in den Rundfunkräten auch die Islamvertreter berücksichtigt werden, aber davor drückt man sich noch. Warum eigentlich?
Und Frau Will soll noch schlechter sein als Christiansen & Co, wenn den Nachrichten zu trauen ist.
BTW - die staatlichen deutschen Sender sind in vielen Ländern schon seit Jahrzehnten kostenfrei zu empfangen.
Wer weiss schon, wann in der UdSSR die Zeiten am besten waren.
Ich halte die Konstruktion für verfassungswidrig und illegitim. Denn die Fernsehzuschauer oder Rundfunkhörer haben keine Möglichkeit, auf Programm oder Personal etwa durch Wahlen Einfluß zu nehmen, weil die “gesellschaftlich relevanten Gruppen” ihr eigenes Süppchen kochen. Das sind ohnehin die politischen Parteien. Die Landfrauen sind nur Beiwerk.
Und die Islamvertreter vertreten leider nicht die Muslime in Deutschland, sondern allenfalls deren Minderheit.
Theoretisch sind Kirchenvertreter und Gewerkschafter auch gewählt, irgendwie zumindest. Ich will mir jetzt weiter keine Gedanken machen, wer noch mit berät, vielleicht Antirechts-Gruppen oder Öko-Bewegte? Schwulen- und Minderheitenvertreter aller Art?
Der Deutsche kriegt das Staatsprogramm (und das pseudofreiwillige Gebührensystem), das er verdient hat.
Wenn man weder Landfrau noch Gewerkschafter ist, kann man auch keinen
wählen.
Parole: “Alle Macht den Räten!” ;-)
Aber wer am Samstag Gottschalk beim Altern zuschaut, ist selber schuld. Dann lieber den “Migrantenstadl” auf RTL gucken…
Bin ich hier der einzige, der gerne auf öffentlich-rechtliche Zwangsfinanzierung für Vollprogramme mit Werbesendungen verzichten würde?
nein
Natürlich nicht!
Ich frage nur, weil hier alles so resignativ klang. Aber dann ist ja gut!