Nicht bei Kerner. Auch der geballte Auftritt der Achse am Dienstagabend hat meine Grunderkenntnis nicht erschüttern können: Der “Höhepunkt” der klassischen Talk-Show war gekommen, als Nina Hagen im österreichischen “Club Zwei” gekonnt zwischen ihre Beine griff, um einen solchen mindestens zu simulieren. Seither - und das war wohl 1979 - geht es mit dem Genre bergab. Maybritt Ilner hat Recht, wenn sie ihren Absager, sie wünsche viel Freude bei der “Vermehrung der gewonnenen Erkenntnisse “, abgeschafft hat. Nun sollen wir, sagt sie, wenigstens heiter bleiben, irgendwie.
Das konnte man auch am Dienstagabend beobachten, als es um Biofood, die Welternährungskrise, die Fleischerinnung, Veganer und das neueste Buch von Maxeiner&Miersch ging: Gelungene Promotion und auch noch kostenlos (nicht umsonst): Das Buch trägt den vielsagenden Titel „Biokost&Ökokult: Welches Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt” und war während der weniger aufregenden Teile des Gesprächs als extra im Studio aufgenommener „product-shot” zu sehen. Im Werbefernsehen geht es auch nicht besser.
Hoffen wir, dass die Auflagenzahlen in die Höhe schnellen, denn Miersch und Stadler (Video oben) sagten zwar viele gute Sachen, waren aber mit dem Schlagabtausch mit der Öko-Köchin Sarah Wiener (Miersch) oder der Unterstellung, sie seien von der propagandistischen Gen-Industrie gekauft (Stadler) nicht ausreichend in Szene gesetzt.
Die Schwäche der Talk-Show ist ihr mangelnder Realitätsbezug. Anders als Plasberg, der mit seinem Touchscreen und dem anschließenden „Fakten-Check” wenigstens den dreistesten Lügner mit Entlarvung abschreckt, bleibt bei Maischberger, Will und Illner das Absolute ungefähr. Da bleibt die Schlussbemerkung von Marcel Reich-Ranicki im literarischen Quartett empfehlenswert. Geklaut bei Goethe Brecht. “Und wir sehen betroffen: Den Vorhang zu und alle Fragen offen.”
6 Kommentare
öh, was?
da war noch was zu viel….
Das Buch von MAxeiner&Miersch hat den Amazon-Rang 48 erklommen, nicht schlecht. Ich muss dir zustimmen, dass in dem verbalen Durcheinander die Argumente von Miersch und Stadler nicht so recht zum tragen kamen. Das war zumindest von seiten Stadlers auch etwas selbstverschuldet, da er gleich mit einer Sachpolemik startete, die für den Durchschnittsfernsehzuschauer zu anspruchsvoll war und auch die Talkshow-Gegner etwas sehr brüskierte. Zudem konnte der Metzger mit seiner bäuerlichen Tränendrüsenvolkstümlichkeit nicht überzeugen und hat damit die Zuschauer wieder in die Arme von Frau Wiener getrieben. Man kann nur hoffen, dass einige Zuschauer durch die Bucheinblendung tatsächlich zu Lesern werden. Manche Argumente müssen nämlich erst einwirken…
aber der schlachter hat (hier zumindest) für schöne lacher gesorgt :-)
Interessanter Artikel, aber der Schlußsatz den Reich-Ranicki zitiert ist nicht von Goethe sondern aus Brechts “Der Gute Mensch von Sezuan”.
Danke für den Hinweis.