Wenn “Bundeskanzlerin” Angela Merkel nicht gerade mit neuen Dekolletés experimentiert, versucht sie einen globalistischen Neo-Malthusianismus zu erfinden. So sieht Angela Merkel (anders als z.B. Ökonomen der Weltbank) keinen Zusammenhang zwischen der gestiegenen Biosprit-Produktion und steigenden Nahrungsmittelpreisen. Stattdessen sieht sie die Ursachen in der sehr “unzureichende[n] Agrarpolitik der Entwicklungsländer” sowie in der Änderung der Essgewohnheiten in den Entwicklungsländern. Dabei meint Merkel festgestellt zu haben, etwa 300 Millionen Inder nähmen mittlerweile eine zweite Mahlzeit am Tag ein und 100 Millionen Chinesen tränken mittlerweile Milch - dadurch “verzerren sich natürlich unsere gesamten Milchquoten und vieles andere.”
So weit so gut. Dass bei einer Erhöhung der nachgefragten Menge die Preise reagieren, ist tatsächlich wahr. Von einer politischen Entscheidungsträgerin ist aber zu erwarten, dass sie nicht nur ruminterpretiert, sondern Ursache und Wirkung benennt (wozu sie als promovierte Physikerin prädestiniert sein sollte) und politische Schlussfolgerungen artikuliert. Wenn sich durch rotchinesischen Milchkonsum die Milchquoten verzerren, dann ist die milchquotierte EU-Agrarplanwirtschaft das Problem (immerhin scheint Merkel seit ihrer FDJ-Zeit gelernt zu haben, dass Planwirtschaft vor allem deshalb nicht funktioniert, weil die Handlungen der Produzenten und Konsumenten sich nun mal nicht so entwickeln wie von den Planern angenommen). Auch die malthusianische Schlussfolgerung, ein exponentielles Bevölkerungswachstum führe zwangsläufig erst zu steigenden Nahrungspreisen und dadurch dann zu Kriegen, Genozid und Hungerkatastrophen, weil die Lebensmittelproduktion nur proportionale Steigerungen zulasse, lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn man die Einflußfaktoren auf Nahrungsproduktion und -preise korrekt eingrenzt.
Wenn Merkel mit “unzureichende[r] Agrarpolitik der Entwicklungsländer” meint, dass dort nur unzureichend in landwirtschaftliche Produktion investiert wird, dann muss sie auch die Frage nach der Ursache stellen. Die wurde in diesem Blog schon in einem Beitrag von euckenserbe treffend erörtert: Durch “Entwicklungshilfe” und (vor allem von der EU) subventionierte Nahrungsmittelexporte werden die einheimischen Märkte und jegliche Motivationen für Investitionen zerstört.
14 Kommentare
Merkel geschieht das was fast allen ihrer Vorgängern auch geschehen ist: Sie erfährt eine Persönlichkeitsänderung, hebt ein wenig ab und versucht Politik als Verwaltungsarbeit mit dem Extrafaktor Akzeptanz zu bearbeiten. [1]
Auch in anderen Ämtern erwischt es anfänglich brauchbar wirkende Politiker in schöner Regelmässigkeit, bspw. war Köhler mal ein verständiger Wirtschaftsfachmann und Systemversteher. Es gab im Amt des Bundespräsidenten nach meiner Erinnerung nur den Herzog, der sein Niveau halten konnte.
[1] Helmut Kohl stand auch mal für Werte anfänglich; wie weit der Verfall Merkels schon fortgeschritten ist zeigt anschaulich ihr Dekollete(richtig geschrieben?)-Auftritt. Bei Helmut äusserte sich der Verfall in Redewendungen wie “was hinten rauskommt”, bei Merkel steht ab jetzt die Drohung im Raum die Möpse rauszuholen.
Und was fällt Merkel zu den Ernährungsgewohnheiten ihres politischen Ziehvaters Helmut Kohl ein ? Von dessen Speiseplan könnten sich vermutlich 3 globalisierte Inder vortrefflich den Magen vollhauen …
Ohne Frau Merkel in Schutz nehmen zu wollen aber zwischen “keinen Zusammenhang sehen wollen” und “nicht die Hauptschuld geben” besteht immerhin ein Unterschied.
