Wie oft bringt RTL Presseerklärungen heraus, in denen Reformen innerhalb der katholischen Kirche angemahnt werden? Selten. Wie oft kritisiert die katholische Kirche das Programm von RTL? Oft. Was darauf schließen lässt, dass der Papst das Privatfernsehen interessanter findet, als dass Privatfernsehen den Papst.
Das TV-Programm wäre zu gewalttätig, kritisiert Reinhard Marx, ein Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz. Er findet, dass es mit der Osterbotschaft nicht in Einklang zu bringen ist, wenn Actionfilme wie Stirb langsam ausgestrahlt werden. Und da fragt man sich schon, warum eigentlich. Zum einen könnte dieser Filmtitel der offizielle Slogan zur prominentesten Kreuzigung aller Zeiten sein, und zum anderen sind sowohl Highlander, als auch King Kong die reinste Kuschelpädagogig im Vergleich zu dem, was Marx und Co. zu Ostern feiern.
Da wird eine Folterung glorifiziert, da werden Nägel durch Hände getrieben, da wird ausgepeitscht, gemordet und erniedrigt… Wie hat es Ostern eigentlich geschafft, von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Feiertage nicht indiziert zu werden?
43 Kommentare
Sehr schön fand ich ja auch noch die Bemerkung, er schaue sich “so etwas” nicht an, womit er ja eigentlich vollkommen klar erkannt hat, wie man als aufgeklärter Mensch mit solchen Dingen umgeht. Kleine Korrektur am Rande: Vorsitzender der Bischofskonferenz ist er nicht, der Herr Marx.
Noch nicht, in sofern hat Gideon der Zukunft vorgegriffen. Schließlich ist Lehmanns Nachfolger nur geringfügig jünger als der langgediente Liberale. Marx - nomen est omen - sorgt sich um den Mindestlohn und ist gegen Privatfernsehen per se. Da hat die Kirche nämlich im Rundfunkrat keinen Sitz und Stimme oder das Recht, den Programmdirektor vor den selben zu zitieren.
Vorwärts nimmer, rückwirts immer. So ist er halt, der Neomarxismus!
P.S. Das ganze Interview gibts bei der Blödzeitung (darf ich hier wegen Daniels intellektuellem Mindestanspruch nicht verlinken, findet man aber von selbst).
Mein Mindestanspruch schließt die BILD mit ein, darum spiel ich hier mal Streikbrecher. Ich mag die Abneigung gegen diese Zeitung nicht (z.B. schafft sie es wesentlich besser als der SPIEGEL, zwischen Terroristen - Hamas - und einem bedrohten Staat - Israel - zu unterscheiden). Hier steht das Interview:
http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/03/23/gottlos-tv/bischof-reinhard-marx-ueber-geldgier-hg,geo=4083680.html
http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/03/23/gottlos-tv/bischof-reinhard-marx-ueber-geldgier-hg-teil-2,geo=4085340.html
@Stitch Jones
Danke für den Hinweis, habe es geändert. Ich hatte mich auf das verlassen, was ich bei der Welt gelesen hatte:
Ich halte übrigens - bis auf dieses Interview - Blöd auch für das einzige Massenmedium, dass noch nicht vom “Neo-Marxismus” (hört hort) unterwandert ist.
Die einzigen Menschen die BILD ernst nehmen, lesen sie aus Prinzip nicht…
Im übrigen hat RTL II schon mal die Chupze Conan der Barbar um 13 Uhr am zweiten Weihnachtsfeiertag zu senden…
Zum Schluß sind alle entäuscht gewesen, vor allem weil der Film bös geschnitten gewesen ist.
Die widersprüchliche Einstellung von Herrn Marx zeugt meiner Meinung nach einfach davon, dass es viele Gläubige gibt, die sich des blutigen Charakters ihrer Religion nicht mehr bewusst sind. Oft haben sie auch keine Ahnung, warum Jesus für uns blutete und starb. Dabei gibt es einen guten Grund…
Eins will ich hier noch anmerken: Stirb Langsam (auf jeden Fall der zweite Teil) lief gestern, am Ostersonntag. Da feiert man bekanntlich nicht den Foltertod Jesu am Kreuz sondern seine Auferstehung…was lief denn am Freitag?
