Literaturhinweis: Jürgen Todenhöfers Forum für Mörderbanden (außerdem ist “Antizionismus nicht gleichbedeutend mit Judenhass und Antisemitismus”)

Als ich mir gestern Nacht “No Country For Old Men” ansehen wollte (sehr guter Film übrigens!), bin ich mit einer halbstündigen Verspätung ins Kino gegangen, um mir die Werbung zu ersparen. Ich war aber leider nicht spät genug dran, so dass ich der Präsentation von Jürgen Todenhöfers neuestem Werk “Warum tötest du, Zaid?” ausgesetzt war. In diesem Buch plaudert Todenhöfer u.a. mit einem 22jährigen Iraker, der sich “einer Widerstandsgruppe angeschlossen und US-Soldaten getötet” hat. Bei solchen Publizisten wie Todenhöfer ist es für mich nochmal um einiges unverständlicher, dass Sterbehilfe in den meisten Ländern illegal ist, aber geistige (und charakterliche) Sterbehilfe durch Verlage (in diesem Fall durch Random House) scheint für niemanden ein Problem zu sein.

Ich habe mir mittlerweile ein Leihexemplar in der Uni-Bibliothek durchgelesen und die sehr aufwendig gemachte Webseite zu dieser Veröffentlichung (mit “Hintergrundinfos” und Links u.a. zu Wikipedia) angeguckt - schon seine kurzen Ausschnitte schwanken alle zwischen romantischen Abenteuererzählungen, pathetischen Heldenepen und besinnlichen Plaudereien. Für mich steht fest (erst recht seit dem Besuch der Webseite), dass ich das Buch auf keinen Fall kaufen werde. Hier einige Auszüge:

“Jürgen Todenhöfers Buch ist der Versuch, die andere Seite der Medaille zu beleuchten. [...] “Warum tötest du, Zaid?” gibt jenen eine Stimme, zu denen die Presseoffiziere des Pentagon ihre Besucherdelegationen niemals hinführen – den Mitgliedern des irakischen Widerstands. Es versucht zu erklären, warum dieser Widerstand nicht nur gegen die amerikanische Besatzung [...] kämpft. Und es will deutlich machen, wo die fundamentalen Unterschiede zwischen Widerstandskämpfern und Terroristen liegen.”

“Der Autor versucht, diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die wirklich für Recht und Freiheit kämpfen. [...] Und das waren und sind im Algerien der sechziger Jahre, im Afghanistan der achtziger Jahre und im Irak des Jahres 2008 nicht die Besatzungstruppen, sondern der Widerstand.”

“Zaid hat sein ganzes Leben nur Krieg und Not kennen gelernt. Seine beiden Brüder wurden von amerikanischen GI’s erschossen. Er hat sich daraufhin einer Widerstandsgruppe angeschlossen und US-Soldaten getötet. In bewegenden Worten erzählen Zaid und seine Mitstreiter ihre Geschichte, sprechen über ihre Motive und politischen Ziele. Dabei wird deutlich, dass der irakische Widerstand auch gegen die – überwiegend ausländischen – Terroristen von Al-Qaida kämpft und eine scharfe Trennlinie zieht zwischen legitimem Widerstandskampf und verabscheuungswürdigem Terrorismus à la Al-Qaida.”

Von zentraler Bedeutung sind für Todenhöfer offensichtlich seine “Zehn Thesen” im Nachwort, in denen er das zusammenfasst, “was er bei seiner Lektüre und bei seinen Reisen gelernt hat”. “Es sind keine wissenschaftlichen Thesen, sondern seine ganz persönliche Sicht der Dinge. Er hat versucht, die Ereignisse der letzten zweihundert Jahre im Mittleren Osten nicht nur aus der Perspektive eines Westlers, sondern einmal auch aus dem Blickwinkel eines Muslims zu sehen”:

  1. Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Millionen arabische Zivilisten wurden seit Beginn der Kolonialisierung getötet.
    Eine detaillierte Gegenüberstellung von Opferzahlen findet man hier nicht. Auch eine Bewertung seiner eigenen These kann Todenhöfer nicht bieten. Stattdessen stellt er klar “Nicht ein einziges Mal in den letzten zweihundert Jahren hat ein muslimisches Land den Westen angegriffen.” Und “der Westen war und ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Nicht die Gewalttätigkeit der Muslime, sondern die Gewalttätigkeit einiger westlicher Länder ist das Problem unserer Zeit.”
  2. Angesichts der Kriegspolitik des Westens ist es nicht wirklich erstaunlich, dass muslimische Extremisten immer mehr Zulauf bekommen.
    Wie soll die muslimische Welt an unsere Werte Menschenwürde, Rechtsstaat und Demokratie glauben, wenn sie von uns nur Unterdrückung, Erniedrigung und Ausbeutung erlebt? Ist es wirklich erstaunlich, dass Extremisten immer mehr Zulauf bekommen? Dass einige Menschen irgendwann zurückschlagen, wenn ihre Familien wieder und wieder von unseren Vernichtungsmaschinen niedergewalzt werden? Niemand kommt als Terrorist auf die Welt.“”Ohne Probleme kann man nicht nur im säkularen Syrien, sondern auch im theokratischen Iran religiöse Stätten besichtigen –Kirchen, Synagogen und Moscheen. Die meisten Muslime haben mehr Respekt vor Judentum und Christentum als wir selbst. Trotz Ablehnung der US-Außenpolitik bewundern sie den Westen in vielem. Sie würden auch Amerika gerne lieben, wenn es dieses Amerika, einst der Hoffnungsträger der Unterdrückten der Welt, ohne seine blutige Außenpolitik gäbe. Diese Herzlichkeit aber kann, wie im Irak, in rasende Wut umschlagen, wenn der Westen die Rechte der Muslime wieder einmal hohnlachend mit Füßen tritt.”"Die muslimische Welt ist ganz anders, als sie von westlichen TV-Medien dargestellt wird.”"Das mit rassistischem Ekel ausgesprochene „Bei uns würde so etwas nie passieren“ fällt in sich zusammen, wenn man daran erinnert, dass 1977 in New York schon ein Stromausfall und 2005 in New Orleans ein Hurrikan genügten, um massenhafte Plünderungen, Mord und Totschlag auszulösen.
  3. Islamisch getarnte Terroristen sind Mörder. Für christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskriege kann nichts anderes gelten.
    Sind nicht auch die Hintermänner völkerrechtswidriger Angriffskriege Terroristen und Mörder – auch ihrer eigenen Soldaten? Muss man, wenn man über die 5.000 von Al-Qaida ermordeten Westler spricht, nicht auch über die hunderttausenden irakischen Zivilisten sprechen, die durch George W. Bushs völkerrechtswidrigen Krieg getötet wurden? Gelten die rechtlichen Maßstäbe, die wir an Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic anlegen, nicht auch für westliche Regierungschefs? Warum wagen die westlichen Eliten nicht einmal die Frage zu stellen, ob George W. Bush und Tony Blair wegen ihres auf Lügen gebauten Irakkriegs nicht vor ein internationales Strafgericht gestellt werden müssten?”"Von diesem fast immer ausländischen Terrorismus gegen Zivilisten streng zu unterscheiden ist der legitime, multikonfessionelle irakische Widerstand gegen die ausländische Besatzung. Dieses Widerstandsrecht kann den Irakern niemand nehmen. Es ist ein zeitloses, unantastbares Recht aller Völker. Die große Mehrheit der irakischen Bevölkerung steht hinter diesem Widerstand, der Angriffe auf Zivilisten ausdrücklich ablehnt. Was würden wir tun, wenn feindliche Panzer auf unseren Straßen stünden? Sind nur befreundete Widerstandskämpfer „Freiheitskämpfer“, andere aber immer „Terroristen“?
  4. Muslime waren und sind mindestens so tolerant wie Juden und Christen. Sie haben die westliche Kultur entscheidend mitgeprägt.
    Es waren keine Muslime, die den Ersten und Zweiten Weltkrieg mit fast 70 Millionen Toten anzettelten. Und es waren keine Muslime, sondern wir Deutsche, die in einem industriemäßig organisierten Zivilisationsbruch sechs Millionen Juden – Mitbürger, Freunde und Nachbarn – schändlich ermordeten. Keine andere Kultur war in den vergangenen Jahrhunderten gewalttätiger und blutiger als die abendländische. Wann haben sogenannte „christliche“ Politiker dem Christentum, dieser wunderbaren Religion der Liebe, jemals Ehre gemacht?