Man sollte sich zumindest wundern wenn Frau Wieczorek-Zeul eher das Schwergewicht auf die Bio-Sprit Erklärung legt, ohne dabei allerdings ihrerseits in monokausale Erklärungsmuster abzudriften. Sie vernachlässigt dafür einige Komponenten der Hungerrevolten und der miesen Ernährungssituation, nämlich die miserable Entwicklungspolitik und Agrarpolitik in der EU; autoritäre Regimes, denen es scheißegal ist ob ihre Untertanen was zu fressen haben; Attacies, die Agrarprotektionismus fordern und fördern; Agrarromantiker, die Biotechnologie für etwas böses und Gentechnologie für Teufelswerk halten und eben wohl auch die von Frau Merkel erwähnten veränderten Ernährungsgewohnheiten in Asien.
Jedes einzelne dieser angesprochenen Themen ist aber so komplex, dass sich eigentlich jede monokausale Erklärung verbietet.
Die Biosprit-Geschichte ist aus vielen anderen Gründen, und nicht nur hauptsächlich wegen der z.Z. prekären Welt-Ernährungslage abzulehnen. Vor allem ist sie schädlich für das was die Environmentalisten “Umwelt” nennen.
In diesem Kontext fordern einige sogar die Rückkehr zu “traditioneller Landwirtschaft”. Wirklich erschreckend.
“Durch “Entwicklungshilfe” und (vor allem von der EU) subventionierte Nahrungsmittelexporte werden die einheimischen Märkte und jegliche Motivationen für Investitionen zerstört.”
(europäisches Milchpulver in Afrika, Ghana, Burkina Faso usw. wird dort unter Herstellungspreis verkauft, wer das große Faß nimmt, bekommt nochmal Rabatt - was für ein Irrsinn, und Frau Wieczorek-Zeul schaut zu)
Stimmt, allerdings gibt es noch eine Möglichkeit der Einflußnahme von Europa auf Afrika, nämlich Erpressung, was nachweisbar ist. Frei nach dem Motto, du lieber Herrscher bekommst saftige Entwicklungshilfe, gute Autos kosten ja schließlich, aber laß uns in Ruhe mit Euren Agraprodukten.
Wer sich doch dagegenstellte, bekam deutlich weniger finanzielle Hilfen.
Auch das ist Realität, nur darüber spricht kaum jemand. Genauso wenig wie Joschka Fischer (und bestimmt auch andere) sehr ungern hört, daß es Rot-Grün erfolgreich geschaft hat, Deutschland wieder an den Tisch der kriegsführenden Parteien geführt hat. Wahrscheinlich ging es auch nur mit Rot-Grün und einem Fischer an der Front, da sonst das Volk möglicherweise nicht mitgespielt hätte.
Übrigens, für die Gute Frau Wieczorek-Zeul spielt Darfur auch keine Rolle, wie für so manche, naja, warum auch, bei der Demo letztes Jahr in Berlin hat sie ja durch Abwesendheit gezeigt, was deutsche Entwicklungshilfe für Darfur bedeutet, nämlich nichts.
@ Sky
“Jedes einzelne dieser angesprochenen Themen ist aber so komplex, dass sich eigentlich jede monokausale Erklärung verbietet.”
Ich versuche es trotzdem mal.
Was sagst du zu dem Erklärungsversuch, Geld wodurch Einflußnahme so gut wie garantiert ist ?
“Was sagst du zu dem Erklärungsversuch Geld, wodurch Einflußnahme so gut wie garantiert ist ?”
Auch erschreckend.
@ Anonymus,
brauchst du etwa kein Geld? Kein Wunder, dass du kein Einfluss hast!
Wie hieß es doch mal so schön?: - ohne Knete keine Fete!
@ alibaba
So kann man natürlich auch eine Debatte(?) abwürgen. Klar brauche auch ich Geld, nur geht diese Bemerkung, nach meinem Dafürhalten, am Thema vorbei.
Wer sagt dir, daß ich kein Einfluß habe, wer sagte, daß ich kein Geld habe ? Ich bezog mich mit meiner Bemerkung zum Geld auf die Entwicklungshilfe-Un-Politik, und nicht auf individuelle Kontostände.