Der erste Teil.
@notoutofreach
Also für mich hätte er schon mal nicht bluten/sterben müssen. Ich habe ihn nicht darum gebeten und kenne diese Person auch nicht.
In den USA ist es ähnlich, wenn am Veteran’s Day Filme wie “Der schmale Grat”, “Saving Private Ryan” oder “Band of Brothers” laufen. Dann fordern etliche religiöse Verbände, die Ausstrahlung zu unterbinden, weil in den Filmen das Benutzen von Kraftausdrücken, Drogenkonsum und andere “unchristliche Verhaltensweisen” unhinterfragt dargestellt werden.
Die haben echt zu viel Freizeit an Feiertagen !!!
Der Opfertod Jesu ist kein Thema, das man oberflächlich abtun kann. Dazu gehört die Frage, ob jemand für uns sterben musste oder nicht. Ein interessanter Denkanstoß wäre die Frage, ob du ihn darum gebeten hättest, wenn du ihn gekannt hättest. Wenn die Augenzeugenberichte der ersten Jünger wahr sind, dann lebt Jesus, und hat uns seinen Geist gegeben, um uns ‘in alle Wahrheit zu leiten’. Demnach wäre es möglich, in der Bibel eine Antwort auf die Frage zu finden, warum er für uns starb, obwohl wir ihn nicht kennen oder ihn nicht darum gebeten haben.
Für mich ist deine (Gideons) Aussage ein Grund mehr, sich damit auseinanderzusetzen - nicht ein Grund weniger…
Zum Thema USA: wie Christen in einer anderen Kultur leben und denken wird hierzulande echt wenig begriffen. Noch weniger, als wie deutsche Evangelikale denken, und warum sie so denken, wie sie es tun. Die Berichterstattung ist so undifferenziert und gibt ein Zerrbild der Überzeugungen und Glaubenspraktiken wieder. Eine mediale Plattform, von der aus wir uns selbst für andere erklären und definieren könnten, gibt es leider nicht. Auf der einen Seite wird die Populär-Berichterstattung a la BILD als unseriös abgetan. Andererseits sind wir Deutschen so ‘gütesiegelgläubig’, dass wir anderen Medien die Objektivität naiverweise und unkritisch abkaufen.
Auch Jesus war kein Altruist. Er wollte Gott sein.
Wenn er lebt, ist er nicht tot, also kann es dann in der Bibel auch keine Antwort auf die Frage geben, warum er für “uns” starb. Und sollte er nach Lust und Laune sterben und dann wiederauferstehen können, ist doch zu Fragen, was an seinem Opfertod für “uns” dann so außergewöhnlich sein soll?
Auch nochmal zum Thema USA. Das “Zensur-Gebahren” der christlichen Organisationen (nicht nur der Evangelikalen) in den USA habe ich nicht in den RTL II News aufgeschnappt, ich hatte zu der Zeit dort gelebt (2004). Und gerade darum geht es mir ja, wie Christen in der dortigen Kultur leben und denken. Auf der einen Seite (die Mehrheit) ist Religion entweder Privatsache (die im öffentlichen-politischen Raum nichts verloren hat) bzw. es ist schlicht und einfach eine Tradition, die weder inhaltlich noch ideologisch/spirituell erörtert wird (man feiert Weihnachten, um sich zu beschenken und geht in die Kirche, weil es dort Pfannkuchen oder Barbeque gibt und man mit den Nachbarn plaudern kann). Auf der anderen Seite gibt es solche Ned-Flanders-Typen, die das säkulare und areligiöse Fundament der USA (sowie das gesamte kulturelle Fundament der Aufklärung, das die Kultur der USA begründet hat) verleugnen und entsprechend die Trennung von Staat und Religion “überwinden” möchten. Und sowas ist nicht nur gaga und totalitär, sondern auch un- und antiamerikanisch. Warum christliche Gruppen die Ausstrahlung von Kriegsfilmen am Veteran’s Day verhindern wollen (u.a. durch einsweilige Verfügungen) und damit auch Veteranen brüskieren, ist mir auch ziemlich egal (bzw. warum sie so denken bzw. es tun). Es geht darum, dass sie sich in Sachen einmischen, die sie nichts angehen. Wenn jemand wegen seiner religiösen Anschauung ein Problem damit hat, “der schmale Grat” anzugucken, dann soll er umschalten zu “Die Zehn Gebote” o.ä.
