“Raubtierkapitalismus” und günstige Nahrungspreise

Bauernführer Sonnleitner hat ein Problem damit, dass Aldi, Lidl, Edeka und Rewe ihre Milchpreise um ca. 12 cent senken (nach Angaben der Bauernverbände beträgt der Preisrückgang in der Breite ca. 14% - nachdem der Preisanstieg im letzten Jahr knapp 50% betragen hatte). Nach Sonnleiter habe insbesondere Aldi zum Schaden der Bauern seine Marktmacht missbraucht:

Dies hat nichts mehr mit sozialer Marktwirtschaft, mit Verantwortung für Bauern, Gesellschaft und Verbraucher zu tun, sondern dies ist Raubtierkapitalismus!

Vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) wird behauptet, die neuen Preise wären Resultat eines Preisdiktats, mit dem vor allem Marktführer Aldi die Molkereien massiv unter Druck gesetzt hätte.

Der Milchindustrieverband sieht die Zusammenhänge weniger ideologisch: Das Angebot sei derzeit größer als die Nachfrage und es gebe Exportschwierigkeiten durch eine geringere Preisstützung sowie den starken Euro.

Unabhängig von den tatsächlichen Einflussfaktoren auf die Preisbildung hat Sonnleitner schon mal Konsequenzen angekündigt: “Deshalb schlagen wir jetzt hart zurück.”

Der Globalökonom Sonnleitner prognostiziert aber gleichzeitig steigende Nahrungspreise für die Zukunft (was nach seiner Logik ein Ausdruck von Marktohnmacht sowie ausgeprägter Sozialer Marktwirtschaft und dementsprechend erfreulich sein müsste): “Für die Verbraucher ist die Zeit niedriger Lebensmittelpreise vorüber.” Die Preissteigerungen seien aber weder auf die EU-Agrarpolitik noch auf Biosprit zurückzuführen. In einer Reihe von Entwicklungsländern und Schwellenländern habe die Landwirtschaft große Fortschritte gemacht. “In anderen Ländern wird auf dem Land nicht mehr gearbeitet, sind die Menschen in die städtischen Slums geflüchtet.”

Neben (kapitalistischen) Raubtieren sind es außerdem noch andere Bekannte, die Sonnleitner identifiziert: “Die Heuschrecken richten sich nun auch auf Agrarrohstoffe”, bei den Nahrungsmitteln trieben Spekulanten genauso ihr Unwesen wie bei den Banken.

Sollte Sonnleitner recht haben, dass soziale Marktwirtschaft was mit “Verantwortung für Bauern, Gesellschaft und Verbraucher” (wer oder was immer “Gesellschaft” oder “Verbraucher” sein mögen) zu tun hat und “Raubtierkapitalismus” sich in günstigen Nahrungspreisen für den Einzelnen äußert - dann fällt mir die Entscheidung nicht allzu schwer, welche Wirtschaftsordnung ich bevorzuge.

3 Kommentare

  1. euckenserbe
    Mi, 23. Apr 2008 geschrieben in 10:08 | Permalink

    Milch als Biokraftstoff - das wäre doch die Lösung. Aber die Kühe bräuchten dann noch einen Methan-Kat.

  2. Constantin
    Mi, 23. Apr 2008 geschrieben in 14:19 | Permalink

    Die Idee gefällt mir. Nur ist es dann eine Frage der Zeit, bis die Bundesregierung eine Molkekraftstoffsteuer einführt.

    Ich bin auch am Überlegen, in Milch-Futures zu investieren …äh, ich meinte zu spekulieren :-)

  3. euckenserbe
    Mi, 23. Apr 2008 geschrieben in 14:52 | Permalink

    so ließe sich auch die Kriminalität eindämmen. Schließlich hat eine Umfrage ergeben, dass 100% aller Gefängnisinsassen in ihrer Kindheit Milch getrunken haben. Wird die teurer, haben wir weniger Kriminelle.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *

*
*