Um nochmal zum eigentlichen Thema zurückzukommen, auch falls es schwierig sein sollte.
Du meintest, “die Biosprit-Geschichte ist aus vielen anderen Gründen, und nicht nur hauptsächlich wegen der z.Z. prekären Welt-Ernährungslage abzulehnen. Vor allem ist sie schädlich für das was die Environmentalisten “Umwelt” nennen.”
Das sehe ich etwas differenzierter. Es gibt noch mehr Möglichkeiten Biosprit herzustellen, als nur teils andere Sorten anzubauen, die mehr verwertbare Biomasse bringen, oder z.B. den Zuckerrohr fast komplett zu Biosprit umzuwandeln.
Die Methode, auch wenn sie zweideutig klingen mag (war ja nicht meine Idee) heißt vergasen. Mit dieser relativ neuen Methode, kann man auch aus Festholz bzw. Festholzabfällen, Stroh etc., die zu Hauf anfallen, Biosprit herstellen. In Dresden ist man da schon relativ weit, allerdings von großtechnischen Anlagen noch etwas entfernt, da heißt der Biosprit dann “Sun Fuel”. Kohle kann man ürbrigens auch, anstatt einfach zu verbrennen, über den Weg des vergasens, zu flüssigem Treibstoff umwandeln.
Fete mag i ned, ich mach lieber Party. ;)
@ alibaba
Dein Kommentar geht wunderbar am Thema vorbei - ein Monument deiner geistigen Größe !
Genieß es !
Es ging um die Entwicklungshilfepolitik bzw. deren offensichtliche Schwächen, die auch keiner der Politiker im Moment ändern will und nicht um individuelle Kontostände.
Tschüß.
@ anonymus,
“Was sagst du zu dem Erklärungsversuch, Geld wodurch Einflußnahme so gut wie garantiert ist ?”
Dein “Erklärungsversuch” geht wunderbar am Thema vorbei - ein Monument deiner geistigen Größe !
Die Analyse von Horst ist ebenfalls erschreckend:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,548504,00.html
Es sind also die bösen Amerikaner schuld, die erpressen. Schön knackig diese Analyse unseres Superpopulisten.
Hotte (Gang)seehofer als Greenpeace-Maskottchen - nicht erschreckend, sondern zum Kotzen.
Wirklich witzig dieser Vorworf der Öko-Faschisten an Monsanto, Druck auf Regierungen auszuüben, wo sie doch selber ganz sensible Aktionen starten, die wie Streiks alles nur keinen Druck bewirken sollen.
Nun, Greenpeace, attac und auch die Gewerkschaften sind auch keine gewinnorientierte Organisationen und leben nur von Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Sie haben auch (fast) kein eigenes Geld - und natürlich keinen Einfluss. Sie bringen nur öffentliche Güter, sowie ganze Ministerien in Organisationsbesitz.
Der ganze Artikel ist zum Kotzen, um Horst zu unterstützen, schreibt die SPOn-Re(d)aktion:
“Die gestiegene Nachfrage nach Lebensmitteln hat in den vergangenen Monaten zu drastischen Preissteigerungen geführt. In den Entwicklungsländern können die Menschen nicht einmal mehr Grundnahrungsmittel wie Reis oder Weizen bezahlen. Schon jetzt müssen rund 800 Millionen Menschen hungern, und es drohen mehr zu werden.”
Da wird Nachricht und Meinung ganz merkwürdig vermischt, wenn die wenigstens nur Horst zitieren würden. Bei der SZ, SPIEGEL und den Ö/Ren scheint sowas zum guten Ton zu gehören. Die Nachricht mit eingebautem Kommentar so zu sagen, LOL.
Erschreckend was der Bericht hergibt, und noch überraschter die Version der Angela Merkel.
Wenn ich bisher noch nicht weis, wie Politiker ticken, spätestens hier wird es einem bewusst.
Ein Trackback
[...] 19 April, 2008 · No Comments Nicht nur die Biokraftstoffe entwickeln sich weiter, auch die Ausreden der Politiker werden abenteuerlicher. Nicht ohne Grund sah sich unsere Bundeskanzlerin gezwungen, bei der [...]