Viktor Kocher: Hamasmann bei der NZZ

Allmaehlich wird es selbst mir langweilig. Beim Lesen von Viktor Kochers neuestem Propagandageschreibsel musste ich gaehnen. Aus purem Pflichtgefuehl eine kurze Kritik. Ich kann nicht versprechen, dass mein Pflichtgefuehl auch in Zukunft ausreichen wird.

Mit Düstere Aussichten im Labor für «Smart Sanctions» ist bereits ein ominoeser Titel gelungen.

“Labor” suggeriert Menschenversuche. Wie schon einmal bemerkt, laesst hier Mengele gruessen und damit der sog. sekundare Antisemitismus. Nur dachte ich eigentlich, der sei mehr eine deutsche Spezialitaet. Sollte die NZZ auch schon fest in der Hand von deutschen Gastarbeitern sein?

Bei seiner Beschreibung der Situation im Gazastreifen stuetzt sich Kocher auf den Sprecher des Islamischen Jihads, einen Parlamentssekretaer (wahrscheinlich von der Hamas, aber nach Kocher “viel weniger militant”) und einen generischen “Akademiker”. Alle sind sich einig darin, dass der Gazastreifen eine menschengemachte Katastrophe ist.

Nun koennte ja jemand auf den Gedanken kommen, dass die Katastrophe etwas mit der gewaltsamen Machtuebernahme der Hamas vor knapp einem Jahr zu tun haben koennte und vielleicht auch etwas mit dem intensiveren “Widerstand” gegen die (abgezogene) Besatzungsmacht.

Aber das liegt den Propagandafunktionaeren im Gazastreifen fern und Viktor Kocher offensichtlich auch. Die Raketen kommen bei ihm nur am Rande vor: Israel bombardiere “angebliche Werkstaetten zum Raketenbau”, heisst es bespielsweise. Soll das heissen, dass es im Gazastreifen keine solchen Werkstaetten gibt, weil alle Raketen schon fertig ueber die aegyptische Grenze oder ueber’s Meer eingefuehrt werden?

Wieder lesen wir, dass Israel nach Viktor Kocher Freude daran habe, ueber unschuldige Zivilisten kollektive Strafen zu verhaengen. Diesmal erfahren wir aber zu unserer Ueberraschung, dass Israel nicht allein auf diese Idee kommt, sondern offensichtlich von den USA und der EU dazu gedraengt werden muss! (Frau Calmy-Rey uebernehmen Sie, offensichtlich hat nur die Schweizer Aussenpolitik das noetige, moralische Format, endlich klar Partei zu ergreifen.)

Weiter lernen wir, dass die Hamas - die doch in Fortfuehrung guter, pal. Tradition alle 5 Minuten eine humanitaere Krise ausruft - stattdessen vertusche, wie schlecht es den Menschen im Gazastreifen wirklich gehe.

Die einzigen verbliebenen Arbeitgeber sind die palästinensischen Behörden.

Als waere das nicht genau das angestrebte Ergebnis pal. Politik seit Arafat nach dem Muster anderer, arabischer Staaten: Abhaenigkeit der Bevoelkerung vom Machthaber.

Die israelische Blockade erlaubt nur den allernötigsten Nachschub an Treibstoffen. Der Verkehr in den Strassen von Gaza ist zur Stosszeit nicht dichter als anderswo um Mitternacht. Immer wieder versagen Ambulanzen und Notfalldienste mangels Benzins.

Der Leser koennte annehmen, dass auch das von Hamas gewollt ist, wuerde ihm nicht von Kocher und der NZZ vorenthalten, dass die Hamas selber etwa die Haelfte der Treibstofflieferungen fuer eigene Zwecke abzweigt. Widerstand hat eben Vorrang vor Krankenwagen.

Und das umso mehr, als auch Kranke wunderbar fuer Hamaspropaganda eingesetzt werden koennen. Die Hamasluege du jour ist eben die Gesundheitslage.

Press said that while the IDF was stringent with its screening of sick Palestinians - due to daily terror attacks in Gaza and attempts to smuggle suicide bombers into Israel this way - over 90 percent of the requests were approved to visit Israeli hospitals.

In 2007, 7,226 permits were granted to sick Palestinians to travel to Israel, an increase of over 50% from 2006 when 4,754 were allowed in.

All of those who receive permits are allowed to bring a family member to accompany them to Israel. Since the beginning of the year, 2,317 Palestinians have been allowed into Israel for medical treatment.

The 10 percent denied permits - due to security threats - are, however, given the opportunity to take an Israeli shuttle to the Allenby Bridge and cross into Jordan or down to a crossing into Egypt.

Das sind wieder Fakten, mit denen Kocher den Leser nicht verwirren will…

Stattdessen verkuendet er uns, dass bei die Hamas fuer Ordnung und Sicherheit gesorgt hat. Komisch nur, dass die Bewohner des Gazastreifens das selber ander sehen: Frage 17, 54.3% sehen die Sicherheit ihrer Person und Familie nicht gewaehrleistet.

Nur die Kompromisslosigkeit der Hamas gibt Kocher Anlass zur Sorge: Wie soll er weiterhin plausibel dafuer werben, dass Israel mit Hamas verhandeln muesse, wenn selbst Jimmy Carter Minuten nach dessen Presseerklaerungen blamiert wird?!

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