  5. Nicht nur in der Bibel, auch im Koran sind die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten die zentralen Gebote.
    Terror ist nie religiös: Es gibt keinen „islamischen“ Terrorismus, so wie der Terrorismus der nordirischen IRA nie „christlich“ oder „katholisch“ war. Wer sich als Terrorist teuflischer Methoden bedient, kann sich nicht auf Gott berufen. Es gibt lediglich einen islamisch maskierten Terrorismus, und der führt, wie christlich oder demokratisch maskierte Angriffskriege, nicht ins Paradies, sondern in die Hölle. Die Behauptung, Gewalt sei vor allem ein religiöses Problem, ist eine atheistische Legende. Die Menschen mordeten, bevor es Religionen gab und danach. Die Massenmorde der Nationalsozialisten wie auch der sowjetischen und der chinesischen Kommunisten sind der traurige Beweis dafür, dass der Mensch das grausamste aller Geschöpfe ist – mit und ohne Religion.Die erschreckende Faszination des heutigen Selbstmordterrorismus beruht auf zwei Schamlosigkeiten: Auf der Schamlosigkeit einiger westlicher Politiker, die noch immer im 10 : 1-Rhythmus muslimisches Blut vergießen. Und auf der Schamlosigkeit, mit der die Hintermänner des Terrorismus den Koran verdrehen und jungen Muslimen vorgaukeln, sie müssten sich nur als Selbstmordattentäter in die Luft sprengen, um zu Märtyrern des Islam zu werden.”
  6. Die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leidet unter einer erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten.
    “In Teheran läuten die Glocken von 34 Kirchen, und christliche Kinder haben ihren eigenen Religionsunterricht. In Teheran existieren sieben Synagogen, rund 4000 jüdische Kinder besuchen jüdische Schulen. Es gibt sechs koschere Metzger, zwei koschere Restaurants und ein jüdisches Krankenhaus, dem kürzlich sogar Irans Zündler Mahmud Ahmadinedschad Geld spendete.Den 25 000 Juden steht verfassungsrechtlich ein Parlamentssitz zu, ähnlich wie den Christen. Selbst Ayatollah Khomeini verfasste 1979 kurz nach der Revolution eine „Fatwa“ zum Schutz der Juden.Allerdings ist dieser törichte Antizionismus nicht gleichbedeutend mit Judenhass und Antisemitismus. Auch orthodoxe Juden, wie etwa die chassidischen Satmar, lehnen einen israelischen Staat „vor Ankunft des Messias“ ab und nehmen damit eine „antizionistische“ Position ein.Wirklichen Antisemitismus und staatliche Judenverfolgung wie in Europa hat es im Iran und in anderen muslimischen Staaten nie gegeben. Während der Nazi-Zeit flohen viele europäische Juden über den Iran in die Freiheit. Die Juden im Iran sind angesehene Mitbürger. Der jüdische Direktor des jüdischen Krankenhauses von Teheran, Ciamak Morsathegh, brachte es auf eine für Europa peinliche Formel: „Antisemitismus ist kein islamisches, sondern ein europäisches Phänomen.“Die Straßen von Damaskus und Teheran sind viel sicherer als die Straßen von New York oder Detroit. Nach einer UN-Statistik kamen in den USA im Jahr 2006 auf 100 000 Einwohner 5,9 Morde. Im Iran lag diese Quote bei 2,93 und in Syrien bei 1,4. Die meisten muslimischen Staaten sind sicherer als die USA, ja sogar sicherer als die Schweiz, die 2,94 Morde pro 100 000 Einwohner zu verzeichnen hat.”
  7. Der Westen muss die islamische Welt genauso fair behandeln, wie er Israel behandelt. Muslime sind so viel wert wie Juden und Christen.
    Der Westen hat recht, wenn er von ihnen einen Gewaltverzicht gegenüber Israel verlangt. Aber muss er nicht auch von Israel einen Gewaltverzicht gegenüber den Palästinensern fordern? Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem wurden 2007 im israelisch-palästinensischen Konflikt 13 Israelis getötet. Ihnen standen jedoch 384 von israelischen Sicherheitskräften getötete Palästinenser gegenüber. Das jüdische Volk hat aufgrund seiner Geschichte und nach all dem, was es jahrtausendelang erdulden und erleiden musste, eine sichere Heimat in Palästina verdient. Aber genau aus diesem Grund haben wir auch eine historische Verantwortung gegenüber den Palästinensern. Sie tragen die Schuld ab, die Deutschland mit dem Holocaust für immer auf sich geladen hat. Hat der jüdische Politologe Alfred Grosser nicht recht, wenn er sagt: „Wer Hitler abschütteln will, muss (auch) die Palästinenser verteidigen“?Die eigentliche Lehre aus dem Holocaust heißt, dass wir nie wieder tatenlos zusehen dürfen, wenn Menschen unterdrückt, entrechtet und gedemütigt werden. Wir hätten uns für die Juden schon damals einsetzen müssen, als sie noch schwach waren, und nicht erst heute, da sie stark und einflussreich sind. Verspäteter Mut ist der opportunistische Bruder der Feigheit. Es ist schon ein bizarres Schauspiel, das manche westliche Politiker aufführen, wenn sie von Jahr zu Jahr entschlossener und mutiger gegen das Unrecht von gestern „kämpfen“, während sie zum Unrecht von heute schweigen. Man kann auch durch Schweigen schuldig werden.
