Weiter unten entspannt sich eine Diskussion unentspannt zwischen Gleichgesinnten mit natürlichen Meinungsunterschieden. Hier soll von Grundsätzen die Rede sein und erst dann von deren Anwendung. Das mag der Meinungsbildung dienen. Erstens ist die so genannte Volksrepublik China eine Diktatur, in der die Menschenrechte wenig gelten: “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns”.
Jedermann steht überall das Recht auf freie Meinungsäußerung und auch Religionsausübung zu und das überall. Wer es einschränkt, übt die Repression aus, unabhängig von den Inhalten, gegen die er vorgeht.
Die Auseinandersetzung mit der nicht widerspruchsfreien Geschichte des Lamaismus und den deutlichen Widersprüchen in der Biographie ihres geistigen Führers hat mit der Verurteilung ihrer offensichtlichen Unterdrückung nichts zu tun. Das sind Äpfel und Birnen. Denn unterdrückt und ermordet werden auch solche, die mit Tibet gar nichts zu tun haben, oder sie werden wenigstens geschlagen, gefoltert und eingesperrt.
Würden wir der weiteren blutigen Repression der Chinesen das Wort reden, die Anziehungskraft des Heilsbringers, die er auch genau diesem Blutzoll verdankt, würde im Volk eher gesteigert, weil sie als einziger fast schon himmlischer Hoffnungsschimmer die irdische Grausamkeit erträglich macht. Soviel zum Apfel.
Wer immer die Geschichte Tibets hinterfragt und zu Recht darauf hinweist, dass der Lamaismus keine exotische Interpretation der Bergpredigt ist, nur weil er keine Waffen und Macht haben mag, sein altes Regime wieder zu installieren, sollte von der Birne sprechen. Die Kritik an China ist richtig, legitim und nötig. Die Diskussion, wie der gütige Dalai Lama das Land regieren würde, wenn er könnte, derzeit akademisch, aber nicht unberechtigt.
Unzulässig ist der Vergleich. Die Relation birgt die Gefahr, das absolut grausame Vorgehen der Chinesen aus wenig menschenfreundlichen Motiven zu relativieren. Und was noch viel schlimmer wäre, zu rechtfertigen. Ein Verbrechen begründet aber nicht das nächste. Dabei ist die behauptete Anzahl der Opfer unerheblich. Jedes ist eins zuviel.
Die Tibeter erweisen jedenfalls der Welt einen Dienst unabhängig von dem, was ihnen für das eigene Volk vorschwebt: Die Protestaktionen entlarven die chinesische Diktatur auf breiter Front. Sie entzünden mit der olympischen Flamme vielleicht ein Feuer der Freiheit, das mit Panzern und Pistolen nicht wieder auszutreten ist. Dann wäre schon viel gewonnen.




9 Kommentare
Ah, der passende Meta-Thread. Sehr gut!
Ja, da haben wohl einige Leute Probleme die Besetzung Tibets durch chinesische Kommunisten zu verurteilen und dem Dalai Lama beizustehen.
Der stehe für finsteres Mittelalter, Theokratie und was weiss ich alles. Merkwürdigerweise macht der einen ganz netten Eindruck und das, was er sagt, ist nicht in unüblichem Masse anzumängeln, wie ich finde.
Erinnert mich an die Debatten in den Siebzigern, “Was, Sie sind Antikommunist? Unser System ist doch auch nicht besser als der real existierende Sozialismus.”, LOL, ja so sind sie eben die Linken.
Im Gegensatz zu den Dalai Lama-Hassern hier halte ich den Buddhismus durchaus für demokratie- und marktwirtschaftstauglich. Ich kenne die antideutschen Brüder nicht so genau, die schreiben ja immer nur gegen was sie sind, nie wofür, denke und hoffe aber doch irgendwie, dass sie hier ihre Meinung ein wenig anpassen müssen.
Sehr schöner Kommentar. Das ist eben der Punkt: wie der Dalai Lama sein Land führen würde ist zwar nicht unerheblich, aber reine Hypothese. Der Mann hat bis in sein 25. Lebensjahr einem mittelalterlichen Regime vorgestanden, das er nicht erfunden hat und das noch wenig Kontakte zur Außenwelt hatte. Reine Hypothese ist dann natürlich auch, dass sich Tibet ohne chinesische Besatzung in Anlehnung an Indien oder die USA schon kurz nach 1950 demokratisiert hätte…
Ich denke, es zählt sehr stark, wie sich die Exiltibeter und der Dalai Lama nach der Besetzung verhalten haben. Es sind eben nicht wegzudiskutierende 58 Jahre des Ertragens und der Friedfertigkeit. Und nichts, das darauf hinweisen würde, dass sie ein Regime wiederbeleben würden, dass 1950 untergegangen ist.
Lieber euckenserbe,
könntest Du in Zukunft bitte etwas hölzerner schreiben? Einige deiner Sätze scheinen noch einen Zusammenhang zu haben. Das musst Du abstellen. Am Ende versteht man Dich noch.
