Ein Ausweis ganz besonderen Größenwahns ist der Artikel über Blogger in der aktuellen Printausgabe des Spiegels. In dieser wird die Blogosphäre in Deutschland pauschal des Dilettantismus geziehen. Man kann den Artikel angesichts des fortschreitenden Qualitätsverfalls in der Brandstwiete getrost eine Frechheit nennen. Dass der Spiegel schon lange kein Qualitätsmedium mehr ist, sollte inzwischen ausser Frage stehen. Dazu kann man Zettels Raum konsultieren oder auch dieses bescheidene Weblog.
Die hiesigen Blogger als durchweg unprofessionellen, zweifelhaften Haufen zu bezeichnen, ist gewiss nicht völlig unberechtigt. Schliesslich gibt es Blogger wie Sand am Meer, die nicht relevant, nicht gut, nichts Richtiges schreiben können oder wollen. Aber dann gibt eben auch die metaphorischen Bernsteine. Würde man 100 Seiten pro Woche füllen wollen und dazu aus dem Feld der Blogs das Beste wählen, das Ergebnis würde zweiundfünfzigmal im Jahr den Spiegel übertreffen.
- Der Spiegel deckte die Präsidentschafts-Vorwahlen nicht annähernd so kenntnisreich und tiefgehend ab, wie Florian Reinhold in Pennsylvania Avenue.
- Der Spiegel vermittelt Wissen über die Vereinigten Staaten nicht annähernd gut wie Scot Stvenson in USA Erklärt.
- Der Spiegel verfügt nicht über die ökonomische Expertise von Wirtschaftliche Freiheit.
- Im Gegensatz zum Spiegel kann man sich im Weblog Sicherheitspolitik wirklich fundiert über den War on Terror informieren
Die Liste liesse sich für jeden Blogleser anders (und länger) zusammenstellen. Egal wie sich die Interessen eines Bloglesers zusammensetzen, es lässt sich immer eine Zusammenstellung finden, die das Informationsbedürfnis befriedigt und dem Spiegel qualitativ überlegen ist. Dass der Spiegel sich seit langem zum Boulevardblatt entwickelt, wird auch nicht durch das Schattenboxen gegen die Blogger kaschiert. Blogger sind per Definition nicht dazu verpflichtet, gut zu sein. Journalisten dagegen müssen sprachlich und handwerklich über dem Durchschnitt liegen. Mit immer mehr Bloggern, die aus purer Freude an ihrem Hobby Besseres schreiben als Spiegel-Journalisten, wäre ein wenig mehr Demut in der Brandstwiete angezeigt.
P.S.: Ein Magazin können wir sowieso machen, vgl. unser PDF-Magazin E Pluribus Unum. Die Frage nach dem ersten Projekt aus der Blogosphäre, das die Dead-Tree-Media spürbar angreift, ist keine des ob, lediglich eine des wann,
Trackbacks:
- Von Der Spiegel gegen Blogger in Deutschland? | www.tutsi.de
- Von Liebe Spiegel Redakteure habt ihr Langeweile?
- Von Qualitätsjournalismus vs. die Beta-Blogger - Hilfe beim Leben
Weitere Blogger zum Thema (Liste von hier):
- Spiegel: Unsere Blogger können´s nicht in der Nürnberger Zeitung:
“…es ist Sommer. Da fangen wir Journalisten immer an, eher abseitige Themen aufzugreifen. Der Spiegel beschäftigt sich in seiner neuesten Ausgabe nun mit den Bloggern und schustert so das Sommerloch zu. Und damit das nicht so nach Zuschustern aussieht, wird es mit provokanten Thesen kaschiert…”
(Quelle und Originaltext: blog.nz-online.de)
- Der Spiegel gegen Blogger in Deutschland bei “Tutsi”:
“…Liebe allwissende Spiegel-Redaktion: Es ist den zigtausenden Blogs in Deutschland wahrscheinlich scheißegal, dass Eure Schreiberlinge bewundernd über den großen Teich blicken und lediglich ein müdes Lächeln für PRIVATE Blogs übrig haben, denn hier werden Blogs NICHT für das goldene Kalb der Selbstdarstellung und Profitgier ins Leben gerufen, sondern um direkt und unzensiert seine Meinung kund zu tun…”
(Quelle und Originaltext: Tutsi) - Nachrichtenmagazin im Sommerloch bei “Alter Falter”:
“…im Sommerloch 2007 beschwor das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL “Die Gelbe Gefahr” , in diesem Jahr legen sich die SPIEGEL-Redakteure Markus Brauck, Frank Hornig und Isabell Hülsen in ihrem Artikel “Die Beta-Blogger” mit der deutschen Blogosphäre an…”
(Quelle und Originaltext: Alter Falter) - Blogger sind unpolitisch und rechthaberisch im “Moehblog”:
“…der Spiegel braucht dringend Leser, daher werden die Blogger angegriffen, oder hat der Spiegel etwa Recht? Der Artikel vom Spiegel Online meint das die Blogger in Deutschland unpolitisch, rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell arbeiten. Der Spiegel zieht auch gern den Vergleich mit den USA. Im Vergleich zu den USA, wo es die gut bezahlten Alphatiere gibt, sind in Deutschland “allenfalls Beta-Blogger statt massenmediale Alphatiere”…”
Quelle und Originaltext: Moehblog)
Bild: Der Spiegel von asvensson unter CC-Lizenz (BY-NC)





9 Kommentare
Der Link, der auf USA erklärt verweisen soll, führt zu “Wirtschaftliche Freiheit”.