  8. Die Muslime müssen sich wie ihr Prophet Mohammed für einen Islam des Fortschritts und der Toleranz einsetzen. Sie müssen dem Terrorismus die religiöse Maske vom Gesicht reißen.
    Die gemäßigte Mehrheit der Muslime muss die faszinierende Botschaft ihres Propheten Mohammed in die Neuzeit übersetzen und die gesellschaftlichen Reformen fortführen, die dieser unter Einsatz seines Lebens begonnen hatte. Sie muss den vorislamischen Ballast abwerfen, der die Renaissance der muslimischen Zivilisation behindert.Anders als viele muslimische Politiker unserer Tage war Mohammed kein Reaktionär. Er sehnte sich nicht wie diese 400 Jahre zurück. Er war ein kühner, nach vorne blickender, egalitärer Revolutionär, der den Mut hatte, die Fesseln der Tradition zu sprengen. Sein Islam war keine Religion des Stillstands oder des Rückschritts, sondern der Erneuerung und des Aufbruchs. Wenigstens etwas von der Dynamik dieses großen Reformators würde der teilweise in Fatalismus und Selbstmitleid versunkenen muslimischen Welt gut tun.Islam heißt Gottergebenheit und Frieden. Die muslimische Welt darf nicht zulassen, dass ihre große, stolze Religion mit ihrem Ethos der Humanität und Gerechtigkeit durch blindwütige Terroristen in den Schmutz gezogen wird. Niemand hat dem Ansehen des Islam in seiner fast tausendvierhundertjährigen Geschichte mehr Schaden zugefügt als der islamisch maskierte Terrorismus. Die muslimische Welt muss ihm die religiöse Maske vom Gesicht reißen.”
  9. Nichts fördert den Terrorismus mehr als die „Antiterrorkriege“ des Westens. Die muslimischen Länder müssen ihre Probleme mit dem radikalen Islamismus selber ausfechten.
    Wir müssen auch den westlichen Angriffskriegern die Maske vom Gesicht reißen. Angriffskriege sind nicht nur die unmoralischste, sondern auch die unintelligenteste Form, Terror zu bekämpfen.Der radikale Islamismus war zu Beginn des Jahres 2001 weltweit am Ende. Der Traum, die innenpolitischen Probleme des Iran, Afghanistans oder des Sudan durch radikale Islamisierung zu lösen, war zum Albtraum verkommen. Verbittert realisierten die Muslime, dass die rigorosen Mullahs aus ihren Ländern trostlose (Religions-)Polizeistaaten gemacht hatten. Im Blitzkrieg der USA hat das afghanische Volk die Taliban demonstrativ allein gelassen – in der Geschichte Afghanistans ein ungewöhnlicher Vorgang.Angesichts dieses offenkundigen Scheiterns des radikalen Islamismus war der Angriff von Al-Qaida auf New York und Washington nicht nur ein Racheakt, sondern auch der Versuch eines Befreiungsschlags: Er sollte durch diabolische Kühnheit und geniale mediale Inszenierung den radikalen Islamisten die Sympathien der Massen zurückgewinnen. Er sollte die USA zu einer Überreaktion provozieren, die dem radikalen Islamismus wieder Rückenwind geben würde. Diese Rechnung ist voll aufgegangen. Die unzähligen Bomben auf die Häupter talibanmüder afghanischer Zivilisten haben dem am Boden liegenden radikalen Islamismus wieder auf die Beine geholfen. Die Afghanen wollten zwar die von den Geheimdiensten der USA, Saudi-Arabiens und Pakistans geschaffenen Taliban und Al-Qaida gerne wieder loswerden. Aber dass dafür Tausende afghanischer Zivilisten zu Tode gebombt wurden, verstanden sie nicht.Die radikalen Kräfte im Westen und in der muslimischen Welt haben sich gegenseitig hochgeschaukelt. Letztlich sind Bin Laden und Ahmadinedschad die besten Stichwortgeber George W. Bushs und umgekehrt.Der Westen ist nicht legitimiert, überall auf der Welt militärisch gegen radikal-islamische Bewegungen vorzugehen – genauso wenig wie er legitimiert ist, weltweit links- oder rechtsradikale Organisationen militärisch zu bekämpfen.