“Wenn er lebt, ist er nicht tot, also kann es dann in der Bibel auch keine Antwort auf die Frage geben, warum er für “uns” starb. Und sollte er nach Lust und Laune sterben und dann wiederauferstehen können, ist doch zu Fragen, was an seinem Opfertod für “uns” dann so außergewöhnlich sein soll?” (Gideon)
Den ersten Teil dieser Argumentation verstehe ich nicht. Ich wollte auch nicht, dass sich das jetzt zu einer Diskussion entwickelt. Auf provokante Fragen mit Standartantworten zu reagieren ist (nicht mehr) mein Ding… Entweder es entsteht ein vernünftiger, auch offenherziger Dialog - der braucht allerdings Zeit, um Vorurteile abbauen zu können -, oder man lässt es besser bleiben.
Constantin: Entschuldige, wenn ich dich in eine Schublade gesteckt habe…gefällt mir auch nicht, wenn man das mit mir macht. Ich kenne die evangelikalen Amis auch aus erster Hand (ich arbeite mit ihnen/für sie), und ich finde, dass es Sachen gibt, die wir als deutsche Christen von ihnen lernen können. Auf der anderen Seite gebe ich dir völlig recht: die Art, wie dort Politik und Religion vermischt werden, ist oft furchtbar. Schade ist nur, dass eben in der Öffentlichkeit nicht differenziert wird. Nicht alle amerikanischen Evangelikalen sind so - und vor allem sind die deutschen Evangelikalen ganz anders als die amerikanischen Geschwister. Dir ist wahrscheinlich aufgefallen, dass man die deutschen Evangelikalen gerne mit Bush in einen Topf schmeißt - was extrem realitätsfern ist. Zum anderen: Zu be- oder verurteilen, wie es in Amerika abgeht ist das eine. Aber für mich als bibelgläubiger Christ stellt sich eine weitere Frage: Wenn es nicht so aussehen soll wie in den Staaten, welches bessere Modell habe ich zu bieten? Wie ist denn das Verhältnis von Politik und Religion? Und warum ist eine Nicht-Trennung bei einem Christen falsch und beim Dalai Lama kein Problem? Leider habe ich darauf bis jetzt wenig Antworten gefunden…
euckenserbe:
Wenn die Berichte über Jesus aus den Evangelien stimmen, dann muss man die Schlussfolgerung C. S. Lewis’ übernehmen: Jesus war entweder a) verrückt, b) ein Lügner, oder c) der Herr.
Natürlich muss die Entscheidung unter Berücksichtigung aller Angaben über Jesus in den Evangelien (Wunder, Auferstehung, etc.) gemacht werden.
wenn die Berichte stimmen… Ich persönlich halte wahrscheinlich auf a., b. wäre auch möglich.
notoutofreach: Gideon hat - so wie ich es verstehe - auf eine logische Unmöglichkeit hingewiesen…dass eine Wiederauferstehung von den Toten nicht möglich ist, weil der Tod Dauerhaftigkeit und Endgültigkeit voraussetzt (ansonsten wäre es nur ein Scheintod). Wenn also jemand “wiederaufersteht”, ist er niemals gestorben bzw. tot gewesen (da sein vorheriger Zustand nicht endgültig gewesen ist).
