Gestern bei Plasberg war Henryk M.(odest) Broder zu Gast. Dieter Bartezko von der FAZ nimmt das zum Anlass, Mediengeschichte zu schreiben. Erstmals wird nicht wie allerorten die ganze Fernsehtalkshow besprochen, sondern ein einzelner Gast einer gesonderten Kritik unterzogen. Wenn das so weitergeht, können wir bei durchschnittlich vier Gästen pro Illner, Maischberger, Beckmann, Kerner und Konsorten gleich damit rechnen, dass auf den relevanten Homepages der deutschen Massenmedien ausser Talk-Show-Besprechung gar nichts mehr stattfindet. Huxley hätte doch Recht gehabt.
Das Thema der Rezeption der deutschen Polit-Talk-Show und ihres öffentlich-rechtlichen Derivats (Kerner, Beckmann) liegt mir schon lange auf der Zunge. Genaugenommen handelt es sich um Onanie.
Deshalb provozierte Broders Auftritt im Fernsehstudio. Kein Streit , kein lautes Wort, sondern Ironie und unverhohlenes Frotzeln. Der Mann sucht seinen Therapeuten selbst. Selten so gelacht.
5 Kommentare
Ich habe seit längerem keine FAZ/FAS mehr gelesen. Wenn die Qualität der Print-Ausgabe vergleichbar mit FAZ-Online ist, hab ganz offensichtlich nichts verpasst.
wann war die faz doch gleich eine konservative zeitung? wenn ich solche artikel lese, in denen die verrohte ellenbogengesellschaft verteufelt und ein gemütliches und verantwortungsloses kuschelland für alle propagiert wird, dann kommt bei mir der verdacht auf, dass die fr die faz-redaktion übernommen hat.
leute wie bartetzko fühlen sich wohl im christiansen-will-illner-journalismus. mit so viel takt und anstand sollte man dann aber lieber für die “apotheken umschau” arbeiten.
Henk soll gut in Form gewesen sein.
Die schlechten Kritiken in linken Tageszeitungen sind m.E. u.a. auf den Konflikt mit dem affigen Stefan Niggemeier und seine Positionierung pro Wilders zurückzuführen.
@ Constantin und ChristianHannover
Das FAZ-Feuilleton hat traditionell einen breiteren Meinungskorridor - das heißt auch: einen höheren Gutmenschenquotienten - als der Politikteil (trotz Palästina-Korrespondent Jörg Bremer). Schon Joachim Fest hievte Autoren ins Feuilleton, die links wie rechts wenig oder überhaupt nichts mit dem mehr oder weniger konservativen Mainstream der Zeitung zu tun haben.
Und das war und ist eben auch aus einer liberalen Perspektive (ich schließe mich da ein) wahrlich nicht immer ästhetisch, aber doch insgesamt betrachtet nicht auf SZ- oder FR-Level. Moralinstrotzende Leitartikel à la Prantl und Ahmadineschad-Beschönigungen à la Katajun Amirpur oder Vergleichbares in derselben Menge habe ich jedenfalls in der FAZ bislang noch nicht gefunden.
Der hier bearbeitete Autor ist wohl älteres Baujahr und Architekturkritiker und geistert im Feuilleton der FAZ herum, hat sich wohl empört beim Betrachten der Sendung, anders ist der Einwurf kaum zu erklären.