Die öffentliche Debatte muss sich stärker als bisher für die gehaltvollen Fragen der Politik öffnen, für solche Aspekte des Politischen, die mit dem zusammenhängen, was wir alle meinen, wenn wir fragen: Wie wollen wir leben? Das setzt Unterscheidungsvermögen voraus, Differenziertheit im Denken und Sprechen, zu der zentral auch die Medien aufgerufen sind, um politische Vorgänge nicht nur als Machtpoker von Ehrgeizlingen erscheinen zu lassen, sondern als Ausdruck und Stärkung von Demokratie.
Das Private ist nicht politisch. Ich will leben, wie ich will und nicht wie die demokratische Mehrheit. Mein Leben gehört mir.
Zunächst möchte ich feststellen: Die Linkspartei ist nicht einfach die Kontinuität der SED. Dazu ist sie viel zu heterogen. Und dazu hat sich in ihr auch zu viel entwickelt. Aber Sie haben recht, das Unbehagen wirft unter dem Gesichtspunkt der politischen Moral eine zentrale Frage auf. Ich muss mir diese Frage stellen im Blick auf jene, die in Bautzen gelitten haben. Das heißt, ich muss sehen, ob meine Antwort nicht nur theoretischen, philosophischen Anforderungen genügt, sondern ob sie auch die notwendige Empathie zum Ausdruck bringt gegenüber Menschen, die zerbrochen worden sind, die dauernde Schäden davongetragen haben. Das sind jedenfalls die Überlegungen, die ich dazu anstelle. Insofern respektiere ich völlig, wenn jemand, der derartige Erfahrungen hinter sich hat, nun sagt: Mit denen von der Linkspartei kann und will ich nicht.
Und was ist mit jenen, die es nicht bis Bautzen geschafft haben, sondern in Ost-Berlin, Dresden oder Schwerin eingesperrt waren? Die ihr Leben nicht führen durften, wie sie wollten, keine freie Berufswahl genossen (ha!) und keine Chance auf Reisefreiheit, Glaubensfreiheit, Video-Recorder oder Automobil?
Wem jetzt immer noch nicht schlecht ist, der kann ja hier weiterlesen. Gesine Schwan ist keine moralische Instanz, sondern ein lupenreiner Teil des Establishments. Sie will nur eines – und das um jeden Preis: Bundespräsidentin werden.




4 Kommentare
oder die, die erschossen im Grenzzaun hängengeblieben sind.
Gesine kommt halt einerseits moralinsauer daher, zeigt aber die typischen ethischen Schwächen der pol. Linken. Zudem ist sie renitent, ich fühle mich an Gustav H. erinnert, den alten Sauertopf.
In der angeblichen Heterogenität der SED den Beweis zu sehen, dass diese Parte nicht einfach die Kontinuität der SED ist, damit macht sich es die Dame viel zu leicht. Ernstnehmen sollte man das Gequacke der Schwänin auch nicht, denn es trifft zu, dass sie nur eines will – und das um jeden Preis: Bundespräsidentin werden.
Meines Erachtens kommt sie auf gar keinen Fall als Bundespräsidentin in Frage. Allein schon wegen ihrer Einstellung zur SED und der Machtgier. Die SPD sollte sie schleunigst aus dem Rennen nehmen, denn indem die SPD mit der SED zusammengeht und diesen damit zu einer Perspektive verhilft, schaufelt sich die SPD ihr eigenes Grab.
(Nicht ganz OT:) Das staatliche Propagandafernsehen vermeldet grade hier, daß die EU es für nicht akzeptabel hält, die Frage, wer in einer Familie die Erwerbsarbeit und wer die Erziehungsarbeit übernimmt, von der Familie selbst entscheiden zu lassen. Genossin Mutter, du weißt, das ganze Gerede von “Selbstbestimmung” ist reaktionär-bourgeoise Sentimentalität, falsches Bewußtsein, denn deine Arbeitkraft gehört dem Führer … äh, der sozialistischen Gesellschaft, und wie und wo sie eingesetzt wird, teilt dir deine örtliche Plankommission mit.
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[...] paar Worte zur Links-Präsidentinkandidatin Gesine Schwan, bezogen aus deren eigenen Worten, finden sich bei [...]