Es ist unbetreitbar, dass Menschen, die religiös/ideologisch gegensätzliche Positionen zueinander beziehen, voneinander lernen können. Was das Modell der USA (zur Trennung von Politik und Religion) angeht - das ist für mich eindeutig das beste Modell. Deswegen stört es mich auch, wenn versucht wird, dieses Modell zu konterkarieren. Und selbstverständlich sind nicht alle evangelikalen Christen so. Aber diejenigen, die nicht “so” sind, sind natürlich auch nicht das Problem (genausowenig wie die nicht-terroristischen Muslime das Problem sind). Die Frage ist nur (die man bei allen Einfluss-suchenden Gruppierungen stellen muss, egal ob Christen, Muslime, Sozialisten etc.) wie verhalten sie sich, wenn sie eine Minderheit im Staat darstellen (dann sind sie meistens pluralistisch, tolerant, “offen”) - und wie würden sie sich verhalten, wenn sie irgendwann eine Mehrheit bekommen (entweder demografisch oder durch Mehrheitsentscheide bei Wahlen), bleiben sie dann so pluralistisch, tolerant und “offen” oder ändern sie dann diese Handlungsweisen. In den USA kann man das (ähnlich wie in Europa auch) bei den Massenmedien und der Rechtssprechung beobachten. Diejenigen Gruppen, die ihre “privaten” Anschauungen versuchen, auf diese Bereiche zu übertragen (z.B. indem man versucht, Mohammed-Karikaturen oder die Ausstrahlung von bestimmten Filmen an Feiertagen zu verhindern) - bei diesen Gruppen muss man annehmen, dass sie “diktatorisch” werden, sobald sie die Möglichkeit dazu haben.
Ich gebe dir auch recht, was den Dalai Lama (und vor allem den Vatikan) angeht - sollte Tibet irgendwann ein unabhängiger Staat werden, dann ist es nicht akzeptabel, wenn Tibet dann ein Religionsstaat ist und das geistige Oberhaupt auch Staats- bzw. Regierungschef ist.
Was ich meinte, hat Constantin noch einmal richtig zusammengefasst. Es ist eigentlich auch keine provokante Frage, sondern nur eine Feststellung. Ähnlich provokant wäre es, darauf hinzuweisen, dass eins plus eins nicht zugleich zwei und fünfzehn ergeben kann.
Aber ich muss auch zugeben, dass mich ein Dialog über Jesus infolge meines fehlenden Interesses für eben diese Person nicht interessiert. Mich stört es nur, wenn mir gesagt wird, der Kerl sei für mich gestorben: wär nicht nötig gewesen.
Gideon,
erinnerst Du Dich an die Geschichte von R. Rava aus “masechet megilla”, der besoffen an Purim seinen Freund R. Zera schlachtete und ihn am naechsten Morgen wieder zum Leben erweckte? (R. Zera lehnt aber die Einladung zum naechsten Purim ab, weil man sich nicht darauf verlassen koenne, dass jedes Jahr ein Wunder geschehe.) Hier haben wir Tod und Auferstehung viel banaler, fast schon nebenher. Eigentlich geht es ja um die Frage, wieviel Alkohol zu Purim getrunken werden soll.
Dann haben wir natuerlich die fast-Opferung von Itzchak und die vollzogene Opferung von Jiftahs Tochter.
Das Motiv des Opfertods ist viel tiefer und vielschichtiger, als es hier besprochen wird. Ich meine ja, dass das Christentum da einen Rueckfall darstellt, nachdem Opfer als Weg zu G”tt im gleichzeitigen Judentum gerade ueberwunden wurden.
Es geht mir aber doch gegen den Strich derart oberflaechlich ueber die Glaubensmysterien von anderen zu reden.
… es hätte auch anders kommen können …
@beer7
Mir sind Glaubensmysterien ganz gleichgültig, und habe schlicht darauf hingewiesen, dass Jesus nicht für mich gestorben ist, wie es weiter oben behauptet wurde. Ich weiß aber nicht, warum ich mich nicht darüber wundern sollte, was Jesus alles in sich vereint: Er lebt, er ist tot, er ist Mensch, er ist Gott. Ich muss kein Priesterseminar besuchen, um das etwas sonderbar zu finden. Und meine Erfahrung ist die, dass auch die meisten Christen nicht wissen, wie das eigentlich alles zu verstehen ist.
Gideon, mich interessieren solche Motive vor allem im kulturellen und philosophischen Vergleich. Ich hatte nicht gelesen (und finde die Stelle immer noch nicht), wo stuende, dass Jesus fuer Dich gestorben sei. Das ist natuerlich falsch.
