Der Beweis

“Ich muss nicht erst meine Gesellschafter fragen, um zu erkennen, dass wir die Summe, die öffentlich-rechtliche Sender mit Mitteln der Gebührenzahler aufbringen, nicht zahlen können.” , sagt Anke Schäferkordt,  Chefin der RTL-Group im Spiegel-Interview via DWDL. Anders gesagt, würden ARD und ZDF nicht mitbieten, die DFL hätte zwar weniger Einnahmen, aber RTL oder SAT1 würden die Grundversorgung im Free TV wirklich kostenfrei für den Zuschauer übernehmen. Werbefinanziert.  Da ließe sich doch glatt eine Gebührenerhöhung zurücknehmen. Und dass RTL und SAT 1 das können, haben “Anpfiff” und ”Ran” ja schon bewiesen.

Da haben wir es schriftlich. Die gebührenfinanzierte Grundversorgung wäre bei den Privaten kostenlos zu haben - nicht umsonst. Und das gilt wohl nicht nur für die Bundesliga. Sondern auch für die Olympischen Spiele oder die Fußball-WM. Die wären auch im wahren Free-TV zu sehen, ohne dass der GEZ-Mann zweimal klingelt. Zwar würden die Einnahmen der Lizenzhändler sinken und Günther Netzer als Rechtehändler müßte vielleicht seinen Ferarri ein halbes Jahr länger fahren. Und die “Vereine” genannten Soccer-Unternehmen müssten entweder niedrigere Honorare an ihre gerade nicht mehr halbwüchsigen Profi-Kicker zahlen, ohne dass die deshalb in die Gefahr liefen, in der Sekunde auf das Honorar zu kommen, das Lafontaine für die Stunde Lohnarbeit einfordert.

Tatsächlich handelt es sich bei den GEZ-Gebühren um das, was der Ökonom eine Fehlallokation nennt: Die falsche Nutzung einer begrenzten Ressource: Des Arbeitseinkommen der deutschen Besitzer von Fernsehern, Radiogeräten oder PCs. 8 MRD € pro Jahr: Davon könnte man die Transrapid-Strecke zum Münchner Flughafen vierspurig bauen oder die Bayerische Landesbank fast zweimal retten.

Dieses Phänomen gilt nicht nur für den Sport: Die öffentlich-rechtlichen Sender können für alles jeden Preis bezahlen und geben deshalb immer mehr aus, als die Privaten refinanzieren könnten. Die Differenz aus den überhöhten Honoraren für Bruce Darnell, Beckmann, Kerner oder Pilawa und dem, was die Privaten für sie ausgeben könnten, wird aus Gebühren finanziert.

Anders gesagt: Ohne Gebühren würden zwar die entsprechenden Preise sinken, aber das Angebot gleich (schlecht) bleiben. Nur wir müßten das nicht bezahlen.  

Schäferkordt konstatiert im gleichen Interview die mangelnde Innovationsfähigkeit des deutschen TV-Marktes. Die serienweisen Serienflops könnten allerdings auch andere Gründe haben als die Abweichung von der LIeb gewordenen Gewohnheit. Schlechte Machart, geringe Qualität und mangelnde Ausdauer bei der Etablierung neuer Konzepte kombiniert mit einem radikal veränderten Nutzerverhalten, dass sich eben nicht von ein paar tausend Haushalten mit schwarzen Boxen abbilden läßt. Doch davon später mehr.

 

 

8 Kommentare

  1. Mo, 7. Apr 2008 geschrieben in 12:58 | Permalink

    Die Frau heißt ANKE Schäferkordt ;)

  2. euckenserbe
    Mo, 7. Apr 2008 geschrieben in 13:20 | Permalink

    Danke - korrigiert…

  3. Bucaro
    Mo, 7. Apr 2008 geschrieben in 15:12 | Permalink

    Da muss ich Dir aber mal widersprechen. Ich glaube nämlich, dass ohne ARD/ZDF die Bundesliga so gut wie ganz im Pay-TV verschwinden würde, da dieses sicher noch mehr bereit wäre zu bezahlen als RTL oder Sat 1. Ob man die Bundesliga allerdings umbedingt im Free-TV haben muss, ist wieder eine andere Frage.

  4. Constantin
    Mo, 7. Apr 2008 geschrieben in 23:00 | Permalink

    Sollte es über Sportereignisse hinaus noch (gewünschte) Grundversorgungs-Elemente geben (die mehrstündige Live-Übertragung von Prinzen-Hochzeiten, quotenschwache Polit-Talks, Volksmusik-HItparaden etc.) - der Staat soll es ausschreiben.

  5. euckenserbe
    Mo, 7. Apr 2008 geschrieben in 23:16 | Permalink

    geht wirklich alles werbefinanziert. Bis hin zur Documenta-Eröffnung findet sich immer ein Sponsor, der sein Engagement transportiert werden will.

  6. euckenserbe
    Mo, 7. Apr 2008 geschrieben in 23:16 | Permalink

    transportiert wissen will…

  7. Constantin
    Mo, 7. Apr 2008 geschrieben in 23:41 | Permalink

    Richtig! Und auch gegen eine Ausstrahlung im Pay-TV ist nichts einzuwenden. Da sind ja mehrere Optionen denkbar - Pauschalzahlungen, Pay-Per-View etc.

  8. max
    Di, 8. Apr 2008 geschrieben in 15:17 | Permalink

    Es ärgert mich auch immer, wenn viele als Grund für gebührenfinanziertes Fernsehen die schlechte Qualität des Nachmittagsprogrammes der privaten Sender erwähnen. Da frag ich mich doch, wie die bitte mit den Beträgen der ÖR mithalten können, die diese in Dokumentationen/Nachrichten u.ä. stecken?
    Kein Wunder, dass sich hier Nieschensender, wie 9Live, etablieren müssen, da sie ein Angebot haben, dass garantiert nicht von den ÖR übernommen werden kann. Seriöse Sender, wie RTL und Pro Sieben, können da natürlich nicht mithalten, so bleiben sie bei Gerichts- und DIY-Sendungen, die eben einfach preiswerter sind.

Ein Trackback

  1. [...] vergleiche also das hier und jene Diskussion [...]

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