    Westliche Kampftruppen (und deutsche Tornados) haben im Irak, in Afghanistan oder in Somalia nichts verloren. Die muslimischen Länder müssen ihre Probleme mit dem radikalen Islamismus selbst ausfechten. Auch dort, wo dieser in Terrorismus abgleitet, ist es vorrangig Aufgabe nationaler Kräfte, ihn zu bekämpfen.”

  10. Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht Kriegskunst – im Irankonflikt, im Irakkonflikt und im Palästinakonflikt.
    Die jahrelange, fast kindliche Weigerung des amerikanischen Präsidenten, mit missliebigen Politikern wie Arafat, Assad, Saddam oder Ahmadinedschad persönlich zu sprechen, und die Entscheidung, stattdessen Strategien zu entwickeln, wie man diese – nach Rücksprache mit Gott – aus dem Amt bomben könnte, zählen zu den absurdesten Fehlentscheidungen unserer Zeit.Die komplexen Probleme des Mittleren Ostens lassen sich nur politisch lösen – am besten durch eine KSZE-ähnliche Langfrist-Konferenz für die gesamte Region. An ihr müssen neben dem UN-Sicherheitsrat alle wichtigen Akteure der Region beteiligt werden – einschließlich Syriens und des Iran sowie einschließlich der demokratisch gewählten Repräsentanten Palästinas und der Führung des legitimen irakischen Widerstands.Wie man diese Politik angesichts der gigantischen militärischen Überlegenheit der USA mit der feigen „Beschwichtigungspolitik“ vor dem Zweiten Weltkrieg vergleichen kann, bleibt ein neokonservatives Geheimnis. Es ist keine „Appeasementpolitik“, wenn die jetzige US-Führung aufhört, immer neue Horrormärchen über muslimische Länder zu erfinden, wenn sie aufhört, sich den Weg zu den Rohstoffquellen freizubomben, wenn sie aufhört, die großen Ideale zu zerstören, für die viele Menschen Amerika einst so geliebt haben – und für die sie Amerika so gerne wieder lieben würden.”Die Hauptgefahr unserer Zeit besteht nicht im Appeasement. Sie besteht darin, dass abendländisch-patriotische Sofa-Strategen, die sich ihren klammheimlichen Rassismus von niemandem nehmen lassen wollen, die Welt in einen ähnlich törichten Automatismus von Gewalt und Gegengewalt hineinschlittern lassen wie jenen, der zum Ersten Weltkrieg führte.