@Gideon
“Wenn er lebt, ist er nicht tot, also kann es dann in der Bibel auch keine Antwort auf die Frage geben, warum er für “uns” starb.”
Es geht hier um verschiedene Sichtweisen von “sterben”. Medizinisch (also Naturwissenschaftlich) ist Jesus wohl gestorben, so wird es auch in der Bibel berichtet. Die Auferstehung hingegen ist keine naturwissenschaftliche Begebenheit, sondern ein religiöses, also mit naturwissenschaftlichen Mitteln und Theorien nicht fassbar. Bevor nun der Einwand kommt, dass Jesu Auferstehung also nur eine Idee ist und keine Tatsache, wende ich ein, dass naturwissenschaftliche Aussagen nicht einfach wahr sind, sondern Theorien, die mehr oder weniger gut “funktionieren”, man kann nämlich keine Aussage über die Wirklichkeit, außer einer Tautologie, wirklich (logisch) beweisen. Gläubige Menschen machen sich halt in mancher hinsicht ein anderes Bild von der Wirklichkeit, rein logisch kann man das nicht widerlegen.
“Und sollte er nach Lust und Laune sterben und dann wiederauferstehen können, ist doch zu Fragen, was an seinem Opfertod für “uns” dann so außergewöhnlich sein soll?”
Das Sterben bedeutet in jedem Fall großes Leid, außerdem gibt es, wie oben gesagt zwei Sichtweisen, die physikalische und die religiöse, die physikalische sagt uns, dass Jesus gelitten hat und gestorben ist, die religiöse sagt uns, dass er auferstanden ist. Man sollte hier den Charakter von Religionen genauer betrachten, ich habe mal mit einem katholischen Priester gesprochen, der meinte, was die kath. Kirche den Leuten anbietet, sei die Hoffnung auf einen guten Gott, Auferstehung etc.. Das klingt nicht nach Sicherheit, nach “der Tod ist nicht so arg, es gibt doch die Auferstehung”, es ist nur ein Hoffen und Glauben. Die meisten Gläubigen sind wohl zweifelnd und suchend.
@Euckens Erbe
“Auch Jesus war kein Altruist. Er wollte Gott sein.”
Kann man nicht bei jedem vermeintlichen Altruisten eine Motivation finden, die ihm in gewisser Weise nutzen verspricht, und kann man dann nicht so argumentieren, dass es keine Altruisten gibt?
Also noch einmal, damit wir das Thema nicht völlig aus den Augen verlieren: Es geht hier nicht um Jesus und darum, was er gemacht oder nicht gemacht hat (das ist mir herzlich egal), es geht darum, dass die Kirche für sich das Recht reklamiert, Einfluss auf das zu nehmen, was die Privatsender zeigen. Die Arroganz, mit der sie jedem ihren Feiertag aufdrücken wollen, ist wirklich unangebracht (ich find es schon schlimm genug, dass ich wegen diesem religiösen Fest, dass mich nicht interessiert, weder am Freitag noch am Montag einkaufen gehen konnte.)
Das ist wieder so eine ärgerliche Einmischung durch die Kirchen.
Nichts spricht aus meiner Sicht bspw. dagegen, wenn die missionieren wollen (auch und gerade die Juden ;), aber die Medienprogramme bestimmen zu wollen, hmmm…
Stop.
ABER wir wissen glaube ich nicht genau über was wir eigentlich diskutieren, was ist eigentlich genau behauptet worden, vielleicht ist die ganze Diskussion obsolet, denn der SPOn-Artikel ist wieder mal ziemlich “meta”.
Du hast Recht, Gideon, vom Thema sind wir - meine Schuld - ganz gut abgekommen.
Noch eine Frage an beer7: Meinst du, dass du beim Lesen des NT keine solche Aussagen gefunden hast?? Das Jesus für die Menschen gestorben ist, ist die grundlegendste Aussage des Neuen Testaments (als Erfüllung des AT). Wenn du nach Stellen suchst, kann ich dir eine Liste von Bibelstellen schicken.
Nein, notoutofreach, das meine ich nicht. Ich beschaeftige mich aus kulturhistorischem Interesse mit solchen Texten und koennte Dir auch eine Liste schicken.