“Jedermann steht überall das Recht auf freie Meinungsäußerung und auch Religionsausübung zu und das überall. Wer es einschränkt, übt die Repression aus, unabhängig von den Inhalten, gegen die er vorgeht.”
Wie definieren Sie die freie Ausübung der Religion? Dürfen Frauen unterdrückt werden, weil es die Religionsführer so vorgeben?
Und wie weit geht ihre Definition von Meinungsfreiheit? Sollte es Neonazis erlaubt sein in Auschwitz ihre Propaganda, nach dem es keinen Holocaust gegeben habe, zu verbreiten?
Sind dann jene Staatsorgane die gegen islamistische Hassprediger, oder die eben erwähnten Neonazis in Auschwitz vorgehen, dann der Repression zu bezichtigen?
Klare Ansage: Freiheit ist das Grundrecht, das es zu schützen gilt. Freiheit von Mann und Frau. Unterdrückung im Namen einer Religion oder Ideologie verstößt gegen Menschenrechte. Aber davon muß in Tibet m.E. wohl keine Rede sein.
Die Definition von Meinungsfreiheit ist so weit wie möglich auszulegen. Eine freie, aufgeklärte Gesellschaft begegnet ihren Kritiikern am besten mit dem Argument, das die Neonazis oder die islamistischen Haßprediger widerlegt.
Niemand darf aber unter dem Schutzschild der Freiheit und der Menschenrechte die Freiheit, Rechte und Würde anderer Menschen verletzen, auch solcher, die Verbrechen zum Opfer gefallen sind.
Für die Definition von Verstössen ist ein aufgeklärter freiheitlicher Rechtsstaat die richtige Antwort,in dem unabhängige Richter die Autorität haben, solche Prozesse sorgfältig zu führen und die Menschenrechte aller zu schützen. Daran krankt es nicht nur in China.
Das Kriterium ist die Freiheit und die Würde des einzelnen Menschen und seine individuelle selbstbestimmte Entscheidung.
Vor diesem Kompaß sind weder Haßprediger, noch Zwangshochzeiten oder Neonazis in Aussschwitz denkbar.
Wer Rechte deshalb einschränken will, weil sie von wenigen mißbraucht werden, landet trotzdem unweigerlich in der Repression. Und auch Zwangsheirat, Haßpredigt und Neonazis in Ausschwitz rechtfertigen nicht die grundsätzliche Einschränkung dieser Rechte mit chinesischen Mitteln.
Dem Kommentator ging es gewiß um Grundsätzliches und nicht darum, das Morden der chinesischen Soldaten mit dem Vergleich mit der Verhinderung des Neonazi-Protestes in Ausschwitz zu relativieren.
Die chinesischen Polizei verhindert in Tibet - meines Wissens jedenfalls - gerade nicht die Relativierung des Holocaustes, wenn dies ihr wahrer Auftrag wäre, dann würde sie womöglich, nach der NPD-Zentrale in Sachsen, die Weltbild-Zentrale irgendwo in Europa stürmen… Interessanterweise scheint sich aber auch die deutsche Polizei ebenfalls nicht für die Relativierung des Holocaustes zu interessieren.
“Für die Definition von Verstössen ist ein aufgeklärter freiheitlicher Rechtsstaat die richtige Antwort,in dem unabhängige Richter die Autorität haben, solche Prozesse sorgfältig zu führen und die Menschenrechte aller zu schützen. Daran krankt es nicht nur in China.”
Diese “unabhängigen” Richter sollten dann aber auch nicht vom Staat bezahlt werden, gleichzeitig aber so reich sein, dass Bestechung nicht möglich bzw. einfach nicht interessant wäre und genügend Zeit haben jeden Fall gründlich zu ergründen… Bisher ist mir leider noch kein Staat untergekommen, welcher diese Standards erfüllt.
“Wer Rechte deshalb einschränken will, weil sie von wenigen mißbraucht werden, landet trotzdem unweigerlich in der Repression. Und auch Zwangsheirat, Haßpredigt und Neonazis in Ausschwitz rechtfertigen nicht die grundsätzliche Einschränkung dieser Rechte mit chinesischen Mitteln.”
Dito. Aber das Selbe sollten, dann auch für unsere Chaoten gelten. Die Reaktionen staatlicher Repressionsorgane (Einsatz der Bundeswehr usw.) während des G8-Gipfels im letzten Jahr gilt müsste nach diesem Maßstab dann ebenfalls als brutale Menschenrechtsverletzung gelten…
Sorry, das ist mir zu blöd. Ganz einfach. Äpfel und Birnen kann man auch dann nicht vergleichen, wenn man Tomaten einführt.
Tomaten auf den Augen habe jene, die für China einen anderen Standard als für andere Länder einfordern…
Ich fordere für alle Länder den gleichen Standard…