Was will uns Todenhöfer damit sagen ???

13 Kommentare

  1. Sky
    Sa, 22. Mär 2008 geschrieben in 17:12 | Permalink

    Ich kann mir das alles nur so erklären, dass Todie entweder geistig stark abgebaut hat (bei Beibehaltung der sprachlichen Fähigkeiten) und/oder dass er vor der Konversion steht.
    Früher war der Mann durchaus ernst zu nehmen.

  2. Libertarian
    Sa, 22. Mär 2008 geschrieben in 17:16 | Permalink

    Todenhöfer ist der deutsche Ron Paul:

    http://politblog.net/nachrichten/2008/03/11/1991-jurgen-todenhofer-noninterventionist/

  3. Constantin
    Sa, 22. Mär 2008 geschrieben in 17:31 | Permalink

    Dass muss dann aber schon seeeehr lange her gewesen sein, dass man den ernst nehmen konnte. Schon 1980 hatte er gerne mal angeregt mit den Hezb-e Islami in Afghanistan geplaudert (was er ausführlichst in seinen Klassikern “Wer weint schon um Abdul und Tanaya” und “Ich denke Deutsch” nochmal ausgebreitet hat).

  4. Sky
    Sa, 22. Mär 2008 geschrieben in 17:43 | Permalink

    Moment, 1980 waren die Moslems und die Mudschahedin noch gut!
    Ich erinnere an die positive Darstellung in Filmen wie RAMBO oder 007.
    Noch im letzten Jahrzehnt hatte man mit (auch schon mal mordenden) Moslems auf dem Balkan ganz viel Empathie, vielleicht zu recht, aber vielleicht auch zu unrecht; die einseitige Positionierung gegen die Serben ist ex post zumindest überdenkenswert.

    Bei Todie haben wir übrigens vermutlich das Privatier-Problem der Politiker, Leute wie Blüm, Geisler, Clement und so kommen ja nur noch in die Medien wenn sie etwas anderes als richtig behaupten als das was sie früher gemacht haben. Die Öffentlichkeitsgeilheit treibt diese Leute dazu (manchmal auch finanz. Interessen).

    Todies jetzige Auslassungen sind aber selbst für die Privatier-Klasse ein starkes Stück.

  5. euckenserbe
    Sa, 22. Mär 2008 geschrieben in 21:09 | Permalink

    gut waren sie nie. Aber der Feind meines Feindes ist mein Freund….

    Zuviele Leute in einen Topf zu schmeißen, macht kein Sinn

  6. Sky
    Sa, 22. Mär 2008 geschrieben in 21:12 | Permalink

    Habe nur Smptomatiken aufgezeigt.

  7. Sa, 22. Mär 2008 geschrieben in 22:23 | Permalink

    Ich muß Sky zustimmen. 1980 war die Entwicklung mittel- wie langfristig kaum zu erahnen. Dass vor fünfundzwanzig Jahren mit den Mujaheddin “gesprochen” wurde, war zu der Zeit völlig in Ordnung. Scholl-Latour und Konsorten werden zwar behaupten, damals schon alles besser gewusst zu haben, doch das führt noch weiter vom Thema weg.
    T. ist in seiner Entwicklung augenscheinlich stehen geblieben. Eine Mixtur aus Senilität und blinder Dummheit spricht aus seinen Texten.