Was ich meine, ist, dass Jesus fuer mich als Juedin nicht relevant ist und offensichtlich auch nicht fuer Gideon. Selbst der allerfundamentalistischste Katholik wird wohl zustimmen, dass Jesus nicht fuer diejenigen gestorben sein kann, die das nicht anerkennen und/oder annehmen koennen/wollen. Demnach ist es einfach falsch, Gideon oder mir zu sagen, dass Jesus auch fuer uns gestorben sei.
P.S. mit der Erfuellung der Schrift (Thora) - das ist auch so eine Sache, die wir ganz anders sehen. Wie oben schon angedeutet. Ich meine, dass der Opfertod von Jesus eine Regression ist. Das Opfermotiv ist sehr, sehr alt und in der menschlichen Psyche tief verankert. Das Judentum hat zunaechst das Menschenopfer ueberwunden und dann nolens, volens nach der Zerstoerung des Tempels (obwohl auch das schon lange in Vorbereitung war) auch das Tieropfer.
Die Kreuzigung dagegen greift das Motiv wieder ganz und gar auf, steigert es sogar, nicht mehr Tieropfer, nicht einmal mehr Menschenopfer, sondern Opfer des Gottessohnes. Mir ist bei der ganzen Sache gar nicht wohl. Denk’ mal an die psychischen Auswirkungen, z.B. Mel Gibson.
@ Gideon
Ich finde, zum TV Programm darf sich kritisch äußern wer will, auch öffentlich. Verboten soll ja nichts werden. Und es gibt genug Menschen, die von der Kirche angesprochen werden und die dann ihr Oster-TV-Programm nochmal kritisch überdenken.
Man sollte vielleicht noch anmerken, dass zu Zeiten des Internets “Fernsehguggen” ohnehin nicht mehr im Trend liegt. Ich selbst schaue schon seit Jahren nicht mehr fern, jedenfalls nicht gewollt.
Die Staatlichen und natürlich auch die Kommerzmedien versuchen ja vom Print und Glotz wegzukommen und sich ins Internet zu retten.
@beer
“Selbst der allerfundamentalistischste Katholik wird wohl zustimmen, dass Jesus nicht fuer diejenigen gestorben sein kann, die das nicht anerkennen und/oder annehmen koennen/wollen.”
Doch, nach christlicher Vorstellung ist Jesus für alle Menschen gestorben, denn er hat für alle den Weg zum Himmelreich geebnet. Ob alle ihm folgen wollen, ist eine andere Frage, Christen wünschen sich aber, dass alle Menschen die “wahre Religion” (meint Christentum) erkennen und sie glauben. Es kommt häufiger vor, dass jemand einem Gefallen tut, die man nicht nachgefragt und nicht gewünscht hat. Da Fallen mir manche Arbeitnehmerrechte, der staaliche Schutz von Anarchisten oder die Entnazifizierung ein. Jesus ist schon für alle Menschen gestorben (laut NT), nur kann man von niemandem erwarten, dass er dafür dankbar ist oder eine Gegenleistung erbringt.
Zum Menschenopfer:
Es gibt doch einen großen Unterschied zwischen der Fastopferung Isaaks und der Hinrichtung Jesu. Jesus wurde von den Römern umgebracht, weil sie ihn als Feind oder zumindest Störenfried ansahen, Isaaks Fastopfer ist hingegen spirituell begründet, nämlich durch den Auftrag Gottes.
Leider geht es sehr oft um Verbote. Die Rundfunkräte beschäftigen sich einen Großteil ihrer Zeit damit, über Verbotsanträge zu entscheiden - ähnlich wie die Verwaltungsgerichte. Die Spanne der Verbotswünsche der christlichen Kirchen reicht von Rap-Songs/-Videos über Videospiele bis hin zur Ausstrahlung von Filmen. Und auch das Ladenschlussgesetz ist faktisch ein Einkaufs- und Arbeitsverbot.