Ich kann die Sorgen des “Spiegels” verstehen, denn er wird zunehmend irrelevant. Sein eigenes Onlineangebot wird offenbar von Praktikanten gestaltet und ist mit wenigen rühmlichen Ausnahmen (z.B. Yassin Musharbash) grottenschlecht. Auch gute Journalisten wie Musharbash holen sich ihre Theman zudem sehr offensichtlich immer mehr aus Blogs von Leuten, die sich sehr intensiv und kompetent mit einzelnen Themen beschäftigen. “Spiegel Online” greift auch im besten Fall Themen auf, die woanders schon behandelt wurden, und im Printspiegel kann man dann einige Zeit später eine meist oberflächliche Darstellung lesen, die häufig noch Fakten weglässt, die man dem deutschen Leser nicht zumuten möchte. Ich selbst habe irgendwann die Lektüre des Spiegels eingestellt, weil sie keinen Mehrwert mehr brachte.
Wenn man bedenkt, dass die meisten Blogger kein Geld mit ihren Blogs verdienen und nur als Hobby bloggen, dann ist die Bilanz von Medien wie dem “Spiegel” wirklich beschämend. Selbstkritik wäre hier angebrachter als die Diffamierung erfolgreicherer Alternativen.
Für nette Korrekturhinweise wird einem auch nicht mehr gedankt, was? Mensch, mensch …
Danke für die Erinnerung :-p
;-)
Off Topic: Wie kann ich denn dieses Bilchen neben meinem Namen ändern?
http://en.gravatar.com/
@ Marco
Indem Du Dir einen WordPress Account zulegst (kostet nichts und geht auch ohne dort zu bloggen) und Dich vor dem Kommentieren dort anmeldest.
> Der Spiegel vermittelt Wissen über die Vereinigten Staaten nicht annähernd gut wie Scot Stvenson in USA Erklärt.
Der SPIEGEL vermittelt m.E. fast ausschliesslich antiamerikanische Meinungen und hat mit Pitzke, Mascolo und einigen anderen Tiefpunkt nach Tiefpunkt gesetzt.
Lustigerweise berichtet der SPIEGEL aus diktatorisch geführten Ländern wiederum tendentiell verständnisvoll, das war zu den Zeiten der UdSSR so, das ist jetzt so mit der Putz in Ramallah. Da gibts weitere Beispiele.
Warum das so ist ist mir unklar, ich vermute aber, dass es bei der Putz auch Sorgen gibt, dass die bei kritischer Berichterstattung abgemurkst wird.
Bei der merkwürdigen Berichterstattung des SPIEGELs aus Moskau spielten finanzielle Gründe hinein, man wollte nicht, dass die dort eingebetteten Journalisten die Akkreditierung verlieren. Zudem hatten die Sowjet-Apparate noch andere Konditionierungsmöglichkeiten. Und last but not least waren (und sind) viele SPIEGEL-Leute sehr links.
5 Trackbacks
[...] Die Konfettikanone der Demokratie und die Beta-Blogger auf "FDOG": "…ein Ausweis ganz besonderen Größenwahns ist der Artikel über Blogger in der aktuellen Printausgabe des Spiegels. In dieser wird die Blogosphäre in Deutschland pauschal des Dilettantismus geziehen. Man kann den Artikel angesichts des fortschreitenden Qualitätsverfalls in der Brandstwiete getrost eine Frechheit nennen. Dass der Spiegel schon lange kein Qualitätsmedium mehr ist, sollte inzwischen ausser Frage stehen…" (Quelle und Originaltext: FDOG) [...]
[...] Die Konfettikanone der Demokratie und die Beta-Blogger auf “FDOG”: [...]
[...] Artikel gelesen, als in den so genannten etablierten Medien (egal ob ör oder privat). Bei den FDOG findet man dazu auch gleich eine kurze Liste, die die Anschuldigungen binnen vier Links ad absurdum [...]
[...] Die Konfettikanone der Demokratie und die Beta-Blogger auf “FDOG”: “…ein Ausweis ganz besonderen Größenwahns ist der Artikel über Blogger in der aktuellen Printausgabe des Spiegels. In dieser wird die Blogosphäre in Deutschland pauschal des Dilettantismus geziehen. Man kann den Artikel angesichts des fortschreitenden Qualitätsverfalls in der Brandstwiete getrost eine Frechheit nennen. Dass der Spiegel schon lange kein Qualitätsmedium mehr ist, sollte inzwischen ausser Frage stehen…” (Quelle und Originaltext: FDOG) [...]
[...] Die Konfettikanone der Demokratie und die Beta-Blogger auf “FDOG”: “…ein Ausweis ganz besonderen Größenwahns ist der Artikel über Blogger in der aktuellen Printausgabe des Spiegels. In dieser wird die Blogosphäre in Deutschland pauschal des Dilettantismus geziehen. Man kann den Artikel angesichts des fortschreitenden Qualitätsverfalls in der Brandstwiete getrost eine Frechheit nennen. Dass der Spiegel schon lange kein Qualitätsmedium mehr ist, sollte inzwischen ausser Frage stehen…” (Quelle und Originaltext: FDOG) [...]