  8. Libertarian
    Sa, 22. Mär 2008 geschrieben in 22:48 | Permalink

    Ja, wenn einer ide Zickzack-Kurse von CIA-Sprachrohr-Intellektuellen nicht mitmacht, isser eben “Stehengeblieben”.

    IHR WIDERT MICH NUR NOCH AN!

  9. Sky
    Sa, 22. Mär 2008 geschrieben in 23:34 | Permalink

    @Libertarian:
    Mach Dich mal locker, reines Sozialverhalten ist hier nicht erwünscht bei uns. ;)
    Interessiert auch keinen, wenn Du irgendwas nicht gut oder gut findest, aber auf die Erläuterung (ggf. mit anschliessender Erörterung ;) verzichtest.
    Wir arbeiten also ein wenig an unserer Debattenkultur und melden uns beizeiten in angemessener Form zurück.

  10. Constantin
    So, 23. Mär 2008 geschrieben in 13:15 | Permalink

    Sky hat recht, was die Einschätzung der Mujahedin in den 1970er und 80er Jahren angeht (und auch die Islamisten in Bosnien). Aber zu unterstellen, die Entwicklung war mittel- und langfristig nicht zu erahnen, greift zu kurz. Es gehörte zur erklärten Strategie der Überrealisten (Kissinger und seine Hofschranzen), Destabilisierungen (wie jetzt im Irak) kurz- und mittelfristig dadurch zu vermeiden, indem man Diktatoren sponsert - unabhängig von ihrer Gesinnung (Rechte wie Stroessner und Pinochet, Linke wie Mao, Tito, Bishop…und eben auch Islamisten). Aber langfristig ist diese Strategie nicht aufgegangen. Solchen Leuten wie Kissinger war das natürlich klar, die halten jetzt entweder den Mund oder sagen, sie hätten das damals nicht wissen können oder sie geben es offen zu, dass diese Strategie zu kurzsichtig war.

    Bei Todenhöfer ist das wohl eine Form von Altersempathismus.

  11. Sky
    So, 23. Mär 2008 geschrieben in 14:10 | Permalink

    Altersempathismus war gut. :)
    Übrigens sinds nicht nur die bösen Amis, die Dikatatoren sponsorn, sondern gerade auch die politisch korrekten Europäer schätzen Menschen wie Arafat, Khadafi, Assad, Mubarak oder auch den A. aus I., der Hintergrund ist hier aber nicht das “Hauptsache, es ist mein Bastard”, sondern die Überlegung, dass in bestimmten Ländern ohnhin keine Positiventwicklung zu erwarten ist und der Bastard vglw. Stabilität besorgt.

    Auch aus diesem Grund wurde mit dem stabilen Saddam mitgetrauert (bzw. nachgetrauert) in F oder auch in D.

    Kissinger war aus pragmatischen Gründen bewusst zynisch, die Europäer sind es aus Dummheit, Boshaftigkeit und natürlich auch aus ethischen Gründen, d.h. sie tun im Kantschen Sinne das Richtige. *WÜRG*

  12. Constantin
    So, 23. Mär 2008 geschrieben in 15:26 | Permalink

    Genau das ist das Kernproblem (also das mit der Kantschen Ethik) - und leider ist Kant sowohl bei Linken, als auch bei Rechten und Liberalen sakrosankt.

  13. Alrik
    Mo, 24. Mär 2008 geschrieben in 03:03 | Permalink

    10 Thesen, 10 offene Türen die Todhöfer einrennt.

    1.) Der Westen glaubt Muslime sind gewalttätig
    2.) Der Westen versteht nicht warum die Extremisten Zulauf bekommen
    3.) Der Westen glaubt seine christlichen Anführer sind keine Mörder
    4.) Der Westen glaubt Muslime sind intolerant
    5.) Der Westen glaubt Muslime kennen keine Nächstenliebe
    6.) Der Westen ist ignorant
    7.) Der Westen behandelt die Muslime unfair
    8.) Die Muslime setzen sich nicht genug für Fortschritt und Toleranz ein
    9.) Der Westen fördert den Terrorismus durch Antiterrorkriege
    10.) Krieg hat nichts mit Staatskunst zu tun, Probleme lassen sich immer friedlich lösen

    Sorry, aber ein Großteil dieser Thesen sind pseudolinker Mainstream.
    1.) Der Westen glaubt Muslime sind gewalttätig
    Deswegen betonen Journalisten und Politiker immer wieder das “der Islam eine Religon des Friedens” ist. Wäre ich Moslem, würde mich schon das beleidigen, weil dieses penetrante verkünden die Antwort nahe legt das es nicht so ist.