@ Constantin
jep, allerdings zu den Verbotsanträgen bei uns: bei Rap-Songs und Videospielen usw. sind die Kinder das Problem. Ich bin mir selbst immer noch nicht ganz klar dazu …. in jedem Fall: das Problem bei uns ist, dass es kaum eine derart konservative Schicht wie in den USA ZUM BEISPIEL die Evangelikalen gibt, die für Evangelikale eine Art homogenes soziales Umfeld bieten können. In solch einem Umfeld ist es für Eltern möglich, diese Einflüsse auf ihr Kind zu kontrollieren (d.h. zu dosieren und zu bewerten) - weil alle mitmachen und alle eine ähnliche Einstellung haben. Bei uns ist das unmöglich, man kämpft einen einsamen Kampf und verliert garantiert an allen Fronten.
Zum eigentlichen Thema und dem Stichwort ‘Verbote’: Tatsache ist doch, dass eine Gesellschaft (egal welche Kultur) immer aus unterschiedlichen Individuen und Gruppen besteht, die aufgrund ihrer Überzeugungen Verbote fordern, weil sie etwas für (be)schützenswert halten. Feiertage sind nur ein Beispiel dafür. Aber letztendlich muss man aufeinander zugehen, um einen gemeinsamen Konsens zu finden. Und meiner Meinung nach gibt es ja wahrhaftig sinnlosere Schutzversuche, als Kinder vor menschenverachtenden, sexistischen und gewaltverherrlichenden Filmen bzw. Musik oder Menschen vor noch mehr Konsum an besonderen Feiertagen zu schützen…oder? ex-blond, du sagst, Kinder seien das Problem. Ich würde das ergänzen und sagen, dass auch Erwachsene z. T. geschützt werden müssen - vor sich selbst. Deswegen gibt es in der Wirtschaft Gesetze, die den (erwachsenen) Menschen in seiner Gier nach Macht, Geld und mehr eingrenzen und damit ihn selbst und andere vor ihm schützen. Bedrohte Arten im Tierreich werden abgeschirmt und geschützt. Aber auch Eingeborene irgendwo im Dschungel.
Die Thematik, die damit aufgeworfen wird, ist die der Bevormundung. Natürlich soll der Mensch mündig sein, bzw. sollen sich Kinder zu mündigen Erwachsenen entwickeln. Ich verstehe, dass sich manche Leute auch durch die Forderungen der Kirche bevormundet fühlen. Aber vielleicht muss man manches akzeptieren, um mit Mündigen und Unmündigen zusammen in einer Gesellschaft leben zu können…
Und noch einmal zum Thema Jesu Opfertod. Die christliche Perspektive ist ganz klar: “Er ist das Opfer für unsere Sünden. Er tilgt nicht nur unsere Schuld, sondern die der ganzen Welt.” (1. Johannes 2,2) Obwohl Jesus primär ‘in das Seine’ gesandt war, ging seine Einladung, sein Blut als Lösegeld für die eigene Schuld anzunehmen, und sich so von der Bestrafung für und die Macht der Sünde befreien zu lassen, über nationale, kulturelle oder religiöse Grenzen hinaus. Johannes der Täufer, der letzte Prophet des Alten Bundes zeigte deswegen mit den Worten: “Das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt wegnimmt!” auf Jesus.
Der Opfergedanke ist so tief im Menschen verwurzelt, weil Gott den Menschen mit diesem Bewusstsein geschaffen hat. Unser Gewissen sagt uns: Schuld ist real. Und treibt uns dorthin, eine Sühnung und Wiedergutmachung zu suchen. Im Opfersystem des Alten Bundes legten die Anbeter ihre Hand auf den Kopf des zu schlachtenden Tieres und bekannten ihre Sünden, bevor es geschlachtet wurde. Aber natürlich kann das Blut von Stieren und Böcken niemals Schuld wegnehmen. Auch kann nicht ein Mensch für einen Anderen sterben, weil er selber zu tilgende Schuld hat. “Das Blut von Tieren kann keine Schuld wegnehmen, weil es amoralisch ist; das Blut von Menschen kann keine Sünde tilgen, weil es unmoralisch ist - das Blut Jesu allein kann Schuld wegnehmen, weil es moralisch ist.” Alle Tieropfer waren nur Vorschatten für und Hinweis darauf, dass es mehr brauchte. Das Tierblut brachte nur Jahr für Jahr eine Erinnerung an die eigene Schuldigkeit, und die ständig wiederholten Rituale und die tatsache, dass sie nicht das Gewissen reinigen konnten, zeigten die Kraftlosigkeit der Tieropfer. Jesus hingegen brachte sich selbst, einmal und ein für allemal als Opfer.