    2.) Der Westen versteht nicht warum die Extremisten Zulauf bekommen
    JaNe, ist klar. Das Gewalt immer Gegengewalt erzeugt und das die Armut in der Welt schließlich die Ärmsten (vertreten durch verzogene Bonzenkinder wie Ulrike Meinhof, el Che oder Osama Bin Laden) eine Terrorkampange starten ist ja im Westen völlig unbekannt…

    3.) Der Westen glaubt seine christlichen Anführer sind keine Mörder
    Klar, deswegen gibt es auch so wenige Bushitler und PoodleBlair Karikaturen…

    4.) Der Westen glaubt Muslime sind intolerant
    siehe Punkt 1. Kein BILD-Zeitungsbericht über den Islam kommt ohne die Erwähnung der islamischen Toleranz aus, aber das Todenhöfer ganz sicher keine BILD liest kann er das ja nicht wissen, gell ?

    5.) Der Westen glaubt Muslime kennen keine Nächstenliebe
    siehe Punkt 1. & 4. Ich bin kein Muslim, aber trotzdem schon deswegen genervt

    6.) Der Westen ist ignorant
    Hey, das weis jeder Westler !

    7.) Der Westen behandelt die Muslime unfair
    Punkt 1. again

    8.) Die Muslime müssen sich mehr für Fortschritt und Toleranz einsetzen
    Äh warum eigentlich ? siehe Punkte 1. 4. 5. die sind doch schon Tolerant und Fortschrittlich und Friedlich und…
    Die Probleme liegen doch nur beim Westen.

    9.) Der Westen fördert den Terrorismus durch Antiterrorkriege
    Klar, weis doch jeder. Warum aber die Anschläge auf das WTC 1993 & 2001 und die Botschaften in Kenia vor den Antiterrorkriegen stattgefunden haben kann man damit nicht erklären…

    10.) Krieg hat nichts mit Staatskunst zu tun, Probleme lassen sich immer friedlich lösen
    Erzählt einem jeder Hippie der noch nie Machiavelli, SunTzu und den alten Clausewitz gelesen hat…

    Nett finde ich übrigens das Todenhöfer dem Westen das Recht abspricht militärisch gegen links und rechtsextremistische Gruppen im Ausland vorzugehen. Solche Gruppen im eignen Land zu dulden ist schon immer ein klassicher Kriegsgrund gewesen, noch klassischer ist eingentlich nur das Köpfen eines Botschafters.

    Da bekomme ich richtig Lust im Ausland eine Nazitruppe aufzustellen und militärisch auszubilden. Das moralische Recht dazu kann mir ja keiner Absprechen bei den ganzen Verbrechen des Westens. Ähnlich wie Osama hab ich zwar nicht drunter leiden müssen, aber hey - irgendjemand muß ja Champion für die unterdrückten Massen spielen.

    Ein Staat der sich bereit findet mich aufzunehmen dürfte kein Problem sein, wenn ich von Zeit zu Zeit seine Drecksarbeit (wie z.B. Aufräumarbeiten in griechischen Restaurants) übernehme.

    Und während meine Jungs in Deutschland brav bomben, können wir ja mal ein bisschen verhandeln um das ganze friedlich Beizulegen…
    Hat ja schon 1977 super geklappt, als die RAF im Jemen ausgebildet wurde…

Ein Trackback

  1. [...] Mehr hier, hier, hier und hier. Und Update, der Vollständigkeit halber: auch hier. [...]

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