notoutofreach,
ich sehe nicht, dass irgendjemand das Recht haette, geistig gesunde Erwachsene “vor sich selbst zu schuetzen. Das laeuft nicht nur auf Bevormundung hinaus, sondern auf Zwang. Da der Staat das Gewaltmonopol hat (oder haben sollte) ist im Zweifelsfall der Staat die Institution die Zwang ausuebt. Zu seinen Aufgaben gehoert der Schutz des Lebens, der Unversehrtheit und des Eigentums seiner Buerger, aber nicht gegen den Buerger selbst!
Ich bin nicht willens mit Argumenten wie “Gott hat den Menschen so oder so geschaffen” zu diskutieren. Dabei bin ich selber gottglaeubig. Aber diese Art Saetze sind nicht falsifizierbar und haben in einer Diskussion daher nichts verloren.
Du kennst Dich zu wenig aus mit den Opfern im israelitischen Tempeldienst. Ich bin auch kein Experte. Aber: das Suehneopfer war nur ein Detail und keineswegs der Prototyp des Opfers! Auch die Begriffe “Schuld” (bzw. “Suende”, den Du nicht benutzt hast), sind im Judentum ganz anders besetzt. In Deinem kurzen Text oben gibst Du die katholische Sicht auf das Judentum wieder. Dass diese nicht objektiv und historisch richtig sein kann, ist nachvollziehbar.
Vielleicht sollten wir uns einen anderen Ort fuer unsere religions- und kulturphilosophischen Betrachtunge suchen. Auf meinem Blog habe ich eine kleine Serie zum Thema. Wenn es Dir Recht ist, koennten wir uns da treffen?
Das nenne ich eine schnelle Antwort…den Umzug können wir natürlich machen.
…ich find nur die Serie nicht…kannst du mir einen Link geben?
Hier ein Text fuer Dich, wenn Dich das Thema, Opfer im Judentum, interessiert: http://www.jewfaq.org/qorbanot.htm
http://beer7.wordpress.com/2008/03/26/opfer-im-christentum-judentum-in-der-psychologie-und-was-uns-sonst-noch-einfaellt/
Als letzten Beitrag zu dem Thema ‘wer darf wen wie wovor schützen’: Was sind Gesetze zum Klimaschutz anderes, als ein Schützen des Menschen vor sich selbst? Geschwindigkeitsbegrenzungen…selbes Spiel. Alles, was ich dazu sagen wollte ist, dass wir letztendlich Verbote brauchen, auch wenn manche dadurch bevormundet werden (z. B. jeder, der gar nicht rasen will), und dass der Mensch sich ganz offensichtlich sonst selbst zerstören wird. Der Zustand der geistigen Gesundheit der Erwachsenen Menschen auf diesem Planeten scheint - dem Symptomen nach zu urteilen - durch die Krankheit des moralischen Verfalls (Verderbtheit des Menschen) zerstört worden zu sein…
Wegen den Opfern: ich studiere die jüdische Sichtweise und die evangelikale Deutung unter Verwendung des induktiven Bibelstudiums. Gestern Abend haben wir das Buch Exodus abgeschlossen, und Levitikus 1-7 mit der Erläuterung aller Opfer steht für nächste Woche an! Dazu studiere ich aber seit Jahren den Hebräerbrief (und habe ihn insgesamt schon mindestens 5mal gelehrt), der uns die neutestamentliche Deutung gibt. Die Hälfte dessen, was ich oben geschrieben habe, waren frei zitierte Sätze aus dem Hebräerbrief. Also keine katholische Deutung.
Nein, ich sehe den Sinn von Geschwindigkeitsbegrenzungen (den Klimaschutz lasse ich aussen vor, da gibt es zu viel Brisanz) im Schutz des anderen Menschen, nicht des Menschen vor sich selbst.